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2017

  • glückssucher 29. November 2017


    die menschen sagten

    so bin ich
    so ist es
    so ist die welt

    und machten sich doch nur 
    vorstellungen von allem 

    im grunde blieben sie glückssucher 

    ein wenig mehr demut
    hätte ihnen gut zu gesicht gestanden

    aber es war die zeit des rausches
    des alles-immer-überall
    und eine attraktion jagte die nächste

    fürs innehalten blieb keine zeit

     

     

     

  • weil immer neue kommen 18. November 2017

    du fragst
    warum es keinen frieden gibt auf erden

    weil immer neue kommen
    rätselhaft dem nichts entrissen
    die sich beweisen müssen
    die dann erstarken und sich fragen
    was wohl ein gutes leben sei
    und die um liebe sich bemühn
    und sich dabei verkämpfen

     

    bilder und worte: © paulson
    clips und musik: youtube

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  • märchenhaftes 10. November 2017


    bei so manch verschlossenem

    stehn seelenscheunentore offen
    man muss sich trauen durchzugehn
    dann kann man märchenhaftes sehn

     

     

     

     

     

  • wenn er schläft 31. Oktober 2017


    der mensch er dürstet

    nach leben nach sterben
    und immerzu gilt es
    die sehnsucht zu stillen
    mit suchender fordernder
    betender hand

    nur wenn er schläft
    hält er inne
    dann ruht sein großer wille
    dann schwebt er glückselig
    dann lebet er ewig
    dann träumet er lächelnd
    im engelsgewand

     

     

     

  • sommerabschiedsweinen 19. Oktober 2017


    der herbst schleicht sich ganz heimlich

    schon in die letzten warmen tage
    und bald wird ihre seele
    keine frage
    ein blaues sommerabschiedsweinen sein

     

     

     

     

  • shape of my heart 12. Oktober 2017


    die schweigenden

    bergen ein geheimnis
    das sie vermutlich
    selbst nicht verstehn

     

    bilder und worte: © paulson
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  • auf dem weg nach utopia 9. Oktober 2017


    er hätte gerne in einer welt gelebt

    wo geist etwas anderes ist als zeitgeist
    bildung mehr als ein werkzeug des massenkonsums
    politik die kunst des besonnenen diskurses
    und würde etwas anderes als menschenwürde
    und ein konjunktiv

    aber es konnte ja noch werden
    schließlich waren sie erst
    in einer art durchgangsstadium

     

     

     

     

     

  • nicht die zeit 3. Oktober 2017

     

    die zeit war nicht das problem
    die uhr war das problem
    weil sie den menschen den frieden nahm

     

     

     

     

     

     

  • inselgesichter 30. September 2017


    als er die gesichter der rückreisenden

    mit denen der hinreisenden verglich
    kam ihm eine frage in den sinn

    konnte es möglich sein
    dass allein die aussicht auf schönes
    kostbarer war als das schöne selbst

     

     

     

     

  • das weinen der feinen 22. September 2017


    wie sie die mäuler aufrissen

    die herren der hässlichen worte
    man schämte sich fast
    ein sapiens zu sein

    gegen das drohen der rohen
    half ihnen das weinen der feinen
    schokolade küsse und wein

     

    bilder und worte: © paulson
    clips und musik: youtube

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2016

  • die schönste musik 18. März 2017


    die schönste musik

    ist die stille

     

    gleich hinterm haus gab es da plötzlich berge. die schwäbischen himmel sind immer für eine überraschung gut.

    alexi murdoch war auch auf einmal da. beim reisen durch das weltweite wunderwerk ist er einer der zufallstreffer in den postfaktischen zeiten. ich nehme aber an, dass es ihn wirklich gibt.

    zuerst wollte ich euch eine stunde stille schicken, aber dieser songpoet ist auch nicht gerade ein lärmender punk. sollte also passen…

    bis demnächst,

    paulson

     

  • sehnsuchtsstreifen 27. Dezember 2016

    swabian skies 08.12.2016

    nun fliegen sie wieder auf ihre inseln im meer, die sehnsuchtsvögel. schaut euch dieses wasserzeichen-donnervogel-feuerwerk am morgenhimmel über der burg an. wahrhaft spektakulär. irgendein postmoderner künstler muss dort mit dem ganz großen pinsel am werk gewesen sein.

    blöd nur, dass sie auf dem weg zum traumort den überflogenen daheimgebliebenen das blaue zuschmieren, und das in den sonnenärmsten tagen, wo es das gestirn ohnehin nur leidlich über den horizont schafft. vom klimawandel und den vielen am lärm erkrankten spricht sowieso kaum einer mehr, in dieser postfaktischen zeit der ichlinge und der bauchgefühle.

    möchte euch heute mit einigen songs meist junger künstler und einer ziemlich schönen tanz-performance zur musik von arvo pärt auch etwas berühren. es sind mehr oder weniger zufallstreffer. da ich kein radio höre, könnte es sein, dass ein smash-hit darunter ist, den ihr schon längst totgehört habt. ich wähl die sachen ausschließlich nach dem bauchgefühl aus.

    schon crazy, was wir sapiense so alles veranstalten in unserem moribunden leben. wie wir uns in die stratosphäre hochkatapultieren, wie wir uns über alles erheben, uns alles untertan machen, sogar den himmel… wie wir so wunderschön tanzen und musizieren… einander belügen, täuschen und töten… wie wir lachen und trauern… glauben und beten, hoffen und lieben… und all das andere.

    gesteuert werden wir dabei wohl vor allem von unseren archaischen veranlagungen. aber die streiten wir in der regel vehement ab; ist ja auch verständlich, schließlich verlaufen diese vorgänge unbewusst.

    eins ist jedenfalls sicher: zu stoppen sind wir nicht.

    auch nicht im schönen. beim singen und beim tanzen öffnen die menschen ihre seelen. lasst uns das genießen, solange sie uns noch nicht ganz umprogrammiert haben. george orwell, aldous huxley, ray bradbury und co lagen mit ihren zukunftsvisionen wohl nicht so weit daneben. der programmierte mensch nimmt immer klarere konturen an.

    eigentlich eine horrorvision… aber wenn wir so weiter machen, werden wir vielleicht schon bald nur noch durch gehirnmanipulationen zu retten sein. wir hätten es in der hand, doch andere dinge, gerade die banalsten, sind uns viel wichtiger. aber so ist offenbar der mensch.

    kommt gut ins neue jahr, wo immer ihr das hier auch lesen möget.

    paulson

  • mondene nächte 18. Dezember 2016

    moon castle 11












    so herrlich monden sind die nächte im dezember. mensch bekommt schönes zu sehen im magischen licht. am mon(d)tag abend war der anblick einfach märchenhaft.

    ich wünsch euch eine entspannte vorweihnachtszeit.

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=CPbWMvQwroo


  • the boss 26. November 2016

    red sky castle 11-16










    diese woche war da mal ein ziemlich schöner sonnenaufgang über der burg. ich hab das so gut ich konnte fotografiert. in wirklichkeit war noch viel mehr magie drin. grandios, was das naturtheater so alles für uns veranstaltet.

    ein interview im aktuellen zeit-magazin brachte mich heute mal wieder auf die spuren von bruce springsteen. the boss, wie sie diese kunstfigur des american dream nennen, erzählt von seiner autobiographie, vom außen und innen des mythos springsteen, von seinen depressionen, seiner herkunft, seiner familie, seinen einflüssen.

    der mann gilt ja als besonders ehrliche haut, als authentisch, wie man so schön sagt. im zusammenhang mit seinen depressionen erwähnt er auch die beiden alben nebraska und the ghost of tom joad. wer eine ahnung von meinem privatleben haben möchte, kann die bekommen, wenn er bei meiner musik genau hinhört, sagt er im interview. ja, das ist wohl bei songwritern so…

    springsteen bezeichnete trump im vorfeld der wahlen als flagrant, toxic narcissist (…) he simply has no sense of decency and no sense of responsibility about him.  trump sei ein abscheulicher und schädlicher narzisst. er habe keinen sinn für anstand und verantwortung an sich. unter anderem sagte er noch, trumps worte im wahlkampf seien ein generalangriff auf die demokratie gewesen. dieser mann sei eine echte gefahr.

    nun ist es wohl keine große kunst, den neuen amerikanischen präsidenten als abscheulich zu bezeichnen, angesichts dessen, was er sich alles geleistet hat, aber es ist schon gut, dass einer, der auch bei den kleinen leuten punktet, dies so deutlich sagt.

    andere fanden noch viel härtere worte für trump, etwa robert de niro, der die sprache trumps aufgriff, ihn gnadenlos beleidigte und meinte, er würde denjenigen, der mit solchem droht, am liebsten selber in die fresse hauen. well…

    geholfen hat das alles nichts, wir werden nun in einer sehr komplizierten welt mit einem ziemlich schlichten narzissten leben müssen, der aller voraussicht nach die welt in gut und böse einteilen wird. einfache menschen haben ein einfaches weltbild.

    es ist wirklich nicht zu glauben, dass eine person in einer derart wichtigen position nicht um lichtjahre klüger sein muss als dieser donald trump. andererseits denke man nur an das who is who der autokraten und diktatoren. alles scheint möglich, jederzeit.

    vielleicht unterschätzen wir ihn aber auch allesamt. wir werden es erleben. ich erwarte aber nichts gutes und ich kenne hoffnungslose optimisten, die das genauso sehen. jedenfalls kann ich einem, der vorher alle regeln der zivilisierten welt geschändet und so ziemlich alle umgangsformen  missachtet hat, jetzt nicht mehr vertrauen. egal was er tun wird, ich kann diesen menschen nicht mehr ernst nehmen. diese einstellung mag nicht eben christlich sein, aber so empfinde ich das.

    lasst uns einen song des mannes anhören, der so schöne sätze über bob dylan und andere vorbilder sagte: He was the brother that I never had. Like Elvis freed your body, Bob freed your mind.“

    alles liebe,

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=qi0kWe2ixzU

    https://www.youtube.com/watch?v=rF9jQHwRbDk

    https://www.youtube.com/watch?v=n-mq0uJ7rlM


  • aretha franklin und carol king 22. November 2016

    morning castle











    schaut mal, hab ich eben auf yt gefunden: die am 25.3.42 geborene aretha franklin (auf deren musik ich mal sehr gern getanzt hab) singt für die 42 tage jüngere carole king einen ihrer größten hits und obama kommen die tränen. seht euch diese freude, diese extase an. 

    yours

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=8cF0tf35Mbo

    https://www.youtube.com/watch?v=dEWuAcMWDLY

    https://www.youtube.com/watch?v=MOyvYnkdEcc

    https://www.youtube.com/watch?v=0ZZhahbg8Xk




  • quo vadis, sapiens? 19. November 2016

    inselflieger und daheimgebliebene











    quo vadis sapiens


    draußen stürmt es
    und das wetter passt gut
    zu den entwicklungen dieser tage
    zu den erschütterungen
    die weite teile unserer welt
    wie eine serie von erdbeben heimsuchen

    dass kein missverständnis aufkommt
    verantwortlich dafür ist allein
    das angstwesen mensch

    es bleibt nun abzuwarten
    was die großen vereinfacher
    die narzissten und demagogen
    die populisten und nationalisten
    die hetztypen und tonartverstärker
    die faktenverdreher und angstmacher
    diese ganzen wichtigtuergestalten
    und ihre wutbürgergefolgschaft
    so alles anrichten werden
    mit der schönen neuen welt

    der durchtechnisierten
    der durchdigitalisierten
    der durchglobalisierten
    und von verzweifelten
    fanatikern terrorisierten

    pessimisten befürchten
    dass die neuen groben klötze
    leichtes spiel haben werden
    mit immer unzufriedenen bürgern
    die ihr persönliches lebensheil
    in kurzweil konsum und karriere suchen
    und meilenweit vor das gemeinwesen stellen

    fatalisten meinen sogar
    von einem wesen wie dem sapiens
    sei gar nichts anderes zu erwarten
    als dieses immer wiederkehrende trauerspiel

    die optimisten hoffen wie üblich
    dass alles schon nicht so schlimm werden wird
    zumindest für uns hier im reichen westen
    außerdem wird nichts so heiß gegessen

    wie es gekocht wird
    oder so

    die kühnsten hoffen sogar auf den mutbürger

    mögen sie gerne recht behalten

    und wenn doch nicht

    dann fliegen wir eben
    wieder auf die insel

    da ist es eh viel schöner


    alles wird gut,

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=LydYEu1frR8



  • novemberburg 18. November 2016

    novemberburg











    Ich hab schon so manches hohe lied auf den november gesungen. ist es nicht herrlich, wenn die nebel und erste schneeflocken um die burg kreiseln? so schön sie auch sein mag, all die anderen tage des jahres, im november finde ich sie am verwunschesten. der monat hat nicht nur als wort den schönsten klang, es ist auch derjenige, in welchem die rasenmäher endlich eingemottet sind, und das ist ein fast unschlagbarer big point. die nächte werden immer länger und es gibt lange tee,- kerzen-, lese- und kuschelzeiten. da jubelt die seele. für jene von euch, die ganz viel sonne und licht brauchen, hab ich heute weiter unten zwei sonnige songs auf lager.

    vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wie es musikalisch ausschaut beim paulson, weil es keine konzerte und keine neuen aufnahmen gibt. eigentlich eine große schande, wenn man musiker wie ralf gugel und andy schoy am start hat. well, dazu kann ich nur sagen: es soll derzeit wohl einfach nicht sein.

    fast meine gesamte kreative energie fließt nämlich gerade in das schreiben deutscher texte. es ist eine sehr private angelegenheit, deshalb kann ich nicht viel mehr dazu sagen. jedenfalls bedeutet das nicht, dass ich der musik verloren bin. einmal, weil das schreiben auch sehr viel musikalität erfordert, und zum anderen bin ich ja noch blutjung. was natürlich ein scherz sein soll. in genau dem alter, in welchem ich mich gerade befinde, starb ganz überraschend mein dad. ich muss oft an ihn denken in diesen tagen. er war ein wunderbarer mann. sollte ich gesund bleiben, werde ich sicherlich noch jede menge songs schreiben. ich lass es auf mich zukommen. es geht mir so gut wie noch nie im leben. bescheidenheit ist der schlüssel zu meinem glück. weniger ist so viel mehr für mich.

    so, mehr wird nicht verraten. hier kommt eine legendäre kombo, leider ist schon einer von ihnen ein engel. ist aber kein wunder, denn das war er schon zu seinen lebzeiten.

    hugs,

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=cwqhdRs4jyA&list=PLkpTFAHTRH_slIeU6pyw2z70Q7-DZxEtO&index=9

    https://www.youtube.com/watch?v=YPAwrtm-JK8&index=13&list=PLkpTFAHTRH_slIeU6pyw2z70Q7-DZxEtO

  • storyteller 2. November 2016

    31.10.2016











    ich liebe den herbst wirklich, so wie ich inzwischen jede jahreszeit liebe. jeder tag ein geschenk. und jetzt, in den dunkleren tagen, freu ich mich besonders auf kerzen, tee und schnee und ein paar klirrend kalte tage.

    das foto entstand vorgestern unter der burg. was wären wir ohne die sonne?!


    im sommer dieses jahres gab es auf folkworld.eu noch eine rezension von between worlds.

    Paulson „Between Worlds“
    Own label; 2015

    Paulson is as much storyteller as musician and some of these songs get rather prosaic at times. And if most storytelling musicians write short stories, I think some of these go to novella lengths, with Arlo Guthrie mastering the epic novel to stretch my comparison further. The music is strong enough, so you feel the melody and song throughout, which is a fine skill that Paulson and his band have. The overall tone reminds me of Perry Leopold, although it is not quite that ‘out there’. Instead, this offers a comfort of sorts and plenty of stories and thoughts to consider.

    http://www.folkworld.eu/60/e/cds5.html#paul


    falls ihr’s nicht verstehen solltet, es steht etwa drin, dass ich musiker und geschichtenerzähler gleichzeitig sei, dass die texte auf worlds gelegentlich epischen ausmaßes seien, dass die musik und die band aber stark genug sind, die nachdenklichen worte zu tragen.

    so in der art.

    vielleicht denkt ihr an weihnachten ja mal wieder an das hübsche rote paulson-album, damit der kleinefeine kreis von liebhabern meiner bescheidenen kunst noch ein wenig weiterwächst.

    seid gegrüßt,

    paulson


  • dylan 23. Oktober 2016


    Was für ein Moment, als die Nachrichten verkünden, dass Bob Dylan in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird. Mit einem Mal waren all die elenden Gestalten vergessen, die ansonsten unseren Alltag bestimmen, die Trumps, Le Pens und Orbans dieser Welt, für einen ewigen, köstlichen Augenblick konnte es so scheinen, als gäbe es doch noch Gerechtigkeit auf unserem Planeten; und ich schäme mich nicht der Rührung, die mich ergriff, als ich die Nachricht hörte, nicht einmal der Tränen, die mir wider Willen kamen.

    Was an diesem singenden Poeten so groß ist, das es vollends gerechtfertigt erscheinen lässt, ihm den Preis zuzusprechen, ist vielleicht gar nicht leicht denen zu erklären, die sich nicht bereits in seinem Bann befinden.

    so schön beschreibt axel honneth in die zeit, was mit uns, den nachkommen des meisters, am 13.10.2016 passierte. wenn man es nicht ähnlich empfindet, wird man es auch niemandem erklären können, der es nicht so sieht, besser: fühlt. für uns war dylan damals einer, der gegen krieg und für die unterdrückten dieser welt sang und dabei das scharfe mit dem klugen ebenso zu verbinden vermochte wie das hässliche mit dem zärtlichen. seine texte waren bewegend und sie bewegten etwas. er war kein hippie und kein rockstar, er verkörperte von anfang an den erzählenden, den singenden dichter. seinen künstlernamen hatte er passenderweise vom waliser dylan thomas geliehen, dessen lyrik wie ein einziger großer gesang war. dylans stimme muss man nicht mögen, kann man aber. weil sie besonders ist und genau zu dem passt, was er macht. keiner konnte die vokale so ewig in die länge ziehen und dabei so unerhört malträtieren wie er. und der mann hat sich nie instrumentalisieren lassen. ich nehme mal an, dass er bei der preis-verleihung nicht viel mehr als danke sagen wird, sofern er überhaupt aufkreuzt.

    als ich im sommer in ostdeutschland unterwegs war, übernachtete ich nördlich von berlin in einer art garten-bungalow, und nebenan hatte der schwiegersohn der vermieterin eine bob dylan-laube eingerichtet, die man auch als heiligtum bezeichnen könnte. dylan kann man nicht mögen. man kann ihn nur lieben. da wird einer geehrt, der es wahrlich verdient hat. ein poet erster güte, sogar einer, der ein massen-publikum erreicht hat. man muss den preis ja nicht ständig nicht-singenden dichtern überreichen, die kein mensch kennt. da können die literatursachverständigen rummäkeln soviel sie wollen.

    hier eine kleine auswahl an dylan-songs

    viel spaß damit

    bis bald

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=u-Y3KfJs6T0

    https://www.youtube.com/watch?v=TLV4_xaYynY

    https://www.youtube.com/watch?v=l19MJbo7a3Y

    https://www.youtube.com/watch?v=aHMlAYeFeYw

    https://www.youtube.com/watch?v=hPzUGlr-8q0

    https://www.youtube.com/watch?v=6xEpIgFAPGQ

    https://www.youtube.com/watch?v=OeP4FFr88SQ

    https://www.youtube.com/watch?v=Znm70hhw1HY

    https://www.youtube.com/watch?v=-rIJglHIc0U

    https://www.youtube.com/watch?v=nBgkw06JhFA

    https://www.youtube.com/watch?v=q1EoT9sedqY

    https://www.youtube.com/watch?v=FNnxKr7CX1c

    https://www.youtube.com/watch?v=iOHkyZ62jjQ



  • wenn es schön klingt… 2. Oktober 2016

    meer im ostland 2016











    …geht so ziemlich alles. sogar ein song über die b 96 von zittau nach rügen. irgendjemand hat mal gesagt, van morrison könne alles besingen, auch wenn er aus dem telefonbuch vortrage, würde das wunderschön klingen. da ist wohl was dran. es kommt uns menschen nicht so sehr auf das was an, das wie ist uns oft wichtiger.

    die poprock-formation silbermond, auf die ich eigentlich nicht stehe, hat nun auf ihrem neuen album einen song über die b 96 vorgelegt. ist dafür nach nashville gefahren zu den profis. der song ist mystisch, hat einen ruhigen pulsierenden beat. den zauber von manchen liedern der großartigen katja werker. er hat das potenzial mich zu tränen zu rühren. weiß der geier warum.

    aus jedem menschen
    strömt ein geheimnis
    das keiner kennt

    woher soll ich wissen wer ich bin?

    wo ich war weiß ich.

    seit meiner kindheit immer wieder im deutschen ostland. bei tante und onkel, den skifliegenden cousins, ich habe die schaurigen grenzanlagen erlebt, die kälte der diktatur, die wärme der menschen, ihre sehnsucht frei zu sein und wie sie der humor rettete. trabbis auf langen alleen und kopfsteinpflastern, den gestank den sie über die landschaft legten, das fruchtsaftkombinat, in welchem mein onkel tätig war. den mauerfall und danach x reisen mit dem rad durch die neuen länder mit großartigen landschaften, wunderbaren menschen, die jahrzehntelang von einem extrem ins nächste hineingerissen, ihre identitäten immer wieder anzupassen verstanden. kein wunder kam es da auch zu verwirrungen und verirrungen.

    ja, man hört derzeit so viel negtives über den osten deutschlands, auch aus bautzen, wo silbermond herkommen. tatsächlich habe ich auf meiner reise in diesem sommer und am meer auf usedom eine veränderung bemerkt. es waren viele tätowierte menschen ohne haare mit dicken muckibudenmuckis und versteinerten gesichtern unterwegs. es wirkte auf mich, als hätten sie sich wehrhhaft gemacht für einen anstehenden kampf. habe mich weniger wohl gefühlt als noch vor zwei jahren.

    nicht nur im osten, aber dort vielleicht besonders, geht eine diffuse angst um in manchen köpfen. eine menschliche, eine unvernünftige angst, die überall dort blüht, wo die bilder von fremden  eine eigendynamik gewinnen, ohne dass begegnungen zwischen den einander unbekannten stattfinden.

    es gibt keinen grund, die flüchtlingskrise kleinzureden, aber diese aus krieg und elend geflohenen aufzunehmen war ein akt von menschlichkeit und nicht der untergang des abendlandes, wie uns die angstbesessenen und teilweise kriminellen glauben machen wollen. wir sollten uns nicht ängstigen, sondern den menschen begegnen und lernen miteinander zu leben. worte aus dem munde eines insulaners, der weiß, wie schwierig es sein kann, menschliche begegnungen zu wagen. dennoch sage ich: eine humane gesellschaft darf die augen nicht verschließen vor menschen, die vor krieg, terror und elend davonlaufen. jeder von uns würde ebenso handeln. wer gegen die migranten hetzt oder schlimmer, der hat selbst ein problem.

    die krisen der welt werden auch unser land verändern. es ist keine gute lösung, wenn wir uns einmauern. wir sind ein reiches land und sollten die elenden aufnehmen und viel mehr noch dafür arbeiten, dass die krisen vor ort beseitigt werden. diplomatie und lösungen sollten wir exportieren statt waffengeschäfte zu tätigen.

    die angst-populisten in europa und der welt haben derzeit hochkonjunktur. aber angst ist kein guter ratgeber. kluge politik, entschlossenes handeln und beseitigung der weltweiten ungerechtigkeiten sind die schlüssel zu einer mittel- bis langfristigen verbesserung der lage. natürlich müssen wir wehrhaft sein. aber nicht, indem wir uns einbunkern.

    ich muss aber auch sagen und es muss gesagt werden dürfen, ohne gleich in eine rechte ecke gestellt zu werden, dass teile des islam mich auch ängstigen. die frage, wo toleranz ihre grenzen hat, ist eine in unserem land selten diskutierte. wir sollten vernünftig darüber sprechen. kurios finde ich es allerdings, wenn jene, die mit dem christentum nichts oder wenig am hut haben, plötzlich zu verteidigern des christlichen abendlandes mutieren.

    es scheint fast so, als würden reflexe das denken der menschen bestimmen. das war noch nie gut, es muss aber bedacht werden, dass das denken mit dem bauch auch zum menschen gehört. eine kluge politik sollte das berücksichtigen, aber niemals ihre ideale aufgeben um billige wahlsiege zu erringen. was machst du aber als politiker, wenn dir derart die felle wegschwimmen, wie das derzeit bei der cdu der fall ist? nun, ich muss mich gewiss nicht um die cdu sorgen, aber ehrlich gesagt: politiker würde ich auch nicht gerne sein in einem land von konsumenten und hassbürgern (siehe z.b. zdf-produktion hassbürger zwischen protest und extremismus, u.a.). es bedarf wohl des mutes eines jeden demokraten, um da nicht lange geschätzte errungenschaften in windeseile wieder zu verlieren. man kann nur hoffen, dass die menschen ihre zivilcourage nicht verloren haben, im tagtäglichen kampf um produkte.

    auf meinen reisen durch die landschaften im herzen europas habe ich jedes jahr die chance zur besinnung zu kommen, mich und die welt von außen und mit abstand zu betrachten. mit am schönsten sind tatsächlich die im song beschriebenen frühmorgendlichen fahrten durch die felder und wälder. dort kann ich jede menge gedanken verträumen und durch gottverlassene gegenden und dörfer fahren. diese jährliche reise ist mein ganz persönlicher jakobsweg. da kommt einiges in bewegung. ich kann es nur jedem empfehlen, eine solche fahrt auch einmal alleine zu unternehmen.

    zum ersten mal hatte ich diesmal ein so genanntes smartphone mit dabei. hatte vorher keines besessen. bin nun auch teil dieser art des konsums. genieße nun auch diese freiheit, die wohl eher das gegenteil ist. ich habe mir das gerät angeschafft, um nicht ständig von was zu reden, das ich im grunde nicht kenne. nun weiß ich, wie es sich anfühlt, 20 whatsapp-nachrichten in 20 minuten zu schreiben und ständig dinge nachzulesen, die ich nicht wusste und damit ganz gut lebte. ich stelle fest, dass ich mit dem phone nicht immer bei mir bin und dass mich auch stört, nicht zu verstehen, was da in meinem gerät alles mit mir geschieht, was da mit uns menschen geschieht, im ominösen hintergrund der big data.

    erstaunlich
    wie schnell doch
    ein paar amerikanische nerds
    die welt der menschen
    von einer realen
    zu einer virtuellen
    gemacht haben

    der mensch ist sehr formbar
    alles ist jederzeit denkbar

    erschreckt euch die energie und der optimismus der überholspur-menschen nicht auch? dieser enorme soziale und kommerzielle druck der gemacht wird, vor allem unter den heranwachsenden, die ja die zukunft der welt sind. ich sage nichts gegen die menschen, schon gar nicht gegen den einzelnen. ich sorge mich, nicht weil mir der mensch egal, sondern weil er mir wichtig und unsere spezies überaus schützenswert ist.

    ach
    die menschen
    diese wunderschönen
    sehnsuchtstierchen

    was sie nicht alles tun
    für ein wenig zugehörigkeit

    es scheint mir so, als würden die meisten von uns heute eine lähmende furcht vor kritischen gedanken und auseinandersetzungen haben. dass sie instinktiv alles vermeiden, was ihr positives selbstbild und ihre konsumlaune stört.

    dabei ist es uns doch so wichtig, dass es uns an der seele gut geht. glauben wir allen ernstes, dass wir durch das kaufen von sachen unsere mitte finden? wir sind doch eigentlich viel mehr träumer als käufer, unsere seelische ist uns viel wichtiger als unsere materielle verfassung. das problem ist nur, dass eine gigantische industrie pausenlos daran arbeitet, uns vom gegenteil zu überzeugen. sie versuchen, unsere träume zu verknüpfen mit ihren produkten und dienstleistungen, von denen wir die allermeisten gar nicht bräuchten.

    heute ist der himmel nicht mehr voller träume
    heute ist der himmel voller hightech

    der mystische anteil des menschen wird umgeleitet
    in die konsumtempel
    auf die letzten inselparadiese
    in die chatrooms verirrter verlorener

    ich glaube, dass es pegida und die anderen protestbewegungen nicht nur wegen der flüchtlinge gibt. sie sind höchstens der aktuelle anlass für die vermeintliche rückbesinnung auf heimat und nation. die protestler sind womöglich hauptsächlich menschen, die mit der dynamik der so sehr gepriesenen globalisierung, die doch eher ein gnadenloser konsumismus ist, und mit der komplexität der welt nicht mehr zurecht kommen und nicht bemerken, dass sie lediglich einen sündenbock suchen für alles. die flüchtlinge sind schuld und die politiker sowieso. toll. es lebe das feindbild.

    aber bevor ich hier nun endlos weiterschreibe, möchte ich lieber noch ein paar sätze von richard david precht aus der zeit zitieren, die ich gestern früh gelesen habe und die ich für zutreffend halte. die entnommenen absätze stammen aus einem längeren artikel. er erschien unter dem titel


    unsere gereizten seelen. europa braucht staatsbürger und keine konsumenten
    .

    je stärker der wohlstand steigt, umso unpolitischer die menschen. und je unbegrenzter der liberalismus schaltet und waltet, umso blasser das politische bewusstsein der bürger.[…]

    liberales wirtschaften und funktionierende demokratie sind heute in europa untrennbar miteinander verbunden, so untrennbar, dass wir uns das eine ohne das andere kaum vorstellen können.[…]

    bis in die feine unterwäsche unseres bewusstseins hinein hat er [der grenzenlose kapitalismus] unsere staatsbürgerschaft gelöscht und uns zu kunden, konsumenten und usern gemacht.[…]

    und genau das ist das telos [ziel] unserer ökonomie: nicht der zufriedene konsument ist ihr ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene.[…]

    die digitale welt verheißt jedem die illusion ein meinungsmacher zu sein [siehe paulson-songwriter.de]. doch aufmerksamkeit erregt man im netz (wenn überhaupt) maximal für stunden. das internet generiert keine politische bewegung von dauer – ob piratenpartei oder arabischer frühling: was im netz blüht, verwelkt in bisher ungeahnter geschwindigkeit. im grunde ist unsere gesamte private und politische vorstellungswelt durchfunktionalisiert mit unterhaltungsfiktionen.[…]

    realität ist im zeitalter der fiktionen immer das, was sich wie realität anfühlt. die maßlos übertriebenen ängste vor terror oder überfremdung sind nur die flüchtigen gegenwärtigen befürchtungen, gestern war es der klimawandel und die vogelgrippe, und morgen wird etwas anderes auf die schiefe bahn geraten. donald trump und die republikaner haben das längst begriffen. gleichwohl reagieren die gleichen menschen, die ihre ängste für realität halten, weil es ihre ängste sind, argwöhnisch auf jede berichterstattung, die ihnen nicht gefällt. so hätscheln rechte ihre rechten verschwörungstheorien und linke ihre linken.
    doch während unsere gesellschaft auf diese weise panfiktionalisiert [überall in fiktion verwandelt] ist, grenzt sie sich gleichzeitig hart und unerbittlich von einer sphäre ab, von der sie größtmögliche sachlichkeit erwartet: die tagtägliche politik und ökonomie. hier duldet man nicht die geringste fantasie, sondern verschreibt sich einem götzen der sachlichkeit namens effizienz.
    diese trennung von privaten fiktionswelten und ernüchterter lebenswirklichkeit dürfte der wichtigste grund sein, warum politik langweilig wird, nicht nur im hinblick auf europa.[…]

    keine entwicklung, nur trailer, gedreht von einer völlig überreizten medialen erregungsindustrie. wir leiden heute an einer digitalen gedankenverengung wie das mittelalter an einer religiösen. unsere denkschemata kennen nur like und dislike, lieben und hassen. die mehr als fünfzig schattierungen von grau verschwinden aus unserer sprache und aus unserem denken.[…]

    soweit richard david precht.


    jetzt aber endlich der song von silbermond.

    tschüss,

    paulson

    https://www.youtube.com/watch?v=T-y_0Hmgdec