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  • die erfindung 23. Mai 2018


    der mensch
    ist die mit abstand

    unglaublichste erfindung gottes


    gleich nach dem schmetterling

     

     

     

     

     

     

     

  • die sprache 20. Mai 2018

    wer die sprache
    als ein instrument der verrohung
    der verblödung und der verdrehung gebraucht
    muss sich nicht wundern
    dass ihn die leute wiederwählen

    jeder politiker bekommt das volk
    das er verdient

    und umgekehrt

     

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  • heidegger meinte 18. Mai 2018

    heidegger meinte
    die moderne technik
    sei die äußerste ferne zum sein
    der mensch verbringe sein leben
    in einer seinsvergessenheit

    ich wage es
    dem meister zu widersprechen

    denn wenn ich mir die automatenführer
    unserer tage so anschaue
    dann ist das doch die perfekte synthese
    von mensch und maschine

    größer kann ein glück kaum sein

     

     

     

     

     

     

     

  • die alten und die jungen 15. Mai 2018

    erst im alter
    erlangen die menschen
    ihr reichstes wissen

    aber die jungen
    haben keine zeit
    ihnen zuzuhören

    weil sie ihr ding
    machen müssen

    so war es immer
    und es wird immer so sein

     

     

     

     

     

     

     

  • als ein lächeln 26. April 2018

    wie nebel am morgen
    verziehen sich langsam
    die bilder der nacht

    nur eines will
    ein wenig länger
    bei mir bleiben

    so lass ich’s
    als ein lächeln
    bis zum abend
    in mir weilen

     

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  • monsteregos 23. April 2018

    sie haben gewalt
    und wollen geliebt sein

    ist das nicht vermessen
    vom dunklen besessen
    ist das nicht absolut krank

    ein nein ist ihnen ein ja
    ein halt ist ihnen ein weiter
    sie sind regelverkehrer
    selbstgesetzgeber
    sie reisen immer mit vollem tank

    und machen die anderen krank

    sie sind getriebene
    für immer kind gebliebene
    autoritäre defizitäre
    parasitäre solitäre

    sie sind falsch wie schlangen
    in allen belangen
    sie gehn über leichen
    in allen bereichen

    wo sie auch mäandern
    sie quälen die andern
    im großen im kleinen
    mit sich nie im reinen

    sind souverän erscheinende
    lächelnde weinende
    triebhaft verborgene
    seelisch verdorbene

    wenn sie dich anvisieren
    inszenieren dominieren
    attackieren annektieren
    im anschluss alles dementieren

    sie würden niemals weichen
    verstehen keine zeichen
    liegen immer auf der lauer
    hinter ihrer angriffsmauer

    egos so mächtig wie berge
    im grunde verzweifelte zwerge
    die allerärmsten schweine
    geben erst ruh als gebeine

    sie haben macht
    wollen geliebt sein

    ein nein ist ihnen ein ja
    ein halt ist ihnen ein weiter
    sie sind regelverkehrer
    selbstgesetzgeber
    sie reisen immer mit vollem tank

    und machen die anderen krank

     

     

     

     

     

     

     

     

  • sie finden sich schön 19. April 2018


    die menschen
    betrachten nicht
    die unheimlichkeit der welt

    sie schauen in den spiegel
    und finden sich schön

    das ist ihre größte stärke

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • clown 9. April 2018

    jene
    die in postfaktischen zeiten
    wahrhaftigkeit leben
    stehen da wie clowns

    na und

    was soll das auch sein
    wahrhaftigkeit

    ist das nicht
    ein viel zu großes wort

    für menschenkinder
    in einer welt wie dieser

     

     

     

     

     

     

     

  • sehnsucht 2. April 2018


    sehnsucht
    ist keine krankheit

    sie gehört zum menschsein
    wie all das andere

     

     

     

     

     

     

     

  • atmendes geheimnis 31. März 2018


    schreiben
    eine auf papier gezauberte fantasie

    musizieren
    ein in den wind geschriebenes gedicht

    schweigen
    ein atmendes geheimnis

     

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  • menschenengel 28. März 2018


    einmal

    an einem kalten tag im februar
    lehnte er mit dem rücken am heizkörper
    und blickte hinaus auf die verschneite landschaft
    eine mutter ging mit ihrem kind den weg entlang
    und über ihnen zog eine krähenschar
    burgwärts

    er hatte sich mit dem werk
    des schweizer seelenforschers befasst
    glaubte etwas verstanden zu haben
    von den menschen und ihrem werk

    alles erschien ihm auf einmal ganz klar

    er schloss die augen
    und sprach die stimme seines sapiensexperten
    langsam und leise in den handapparat


    immerzu erzeugten sie wirklichkeit

    aus ihren wahrnehmungen und betrachtungen
    ihren wünschen und vorstellungen
    erwuchsen wundersame fantasien

    an deren vollendung sie unermüdlich schafften
    angetrieben von einem uralten willen
    von neugierden und sehnsüchten
    im wachen und im träumen

    die seele war die große schöpferische kraft

    fast unbemerkt schenkte sie ihnen das menschsein
    und erzeugte jenes bedeutsame gebilde
    das sie selbstbewusst persönlichkeit nannten

    ihr denken lieferte ihnen pausenlos weltverstehen
    brachte aber nur das im innen schon vorhandene ins offene
    und gab ihnen die illusion freie selbstgestalter zu sein

    das war ihnen wesentlich für ein gelungenes leben

    alles offensichtliche und von ihnen verstandene
    letztlich auch der sinn den sie andauernd allem gaben
    gründete auf ihrem gut verborgenen eigentlichen wesen
    und zeigte sich in selbstgewissen gesten
    und wohlgewählten worten

    sie bemerkten gar nicht
    wie sehr sie dabei menschelten

    weil sie sich sicher fühlen und zurechtfinden mussten
    orientierten sie sich an überschaubaren vorstellungen
    an überlieferten bildern und klaren strukturen
    die sie in der kindheit übernommen hatten
    und dann ein leben lang verteidigten
    auch weil sie bereits seit urzeiten in ihnen waren

    so wurden sie im besten falle
    tiefengesteuerte menschenengel

    die lächelnd den traum ihrer existenz gestalteten

     

    als der experte fertig war
    stoppte er die aufnahme
    er überhörte die rufe des kantianers
    und stand noch eine weile

    die wärme durchströmte ihn angenehm

    seine seele ersehnte mildere tage

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Heiner 25. März 2018

     

    traumartig schön vergehen die tage in der zeit

    jeden morgen werden wir
    beim öffnen der augen neu geboren

    und sterben wieder jede neue nacht

    traumartig verweht die zeit
    bis wir am ende unserer tage
    für immer verreisen

    wohin verraten wir nicht

     

     

    2017 verstarb Heiner Dreizehnter, Gitarrenbauer und Musiker aus dem Allgäu.
    Bei der Blue Stone Recording Session spielt er eines seiner Instrumente. 
    Meine Dreizehnter, die mich seit vielen Jahren begleitet,wird mich
    an diesen lieben Menschen erinnern.

     

     

     

     

     

  • das leben 22. März 2018

     

    manchmal
    wenn er die menschen so betrachtete
    sah er sie als geister von morgen
    er stellte sich vor
    dass in nur wenigen jahren
    eine gänzlich neue population
    die erde bevölkern würde

    jedes einzelne dieser beseelten geschöpfe
    würde schon bald zu sternenstaub zerfallen sein

    der gedanke amüsierte und faszinierte ihn gleichermaßen

    er schmunzelte und wurde sofort wieder ernst

    zeit war ein verrücktes phänomen
    eine erfindung des modernen sapiens
    im grunde gar
    nicht vorhanden
    und doch ein gewaltiger allesbeseitiger

    träume waren auch so etwas immaterielles

    er stellte sich vor wie sie in diesem augenblick
    alle waagerecht
    in ihren betten lagen und träumten
    wie sie sich beim ersten licht rühren
    wieder erwachen und erheben würden

    hinein in den schönsten aller träume

    das leben

     

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  • das wesentliche 15. März 2018


    am frühen morgen stand er am fenster
    und schaute hinaus auf die straße

    die menschen fuhren in ihren rädermachinen vorbei
    mit den händen am lenkrad und mit müden gesichtern

    bald würden die autos ganz von alleine fahren
    dann würde man sein baby zur großmutter bringen lassen
    oder die großmutter zum baby
    ganz ohne begleitung
    oder die katze zum tierarzt
    den einkaufskorb zum supermarkt
    und so weiter

    es war ihm eine bizarre vorstellung
    aber es fehlte nicht mehr viel
    nur noch die vermessung des planeten
    bis in die allerletzte hofeinfahrt

    und so war es mit allem
    alles wurde nun überall miteinander verbunden
    die spezialisten schufen eine schöne neue welt
    und alle fanden das wunderbar
    weil es so nicht mehr weiterging
    und weil es sowieso kommen würde
    wie sie einem alle sagten
    sogar die kanzlerin

    und deshalb war auch er zufrieden

    ernst stand er am fenster
    als er schaute und sich darauf freute

    ja es waren großartige aussichten

    wenn mensch nichts mehr selber musste
    nicht mehr fahren
    nicht mehr arbeiten
    nichts mehr wissen
    d
    ann konnte er sich endlich
    auf das wesentliche konzentrieren

    konsumieren

     

     

     

     

     

     

     

  • in memoriam chris jones 6. März 2018

    ist es nicht tröstlich
    dass auch nach uns
    die natur in voller blüte
    stehen wird im mai
    dass paare sich paaren
    kraniche gen süden ziehn
    und meere anlanden werden

    nur eben ohne uns

     

     

     

     

     

     

     

  • dies eigentliche 24. Februar 2018

    zweifellos lebte er in der besten aller welten

    aber zuweilen sah er das ganz anders

    das rechnende denken
    erzwang es nicht die vermessung
    die vermassung und die vermarktung des menschen

    durch seine verzauberung im zeitalter der dinge

    war der von sich entfremdete und denaturierte
    nicht drauf und dran und im grunde bereits dabei
    endgültig in der durchtechnisierten welt
    vollkommen verloren zu gehen

    versuchte der durchorganisierte nicht intuitiv
    der uneigentlichkeit mit hilfe der fantasie zu entkommen
    so er das geheimnis seines wesens wiederfinde
    in einer welt der märchen und mythen

    ja – diese beschreibung entsprach ganz seinen vorstellungen

    allerdings stellte sich ihm noch eine nicht unwesentliche frage

    was eigentlich war überhaupt

    dies eigentliche

     

     

     

     

     

     

     

  • siebenundsiebzig komma fünf 17. Februar 2018

     

    japanische wissenschaftler haben herausgefunden
    dass die seele des sapiens
    im durchschnitt

    das siebenundsiebzig komma fünf-fache
    seines körpers wiegt

    gearbeitet wurde dabei nicht
    mit einer herkömmlichen waage

    vielmehr kamen gesichtszüge
    und sehnsüchte in den augen
    von alten menschen zur vermessung

    auch körperhaltung und stimme
    wurden miteinbezogen

    das ergebnis multiplizierte man dann
    mit dem rätselfaktor eins komma sieben zwei neun

    die menschliche seele
    ist somit um ein vielfaches schwerer
    als bisher angenommen

    dass sie der gewichtigste teil des menschen ist
    war jedoch schon lange vermutet worden

     

     

     

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  • ganz bei sich 12. Februar 2018

    wenn augen sehnsüchteln
    und gesichtszüge heimwehn

    dann ist mensch 
    ganz bei sich

     

     

     

     

     

     

     

  • traumreisen 9. Februar 2018

    schlafende menschen
    auf traumreise
    mit einem engelslächeln

    oder mit schiefem mund
    im kampf gegen dämonen

    der tag holt sie alle zurück

    bis zum abend

    wenn die neue reise beginnt

     

     

     

     

     

     

     

  • dieser kafka 23. Januar 2018


    wohl selten
    ist einer so erfolgreich gescheitert
    wie dieser kafka

    sein schreiben unvollendet
    sein leben misslungen
    sein lieben eine katastrophe

    und dennoch
    sei er einer der größten

    vielleicht gehört das scheitern
    maßgeblich zum gelingen

    und diese erfolgsbiografien
    sind allesamt trumps

    also fakes

     

     

     

     

     

     

     

  • sturmverzuckert 19. Januar 2018

     

    von leben und lieben
    völlig durchdrungen
    am machen am suchen
    die alten die jungen

    und in jedem moment
    dem tode geweiht

    das ist der mensch

    er trägts mit heiterkeit

     

     

     

     

     

     

     

  • das leben ist ein stern 13. Januar 2018


    das leben ist ein stern

    der golden hell
    am himmel strahlt
    wenn er erscheint

    der blasser wird
    dann mit der zeit
    bis ganz am ende
    er erlischt

    und jemand
    weil er nicht mehr ist
    ganz schrecklich weint

     

     

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  • nebelgestalten 11. Januar 2018

     

    seltsam eigentlich

    wie klar unsere vorstellungen
    und überzeugungen daherkommen
    wo wir doch genau wissen
    wie komplex und unerforscht fein
    unser bewusstsein arbeitet

    im grunde sind wir nebelgestalten
    die alles nur schemenhaft wahrnehmen
    und daraus wahrheiten formen

    die folgen sind oft schlimm

    aber vollkommen menschlich

     

     

     

     

     

     

  • quatschvorstellung 5. Januar 2018


    natürlich ist die seele kein organ

    was für eine quatschvorstellung

    die seele ist der ganze
    lebende liebende leidende endliche

    ohne sie ist er gar kein

    mensch

     

     

     

     

     

     

  • die pulsierende seele 31. Dezember 2017


    in der anstalt verwaltet
    von der technik verschaltet
    vom kommerz vernebelt
    bei der arbeit geknebelt

    wenn sie uns da mal nicht
    im eigenen blute gerinnt

                    ∗∗∗

    ganz so schlimm wird’s schon nicht sein
    kommt alle gut ins neue rein

          

     

    music for the factory scene

     

     

     

     

  • stimmungen 29. Dezember 2017

     

    wie ein musikinstrument
    ist der mensch
    mehr oder weniger
    gut gestimmt

     

     

     

     

     

     

     

     

2017

  • mit kinderaugen 25. Dezember 2017

     

    ein ausweg hätte sein können
    die welt mit kinderaugen zu betrachten

    mit der poesie des poeten

    das sinnlose verklären
    zu einem sinnhaften

    die suchende seele
    findet futter im schönen
    und lässt so das verzweifeln sein

     

     

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  • das strampeln 22. Dezember 2017


    der mensch schafft schönes

    mit ruhe und ein bisschen zeit
    doch meist strampelt er im großen weltenrad
    verpasst so die gelegenheit
     

     

     

     

     

     

  • das staunen 16. Dezember 2017


    wer alles versteht

    verliert das staunen

     

     

     

     

     

     

  • glückssucher 29. November 2017


    die menschen sagten

    so bin ich
    so ist es
    so ist die welt

    und machten sich doch nur 
    vorstellungen von allem 

    im grunde blieben sie glückssucher 

    ein wenig mehr demut
    hätte ihnen gut zu gesicht gestanden

    aber es war die zeit des rausches
    des alles-immer-überall
    und eine attraktion jagte die nächste

    fürs innehalten blieb keine zeit

     

     

     

     

     

  • weil immer neue kommen 18. November 2017

    du fragst
    warum es keinen frieden gibt auf erden

    weil immer neue kommen
    rätselhaft dem nichts entrissen
    die sich beweisen müssen
    die dann erstarken und sich fragen
    was wohl ein gutes leben sei
    und die um liebe sich bemühn
    und sich dabei verkämpfen

     

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  • märchenhaftes 10. November 2017


    bei so manch verschlossenem

    stehn seelenscheunentore offen
    man muss sich trauen durchzugehn
    dann kann man märchenhaftes sehn

     

     

     

     

     

  • wenn er schläft 31. Oktober 2017


    der mensch er dürstet

    nach leben nach sterben
    und immerzu gilt es
    die sehnsucht zu stillen
    mit suchender fordernder
    betender hand

    nur wenn er schläft
    hält er inne
    dann ruht sein großer wille
    dann schwebt er glückselig
    dann lebet er ewig
    dann träumet er lächelnd
    im engelsgewand

     

     

     

  • sommerabschiedsweinen 19. Oktober 2017


    der herbst schleicht sich ganz heimlich

    schon in die letzten warmen tage
    und bald wird ihre seele
    keine frage
    ein blaues sommerabschiedsweinen sein

     

     

     

     

  • shape of my heart 12. Oktober 2017


    die schweigenden

    bergen ein geheimnis
    das sie vermutlich
    selbst nicht verstehn

     

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  • auf dem weg nach utopia 9. Oktober 2017


    er hätte gerne in einer welt gelebt

    wo geist etwas anderes ist als zeitgeist
    bildung mehr als ein werkzeug des massenkonsums
    politik die kunst des besonnenen diskurses
    und würde etwas anderes als menschenwürde
    und ein konjunktiv

    aber es konnte ja noch werden
    schließlich waren sie erst
    in einer art durchgangsstadium

     

     

     

     

     

  • nicht die zeit 3. Oktober 2017

     

    die zeit war nicht das problem
    die uhr war das problem
    weil sie den menschen den frieden nahm

     

     

     

     

     

     

  • inselgesichter 30. September 2017


    als er die gesichter der rückreisenden

    mit denen der hinreisenden verglich
    kam ihm eine frage in den sinn

    konnte es möglich sein
    dass allein die aussicht auf schönes
    kostbarer war als das schöne selbst

     

     

     

     

  • das weinen der feinen 22. September 2017


    wie sie die mäuler aufrissen

    die herren der hässlichen worte
    man schämte sich fast
    ein sapiens zu sein

    gegen das drohen der rohen
    half ihnen das weinen der feinen
    schokolade küsse und wein

     

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  • nur was in ihm war 18. September 2017

     

    nur was in ihm war
    konnte auch im außen sein

    wenn er etwas sah hörte oder berührte
    so sah hörte oder berührte er
    im grunde sich selbst

    dann war er
    dies gesehene dies gehörte dies berührte

    nichts und niemand sonst

     

     

     

     

  • nicht zu hause 5. September 2017

     

    die menschen
    können nicht zu hause bleiben

    immer haben sie das gefühl
    etwas zu versäumen

    die neueste nachricht
    den besten deal
    die große liebe

    dabei wartet das glück
    im menschen selbst

    dies zu entdecken
    braucht es ruhe und zeit

    und beides haben sie nicht

     

     

     

     

  • menschlich 25. August 2017


    auch die besten herzen

    bringen es fertig
    uns
    zu verletzen

    nobody’s perfect

    nicht einmal
    die schwerstgeliebten

     

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  • rätsel 18. August 2017

     

    egal wohin das auge schaut
    es unterscheidet immer
    zwischen hässlich und schön
    ob wir wollen oder nicht
    wir können gar nicht anders

    unser auge priviligiert
    und es diskriminiert
    in sekundenschnelle

    ein gedanke ein klang
    ein bild ein gesicht
    augenblicklich wissen wir
    ob uns etwas gefällt oder nicht

    das warum bleibt wie so oft ein rätsel
    in den tiefen unseres gehirns
    doch der unermüdliche mensch
    ist längst dabei es zu entschlüsseln

    genießen wir die zeit bis dahin

     

     

     

     

     

  • schmetterlinge 14. August 2017

     

    schmetterlinge
    waren seine freunde

    so wunderschön
    so virtuos
    so still

    zauberflügelwunderwesen

    und wenn sie ihn besuchen kamen
    dann wurde ihm ganz warm im bauch

     

     

     

     

     

  • cappuccino 4. August 2017


    die italiener

    machen einfach den besten cappuccino
    auch wenn er aus derselben maschine kommt
    wie bei allen anderen

    es muss wohl die seele
    der zubereitenden hände sein

     

     

     

  • sommer 29. Juli 2017

     

    plötzlich war stille

    die autos hielten an
    die fahrer stiegen aus
    sie schoben ihre rädermaschinen
    aus dem weg und verschwanden
    es roch nach blüten
    und man hörte die vögel singen
    jemand lachte so schön
    wie sie es noch nie gehört hatte
    die ampeln wechselten
    bedeutungslos die farben
    menschen auf zwei rädern
    rollten lautlos über den asphalt
    kinder kamen aus den häusern
    und bemalten die gehwege

    eine schöne frau überquerte die straße

    sie schloß die augen
    wartete eine weile
    und öffnete sie wieder

    es war alles noch da

    sie lächelte
    der kaffee schmeckte nach urlaub

    es war sommer

     

     

  • früher 22. Juli 2017

     

    es kam unter den menschen
    andauernd zu missverständnissen
    weil sie ein und dieselbe sache
    vollkommen unterschiedlich betrachteten

    so lebten sie alle in einer ständigen überforderung

    sie durchschauten weder die sache
    noch die anderen
    noch sich selbst
    taten aber stets so
    als verstünden sie alles

     

     

    bilder und worte: © paulson
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  • im fluss 14. Juli 2017

     

    von nun an
    wollten sie das leben
    als einen fluss begreifen

    sie würden sich drauflegen
    und mitnehmen lassen
    den himmel bestaunen
    und unentwegt lächeln

     

     

     

     

     

  • das wundern 12. Juli 2017

     

    die entzauberung der welt
    ist ein allmählicher vorgang
    der sich mit den jahren vollzieht

    nur die liebe allein
    hält das wundern am leben

     

     

     

     

  • erst in den träumen 3. Juli 2017

     

    jeden abend floss die finsternis
    wie ein schwarzes meer übers land

    weil es aber ein gewohntes war
    fürchteten sich die menschen nicht

    sie richteten sich darauf ein
    zündeten lichter an
    lasen bücher und tranken wein

    erst später in den träumen
    waren sie wieder ganz wehrlos
    und mussten erdulden
    was immer da über sie kam

     

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  • kampf 26. Juni 2017


    unsere sehnsucht

    nach sinn und wahrheit
    steht im ständigen kampf
    mit unserer suche
    nach liebe und anerkennung

    unsere bedürftigkeit
    behindert so unser streben
    nach wahrhaftigkeit

     

     

     

     

  • bilder 22. Juni 2017


    wenn die bilder
    die wir mit den augen sehn
    durch unsre seelen gehn
    wird diese welt
    erst richtig schön

     

     

     

     

  • walls 16. Juni 2017


    die schlimmsten mauern

    sind die in den köpfen

    nicht nur
    weil man sie nicht sieht
    vor allem

    weil sie alle anderen bauen

     

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  • ein uraltes wissen 5. Juni 2017



    in den frühen tagen

    hat uns das meer getragen

    dann sind wir an land gegangen

    und haben damit angefangen
    uns zu schinden und zu plagen

    so leben wir
    so leiden wir

    doch ein uraltes wissen
    führt uns an die ufer zurück

    wo wir stehen
    wo wir staunen
    wo wir schweigen

    weil wir wieder sind

     

     

  • von genau derselben art 22. Mai 2017



    manche bewegen sich durchs leben

    wie geisterschiffe unter schwarzen himmeln
    andre strahlen wie sonnen
    an blütenweißen zauberstränden

    und doch sind beide
    leidende wie leuchtende
    von genau derselben art

     

     

     

     

     

     

  • in gar nicht allzu langer zeit 14. Mai 2017


    als er so saß und schaute

    beim frühstückskaffee
    am sonntagvormittag
    da fuhr durchs zentrum von bonn
    ein auto mit auge auf dem dach
    um alles genau zu vermessen
    damit in gar nicht allzu langer zeit
    auch noch die dackel autonom laufen
    und auf touchdruck bellen konnten

    die autos fuhren bereits fahrerlos
    und eine als amsel verkleidete kamera
    sang vom hausgiebel gegenüber eine mozart-arie
    während an den fenstern der alten häuser
    selige hände nach päckchen griffen
    die sprechenden flugapparate sich bedankten
    und über den dächern surrend wieder verschwanden

    selbst wenn er kein technikfreund gewesen wäre
    hätte er von all dem beglückt sein müssen

    ein mensch ging sehr nah an ihm vorbei
    er war sich aber nicht ganz sicher

    er bezahlte mit einem gedanken
    es war zeit zurückzukehren
    seine batterie ging langsam zu ende

     

    bilder und gedichte: © paulson

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  • hier am schönen 10. Mai 2017

     
    hier am schönen
    liegt seele am ufer
    hier erzählen mir
    die steine ihre geschichte

    ich lausche andächtig
    und verstehe
    allmählich

    meine

     

     

  • die zugleich engel sind 4. Mai 2017



    es mag vielleicht

    sehr kindisch klingen
    aber es gibt sie wirklich
    die menschen
    die zugleich engel sind

    sie duften nach erdbeeren
    und ihre küsse
    schmecken wie marzipan
    mit einem hauch
    von kaffeebohne

     

     
    I hear the drizzle of the rain
    Like a memory it falls
    Soft and warm continuing
    Tapping on my roof and walls
     
    And from the shelter of my mind
    Through the window of my eyes
    I gaze beyond the rain-drenched streets
    To England, where my heart lies
     
    My mind’s distracted and diffused
    My thoughts are many miles away
    They lie with you when you’re asleep
    And kiss you when you start your day
     
    And a song I was writing is left undone
    I don’t know why I spend my time
    Writing songs I can’t believe
    With words that tear and strain to rhyme
     
    And so you see, I have come to doubt
    All that I once held as true
    I stand alone without beliefs
    The only truth I know is you
     
    And as I watch the drops of rain
    Weave their weary paths and die
    I know that I am like the rain
    There but for the grace of you go I
     
    © Simon & Garfunkel
  • das chaos 29. April 2017


    das chaos begann an jenem tag

    als der apfel in die schlange biss
    und eva den lieben gott
    aus dem paradies vertrieb
    damit sie endlich einmal in ruhe
    mit adam rumblödeln konnte

    vielleicht war es aber auch
    genau anders herum

     

    bilder und gedichte: © paulson

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  • unendlich tief 18. April 2017


    unendlich tief

    sind mythen und träume
    ängste und glauben
    im kollektiven gedächtnis
    der menschheit verankert

    wir hängen an ihnen
    wie gefangene an ketten

    und das bisschen verstand
    ist noch nicht einmal
    ein rütteln an ihnen

    man schaue sich nur
    einmal den menschen an

    was er so alles treibt
    in seiner unendlichen not

    aber es steckt auch
    viel gutes in ihm

    das ist ganz gewiss
    nicht die frage

     

     

     

  • pure comedy 15. April 2017

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    sonderlinge


    jene
    die die dinge anders sehen

    als die meisten anderen
    sind oftmals insulaner

    abseits des mainstream-getöses
    schauen sie befremdet auf die welt

    sie gelten als sonderlinge
    wenn sie überhaupt gesehen werden

    im grunde sind sie störenfriede

    verstanden werden sie selten

    eigentlich nur
    wenn sie musiker sind

    oder komiker
    oder gleich beides

    dann aber
    werden sie geliebt

     

    Comedy, now that’s what I call pure comedy
    Just waiting until the part where they start to believe
    They’re at the centre of everything
    and some all-powerful being endowed this horror show with meaning

     

  • draußen am meer 14. April 2017

     

    draußen am meer
    verwandelt sich die seele
    in ein musikinstrument

    wellen wind und weite
    sind die spieler
    die alles verzaubern

    hier wird mensch wieder klar
    alles ist eins
    nein zwei
    atemberaubend
    und vergänglich

     

  • am boden 11. April 2017


    so mancher
    hebt jeden tag die flügel
    und bleibt doch
    ein leben lang
    am boden


    bilder und gedichte: © paulson

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    manche stücke in der zusammenstellung finde ich wunderschön. störend natürlich die werbeunterbrechungen, wenn man sie auf youtube anhört. aber das ist dann wohl der preis dafür, dass die tonschöpfer der dingezeit keine sonstige bezahlung für ihre werke mehr erfahren. wenn man so will, ist das dann eben der deal: kaufanreize gegen kostenlose kunst. hoffen wir, dass die tollen musiker überhaupt ein wenig kleingeld abbekommen.

    das bild auf der compilation ist wunderschön: sieht gerade so aus, als würde da einer nach traumlandien aufbrechen… bin gespannt was er berichten wird, wenn er von dort zurückkehrt.

    viel spaß mit den songs.

    paulson

  • wie die wolken 31. März 2017

     

    wie die wolken am himmel
    kommen und wieder zerfließen
    kommen und gehen
    die gefühle der menschen

    niemals sind sie gleich

    mal fliegen sie himmelhoch
    sind luftig und federleicht

    mal nebeln sie uns ein
    mal machen sie uns angst

    und manchmal weint es aus ihnen

     

     

     

  • dies leuchten 21. März 2017


    und als wir so fuhren
    in der ruhe des abends
    war auf einmal dies leuchten
    und die welt war ein feuer

    wir standen und staunten
    sehr still und verloren
    wir brannten wie flammen
    am rande des seins

     

    bilder und gedichte: © paulson

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  • die schönste musik 18. März 2017


    die schönste musik

    ist die stille

     

    gleich hinterm haus gab es da plötzlich berge. die schwäbischen himmel sind immer für eine überraschung gut.

    alexi murdoch war auch auf einmal da. beim reisen durch das weltweite wunderwerk ist er einer der zufallstreffer in den postfaktischen zeiten. ich nehme aber an, dass es ihn wirklich gibt.

    zuerst wollte ich euch eine stunde stille schicken, aber dieser songpoet ist auch nicht gerade ein lärmender punk. sollte also passen…

    bis demnächst,

    paulson

     

  • erst wenn sie engel werden 4. März 2017

     

    die menschen
    sterben an ihrer sehnsucht

    erst wenn sie engel werden
    fliegen sie zum ersten mal

    bilder und gedichte: © paulson

     

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  • überall auf erden 1. März 2017


    ganz tief aus seinen trieben
    sucht mensch etwas zum lieben
    und überall auf erden
    ersehnt er sich
    geliebt zu werden

     

     

  • zauberwald 21. Februar 2017


    der alte zauber

    es gibt ihn noch
    den wald

    in dem das märchen wohnt
    wo zwischen bäumen
    stimmen flüstern

    jedoch

    der alte zauber ist verflogen
    weil über allem
    ein neuer himmel thront

     

  • auf der brücke 9. Februar 2017

    auf der brücke

    ich steh und schau hinunter
    auf die gerade spur von gleisen
    wo die menschen rauf und runter
    und manchmal in die ferne reisen

    bei dieser wie bei jeder andern fahrt
    geht’s immerzu hinein in neue gegenwart
    dahinter liegt sofort vergangenheit
    wir fallen immer aus der zeit

    im langen auf-der-erde-sein
    bewegen wir uns auf die gleiche weise
    wir fahren hin und her tagaus tagein
    das ganze leben ist ja eine reise

    wir drehen alle eine große runde
    ein wenig ist es wie in einem spiel
    wir kennen nicht die ankunftsstunde
    und ebenso verborgen bleibt das ziel

     

    ich dachte, dass in den neuen zeiten der starken alten männer ein gedichtelein nicht schaden kann.

    es lebe die demokratie! und in ihr lebe hoch die poesie!

    und dann hab ich noch ne interessante musik entdeckt. max richter, ein in berlin lebender britischer komponist. vielleicht gefallen euch in dieser trumpy world ja die eher leisen töne.

    ich grüße euch

    paulson