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sehnsuchtsstreifen

swabian skies 08.12.2016

nun fliegen sie wieder auf ihre inseln im meer, die sehnsuchtsvögel. schaut euch dieses wasserzeichen-donnervogel-feuerwerk am morgenhimmel über der burg an. wahrhaft spektakulär. irgendein postmoderner künstler muss dort mit dem ganz großen pinsel am werk gewesen sein.

blöd nur, dass sie auf dem weg zum traumort den überflogenen daheimgebliebenen das blaue zuschmieren, und das in den sonnenärmsten tagen, wo es das gestirn ohnehin nur leidlich über den horizont schafft. vom klimawandel und den vielen am lärm erkrankten spricht sowieso kaum einer mehr, in dieser postfaktischen zeit der ichlinge und der bauchgefühle.

möchte euch heute mit einigen songs meist junger künstler und einer ziemlich schönen tanz-performance zur musik von arvo pärt auch etwas berühren. es sind mehr oder weniger zufallstreffer. da ich kein radio höre, könnte es sein, dass ein smash-hit darunter ist, den ihr schon längst totgehört habt. ich wähl die sachen ausschließlich nach dem bauchgefühl aus.

schon crazy, was wir sapiense so alles veranstalten in unserem moribunden leben. wie wir uns in die stratosphäre hochkatapultieren, wie wir uns über alles erheben, uns alles untertan machen, sogar den himmel… wie wir so wunderschön tanzen und musizieren… einander belügen, täuschen und töten… wie wir lachen und trauern… glauben und beten, hoffen und lieben… und all das andere.

gesteuert werden wir dabei wohl vor allem von unseren archaischen veranlagungen. aber die streiten wir in der regel vehement ab; ist ja auch verständlich, schließlich verlaufen diese vorgänge unbewusst.

eins ist jedenfalls sicher: zu stoppen sind wir nicht.

auch nicht im schönen. beim singen und beim tanzen öffnen die menschen ihre seelen. lasst uns das genießen, solange sie uns noch nicht ganz umprogrammiert haben. george orwell, aldous huxley, ray bradbury und co lagen mit ihren zukunftsvisionen wohl nicht so weit daneben. der programmierte mensch nimmt immer klarere konturen an.

eigentlich eine horrorvision… aber wenn wir so weiter machen, werden wir vielleicht schon bald nur noch durch gehirnmanipulationen zu retten sein. wir hätten es in der hand, doch andere dinge, gerade die banalsten, sind uns viel wichtiger. aber so ist offenbar der mensch.

kommt gut ins neue jahr, wo immer ihr das hier auch lesen möget.

paulson

mondene nächte

moon castle 11












so herrlich monden sind die nächte im dezember. mensch bekommt schönes zu sehen im magischen licht. am mon(d)tag abend war der anblick einfach märchenhaft.

ich wünsch euch eine entspannte vorweihnachtszeit.

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=CPbWMvQwroo


the boss

red sky castle 11-16










diese woche war da mal ein ziemlich schöner sonnenaufgang über der burg. ich hab das so gut ich konnte fotografiert. in wirklichkeit war noch viel mehr magie drin. grandios, was das naturtheater so alles für uns veranstaltet.

ein interview im aktuellen zeit-magazin brachte mich heute mal wieder auf die spuren von bruce springsteen. the boss, wie sie diese kunstfigur des american dream nennen, erzählt von seiner autobiographie, vom außen und innen des mythos springsteen, von seinen depressionen, seiner herkunft, seiner familie, seinen einflüssen.

der mann gilt ja als besonders ehrliche haut, als authentisch, wie man so schön sagt. im zusammenhang mit seinen depressionen erwähnt er auch die beiden alben nebraska und the ghost of tom joad. wer eine ahnung von meinem privatleben haben möchte, kann die bekommen, wenn er bei meiner musik genau hinhört, sagt er im interview. ja, das ist wohl bei songwritern so…

springsteen bezeichnete trump im vorfeld der wahlen als flagrant, toxic narcissist (…) he simply has no sense of decency and no sense of responsibility about him.  trump sei ein abscheulicher und schädlicher narzisst. er habe keinen sinn für anstand und verantwortung an sich. unter anderem sagte er noch, trumps worte im wahlkampf seien ein generalangriff auf die demokratie gewesen. dieser mann sei eine echte gefahr.

nun ist es wohl keine große kunst, den neuen amerikanischen präsidenten als abscheulich zu bezeichnen, angesichts dessen, was er sich alles geleistet hat, aber es ist schon gut, dass einer, der auch bei den kleinen leuten punktet, dies so deutlich sagt.

andere fanden noch viel härtere worte für trump, etwa robert de niro, der die sprache trumps aufgriff, ihn gnadenlos beleidigte und meinte, er würde denjenigen, der mit solchem droht, am liebsten selber in die fresse hauen. well…

geholfen hat das alles nichts, wir werden nun in einer sehr komplizierten welt mit einem ziemlich schlichten narzissten leben müssen, der aller voraussicht nach die welt in gut und böse einteilen wird. einfache menschen haben ein einfaches weltbild.

es ist wirklich nicht zu glauben, dass eine person in einer derart wichtigen position nicht um lichtjahre klüger sein muss als dieser donald trump. andererseits denke man nur an das who is who der autokraten und diktatoren. alles scheint möglich, jederzeit.

vielleicht unterschätzen wir ihn aber auch allesamt. wir werden es erleben. ich erwarte aber nichts gutes und ich kenne hoffnungslose optimisten, die das genauso sehen. jedenfalls kann ich einem, der vorher alle regeln der zivilisierten welt geschändet und so ziemlich alle umgangsformen  missachtet hat, jetzt nicht mehr vertrauen. egal was er tun wird, ich kann diesen menschen nicht mehr ernst nehmen. diese einstellung mag nicht eben christlich sein, aber so empfinde ich das.

lasst uns einen song des mannes anhören, der so schöne sätze über bob dylan und andere vorbilder sagte: He was the brother that I never had. Like Elvis freed your body, Bob freed your mind.“

alles liebe,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=qi0kWe2ixzU

https://www.youtube.com/watch?v=rF9jQHwRbDk

https://www.youtube.com/watch?v=n-mq0uJ7rlM


aretha franklin und carol king

morning castle











schaut mal, hab ich eben auf yt gefunden: die am 25.3.42 geborene aretha franklin (auf deren musik ich mal sehr gern getanzt hab) singt für die 42 tage jüngere carole king einen ihrer größten hits und obama kommen die tränen. seht euch diese freude, diese extase an. 

yours

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=8cF0tf35Mbo

https://www.youtube.com/watch?v=dEWuAcMWDLY

https://www.youtube.com/watch?v=MOyvYnkdEcc

https://www.youtube.com/watch?v=0ZZhahbg8Xk




quo vadis, sapiens?

inselflieger und daheimgebliebene











quo vadis sapiens


draußen stürmt es
und das wetter passt gut
zu den entwicklungen dieser tage
zu den erschütterungen
die weite teile unserer welt
wie eine serie von erdbeben heimsuchen

dass kein missverständnis aufkommt
verantwortlich dafür ist allein
das angstwesen mensch

es bleibt nun abzuwarten
was die großen vereinfacher
die narzissten und demagogen
die populisten und nationalisten
die hetztypen und tonartverstärker
die faktenverdreher und angstmacher
diese ganzen wichtigtuergestalten
und ihre wutbürgergefolgschaft
so alles anrichten werden
mit der schönen neuen welt

der durchtechnisierten
der durchdigitalisierten
der durchglobalisierten
und von verzweifelten
fanatikern terrorisierten

pessimisten befürchten
dass die neuen groben klötze
leichtes spiel haben werden
mit immer unzufriedenen bürgern
die ihr persönliches lebensheil
in kurzweil konsum und karriere suchen
und meilenweit vor das gemeinwesen stellen

fatalisten meinen sogar
von einem wesen wie dem sapiens
sei gar nichts anderes zu erwarten
als dieses immer wiederkehrende trauerspiel

die optimisten hoffen wie üblich
dass alles schon nicht so schlimm werden wird
zumindest für uns hier im reichen westen
außerdem wird nichts so heiß gegessen

wie es gekocht wird
oder so

die kühnsten hoffen sogar auf den mutbürger

mögen sie gerne recht behalten

und wenn doch nicht

dann fliegen wir eben
wieder auf die insel

da ist es eh viel schöner


alles wird gut,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=LydYEu1frR8



novemberburg

novemberburg











Ich hab schon so manches hohe lied auf den november gesungen. ist es nicht herrlich, wenn die nebel und erste schneeflocken um die burg kreiseln? so schön sie auch sein mag, all die anderen tage des jahres, im november finde ich sie am verwunschesten. der monat hat nicht nur als wort den schönsten klang, es ist auch derjenige, in welchem die rasenmäher endlich eingemottet sind, und das ist ein fast unschlagbarer big point. die nächte werden immer länger und es gibt lange tee,- kerzen-, lese- und kuschelzeiten. da jubelt die seele. für jene von euch, die ganz viel sonne und licht brauchen, hab ich heute weiter unten zwei sonnige songs auf lager.

vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wie es musikalisch ausschaut beim paulson, weil es keine konzerte und keine neuen aufnahmen gibt. eigentlich eine große schande, wenn man musiker wie ralf gugel und andy schoy am start hat. well, dazu kann ich nur sagen: es soll derzeit wohl einfach nicht sein.

fast meine gesamte kreative energie fließt nämlich gerade in das schreiben deutscher texte. es ist eine sehr private angelegenheit, deshalb kann ich nicht viel mehr dazu sagen. jedenfalls bedeutet das nicht, dass ich der musik verloren bin. einmal, weil das schreiben auch sehr viel musikalität erfordert, und zum anderen bin ich ja noch blutjung. was natürlich ein scherz sein soll. in genau dem alter, in welchem ich mich gerade befinde, starb ganz überraschend mein dad. ich muss oft an ihn denken in diesen tagen. er war ein wunderbarer mann. sollte ich gesund bleiben, werde ich sicherlich noch jede menge songs schreiben. ich lass es auf mich zukommen. es geht mir so gut wie noch nie im leben. bescheidenheit ist der schlüssel zu meinem glück. weniger ist so viel mehr für mich.

so, mehr wird nicht verraten. hier kommt eine legendäre kombo, leider ist schon einer von ihnen ein engel. ist aber kein wunder, denn das war er schon zu seinen lebzeiten.

hugs,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=cwqhdRs4jyA&list=PLkpTFAHTRH_slIeU6pyw2z70Q7-DZxEtO&index=9

https://www.youtube.com/watch?v=YPAwrtm-JK8&index=13&list=PLkpTFAHTRH_slIeU6pyw2z70Q7-DZxEtO

storyteller

31.10.2016











ich liebe den herbst wirklich, so wie ich inzwischen jede jahreszeit liebe. jeder tag ein geschenk. und jetzt, in den dunkleren tagen, freu ich mich besonders auf kerzen, tee und schnee und ein paar klirrend kalte tage.

das foto entstand vorgestern unter der burg. was wären wir ohne die sonne?!


im sommer dieses jahres gab es auf folkworld.eu noch eine rezension von between worlds.

Paulson “Between Worlds”
Own label; 2015

Paulson is as much storyteller as musician and some of these songs get rather prosaic at times. And if most storytelling musicians write short stories, I think some of these go to novella lengths, with Arlo Guthrie mastering the epic novel to stretch my comparison further. The music is strong enough, so you feel the melody and song throughout, which is a fine skill that Paulson and his band have. The overall tone reminds me of Perry Leopold, although it is not quite that ‘out there’. Instead, this offers a comfort of sorts and plenty of stories and thoughts to consider.

http://www.folkworld.eu/60/e/cds5.html#paul


falls ihr’s nicht verstehen solltet, es steht etwa drin, dass ich musiker und geschichtenerzähler gleichzeitig sei, dass die texte auf worlds gelegentlich epischen ausmaßes seien, dass die musik und die band aber stark genug sind, die nachdenklichen worte zu tragen.

so in der art.

vielleicht denkt ihr an weihnachten ja mal wieder an das hübsche rote paulson-album, damit der kleinefeine kreis von liebhabern meiner bescheidenen kunst noch ein wenig weiterwächst.

seid gegrüßt,

paulson


dylan


Was für ein Moment, als die Nachrichten verkünden, dass Bob Dylan in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten wird. Mit einem Mal waren all die elenden Gestalten vergessen, die ansonsten unseren Alltag bestimmen, die Trumps, Le Pens und Orbans dieser Welt, für einen ewigen, köstlichen Augenblick konnte es so scheinen, als gäbe es doch noch Gerechtigkeit auf unserem Planeten; und ich schäme mich nicht der Rührung, die mich ergriff, als ich die Nachricht hörte, nicht einmal der Tränen, die mir wider Willen kamen.

Was an diesem singenden Poeten so groß ist, das es vollends gerechtfertigt erscheinen lässt, ihm den Preis zuzusprechen, ist vielleicht gar nicht leicht denen zu erklären, die sich nicht bereits in seinem Bann befinden.

so schön beschreibt axel honneth in die zeit, was mit uns, den nachkommen des meisters, am 13.10.2016 passierte. wenn man es nicht ähnlich empfindet, wird man es auch niemandem erklären können, der es nicht so sieht, besser: fühlt. für uns war dylan damals einer, der gegen krieg und für die unterdrückten dieser welt sang und dabei das scharfe mit dem klugen ebenso zu verbinden vermochte wie das hässliche mit dem zärtlichen. seine texte waren bewegend und sie bewegten etwas. er war kein hippie und kein rockstar, er verkörperte von anfang an den erzählenden, den singenden dichter. seinen künstlernamen hatte er passenderweise vom waliser dylan thomas geliehen, dessen lyrik wie ein einziger großer gesang war. dylans stimme muss man nicht mögen, kann man aber. weil sie besonders ist und genau zu dem passt, was er macht. keiner konnte die vokale so ewig in die länge ziehen und dabei so unerhört malträtieren wie er. und der mann hat sich nie instrumentalisieren lassen. ich nehme mal an, dass er bei der preis-verleihung nicht viel mehr als danke sagen wird, sofern er überhaupt aufkreuzt.

als ich im sommer in ostdeutschland unterwegs war, übernachtete ich nördlich von berlin in einer art garten-bungalow, und nebenan hatte der schwiegersohn der vermieterin eine bob dylan-laube eingerichtet, die man auch als heiligtum bezeichnen könnte. dylan kann man nicht mögen. man kann ihn nur lieben. da wird einer geehrt, der es wahrlich verdient hat. ein poet erster güte, sogar einer, der ein massen-publikum erreicht hat. man muss den preis ja nicht ständig nicht-singenden dichtern überreichen, die kein mensch kennt. da können die literatursachverständigen rummäkeln soviel sie wollen.

hier eine kleine auswahl an dylan-songs

viel spaß damit

bis bald

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=u-Y3KfJs6T0

https://www.youtube.com/watch?v=TLV4_xaYynY

https://www.youtube.com/watch?v=l19MJbo7a3Y

https://www.youtube.com/watch?v=aHMlAYeFeYw

https://www.youtube.com/watch?v=hPzUGlr-8q0

https://www.youtube.com/watch?v=6xEpIgFAPGQ

https://www.youtube.com/watch?v=OeP4FFr88SQ

https://www.youtube.com/watch?v=Znm70hhw1HY

https://www.youtube.com/watch?v=-rIJglHIc0U

https://www.youtube.com/watch?v=nBgkw06JhFA

https://www.youtube.com/watch?v=q1EoT9sedqY

https://www.youtube.com/watch?v=FNnxKr7CX1c

https://www.youtube.com/watch?v=iOHkyZ62jjQ



wenn es schön klingt…

meer im ostland 2016











…geht so ziemlich alles. sogar ein song über die b 96 von zittau nach rügen. irgendjemand hat mal gesagt, van morrison könne alles besingen, auch wenn er aus dem telefonbuch vortrage, würde das wunderschön klingen. da ist wohl was dran. es kommt uns menschen nicht so sehr auf das was an, das wie ist uns oft wichtiger.

die poprock-formation silbermond, auf die ich eigentlich nicht stehe, hat nun auf ihrem neuen album einen song über die b 96 vorgelegt. ist dafür nach nashville gefahren zu den profis. der song ist mystisch, hat einen ruhigen pulsierenden beat. den zauber von manchen liedern der großartigen katja werker. er hat das potenzial mich zu tränen zu rühren. weiß der geier warum.

aus jedem menschen
strömt ein geheimnis
das keiner kennt

woher soll ich wissen wer ich bin?

wo ich war weiß ich.

seit meiner kindheit immer wieder im deutschen ostland. bei tante und onkel, den skifliegenden cousins, ich habe die schaurigen grenzanlagen erlebt, die kälte der diktatur, die wärme der menschen, ihre sehnsucht frei zu sein und wie sie der humor rettete. trabbis auf langen alleen und kopfsteinpflastern, den gestank den sie über die landschaft legten, das fruchtsaftkombinat, in welchem mein onkel tätig war. den mauerfall und danach x reisen mit dem rad durch die neuen länder mit großartigen landschaften, wunderbaren menschen, die jahrzehntelang von einem extrem ins nächste hineingerissen, ihre identitäten immer wieder anzupassen verstanden. kein wunder kam es da auch zu verwirrungen und verirrungen.

ja, man hört derzeit so viel negtives über den osten deutschlands, auch aus bautzen, wo silbermond herkommen. tatsächlich habe ich auf meiner reise in diesem sommer und am meer auf usedom eine veränderung bemerkt. es waren viele tätowierte menschen ohne haare mit dicken muckibudenmuckis und versteinerten gesichtern unterwegs. es wirkte auf mich, als hätten sie sich wehrhhaft gemacht für einen anstehenden kampf. habe mich weniger wohl gefühlt als noch vor zwei jahren.

nicht nur im osten, aber dort vielleicht besonders, geht eine diffuse angst um in manchen köpfen. eine menschliche, eine unvernünftige angst, die überall dort blüht, wo die bilder von fremden  eine eigendynamik gewinnen, ohne dass begegnungen zwischen den einander unbekannten stattfinden.

es gibt keinen grund, die flüchtlingskrise kleinzureden, aber diese aus krieg und elend geflohenen aufzunehmen war ein akt von menschlichkeit und nicht der untergang des abendlandes, wie uns die angstbesessenen und teilweise kriminellen glauben machen wollen. wir sollten uns nicht ängstigen, sondern den menschen begegnen und lernen miteinander zu leben. worte aus dem munde eines insulaners, der weiß, wie schwierig es sein kann, menschliche begegnungen zu wagen. dennoch sage ich: eine humane gesellschaft darf die augen nicht verschließen vor menschen, die vor krieg, terror und elend davonlaufen. jeder von uns würde ebenso handeln. wer gegen die migranten hetzt oder schlimmer, der hat selbst ein problem.

die krisen der welt werden auch unser land verändern. es ist keine gute lösung, wenn wir uns einmauern. wir sind ein reiches land und sollten die elenden aufnehmen und viel mehr noch dafür arbeiten, dass die krisen vor ort beseitigt werden. diplomatie und lösungen sollten wir exportieren statt waffengeschäfte zu tätigen.

die angst-populisten in europa und der welt haben derzeit hochkonjunktur. aber angst ist kein guter ratgeber. kluge politik, entschlossenes handeln und beseitigung der weltweiten ungerechtigkeiten sind die schlüssel zu einer mittel- bis langfristigen verbesserung der lage. natürlich müssen wir wehrhaft sein. aber nicht, indem wir uns einbunkern.

ich muss aber auch sagen und es muss gesagt werden dürfen, ohne gleich in eine rechte ecke gestellt zu werden, dass teile des islam mich auch ängstigen. die frage, wo toleranz ihre grenzen hat, ist eine in unserem land selten diskutierte. wir sollten vernünftig darüber sprechen. kurios finde ich es allerdings, wenn jene, die mit dem christentum nichts oder wenig am hut haben, plötzlich zu verteidigern des christlichen abendlandes mutieren.

es scheint fast so, als würden reflexe das denken der menschen bestimmen. das war noch nie gut, es muss aber bedacht werden, dass das denken mit dem bauch auch zum menschen gehört. eine kluge politik sollte das berücksichtigen, aber niemals ihre ideale aufgeben um billige wahlsiege zu erringen. was machst du aber als politiker, wenn dir derart die felle wegschwimmen, wie das derzeit bei der cdu der fall ist? nun, ich muss mich gewiss nicht um die cdu sorgen, aber ehrlich gesagt: politiker würde ich auch nicht gerne sein in einem land von konsumenten und hassbürgern (siehe z.b. zdf-produktion hassbürger zwischen protest und extremismus, u.a.). es bedarf wohl des mutes eines jeden demokraten, um da nicht lange geschätzte errungenschaften in windeseile wieder zu verlieren. man kann nur hoffen, dass die menschen ihre zivilcourage nicht verloren haben, im tagtäglichen kampf um produkte.

auf meinen reisen durch die landschaften im herzen europas habe ich jedes jahr die chance zur besinnung zu kommen, mich und die welt von außen und mit abstand zu betrachten. mit am schönsten sind tatsächlich die im song beschriebenen frühmorgendlichen fahrten durch die felder und wälder. dort kann ich jede menge gedanken verträumen und durch gottverlassene gegenden und dörfer fahren. diese jährliche reise ist mein ganz persönlicher jakobsweg. da kommt einiges in bewegung. ich kann es nur jedem empfehlen, eine solche fahrt auch einmal alleine zu unternehmen.

zum ersten mal hatte ich diesmal ein so genanntes smartphone mit dabei. hatte vorher keines besessen. bin nun auch teil dieser art des konsums. genieße nun auch diese freiheit, die wohl eher das gegenteil ist. ich habe mir das gerät angeschafft, um nicht ständig von was zu reden, das ich im grunde nicht kenne. nun weiß ich, wie es sich anfühlt, 20 whatsapp-nachrichten in 20 minuten zu schreiben und ständig dinge nachzulesen, die ich nicht wusste und damit ganz gut lebte. ich stelle fest, dass ich mit dem phone nicht immer bei mir bin und dass mich auch stört, nicht zu verstehen, was da in meinem gerät alles mit mir geschieht, was da mit uns menschen geschieht, im ominösen hintergrund der big data.

erstaunlich
wie schnell doch
ein paar amerikanische nerds
die welt der menschen
von einer realen
zu einer virtuellen
gemacht haben

der mensch ist sehr formbar
alles ist jederzeit denkbar

erschreckt euch die energie und der optimismus der überholspur-menschen nicht auch? dieser enorme soziale und kommerzielle druck der gemacht wird, vor allem unter den heranwachsenden, die ja die zukunft der welt sind. ich sage nichts gegen die menschen, schon gar nicht gegen den einzelnen. ich sorge mich, nicht weil mir der mensch egal, sondern weil er mir wichtig und unsere spezies überaus schützenswert ist.

ach
die menschen
diese wunderschönen
sehnsuchtstierchen

was sie nicht alles tun
für ein wenig zugehörigkeit

es scheint mir so, als würden die meisten von uns heute eine lähmende furcht vor kritischen gedanken und auseinandersetzungen haben. dass sie instinktiv alles vermeiden, was ihr positives selbstbild und ihre konsumlaune stört.

dabei ist es uns doch so wichtig, dass es uns an der seele gut geht. glauben wir allen ernstes, dass wir durch das kaufen von sachen unsere mitte finden? wir sind doch eigentlich viel mehr träumer als käufer, unsere seelische ist uns viel wichtiger als unsere materielle verfassung. das problem ist nur, dass eine gigantische industrie pausenlos daran arbeitet, uns vom gegenteil zu überzeugen. sie versuchen, unsere träume zu verknüpfen mit ihren produkten und dienstleistungen, von denen wir die allermeisten gar nicht bräuchten.

heute ist der himmel nicht mehr voller träume
heute ist der himmel voller hightech

der mystische anteil des menschen wird umgeleitet
in die konsumtempel
auf die letzten inselparadiese
in die chatrooms verirrter verlorener

ich glaube, dass es pegida und die anderen protestbewegungen nicht nur wegen der flüchtlinge gibt. sie sind höchstens der aktuelle anlass für die vermeintliche rückbesinnung auf heimat und nation. die protestler sind womöglich hauptsächlich menschen, die mit der dynamik der so sehr gepriesenen globalisierung, die doch eher ein gnadenloser konsumismus ist, und mit der komplexität der welt nicht mehr zurecht kommen und nicht bemerken, dass sie lediglich einen sündenbock suchen für alles. die flüchtlinge sind schuld und die politiker sowieso. toll. es lebe das feindbild.

aber bevor ich hier nun endlos weiterschreibe, möchte ich lieber noch ein paar sätze von richard david precht aus der zeit zitieren, die ich gestern früh gelesen habe und die ich für zutreffend halte. die entnommenen absätze stammen aus einem längeren artikel. er erschien unter dem titel


unsere gereizten seelen. europa braucht staatsbürger und keine konsumenten
.

je stärker der wohlstand steigt, umso unpolitischer die menschen. und je unbegrenzter der liberalismus schaltet und waltet, umso blasser das politische bewusstsein der bürger.[…]

liberales wirtschaften und funktionierende demokratie sind heute in europa untrennbar miteinander verbunden, so untrennbar, dass wir uns das eine ohne das andere kaum vorstellen können.[…]

bis in die feine unterwäsche unseres bewusstseins hinein hat er [der grenzenlose kapitalismus] unsere staatsbürgerschaft gelöscht und uns zu kunden, konsumenten und usern gemacht.[…]

und genau das ist das telos [ziel] unserer ökonomie: nicht der zufriedene konsument ist ihr ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene.[…]

die digitale welt verheißt jedem die illusion ein meinungsmacher zu sein [siehe paulson-songwriter.de]. doch aufmerksamkeit erregt man im netz (wenn überhaupt) maximal für stunden. das internet generiert keine politische bewegung von dauer – ob piratenpartei oder arabischer frühling: was im netz blüht, verwelkt in bisher ungeahnter geschwindigkeit. im grunde ist unsere gesamte private und politische vorstellungswelt durchfunktionalisiert mit unterhaltungsfiktionen.[…]

realität ist im zeitalter der fiktionen immer das, was sich wie realität anfühlt. die maßlos übertriebenen ängste vor terror oder überfremdung sind nur die flüchtigen gegenwärtigen befürchtungen, gestern war es der klimawandel und die vogelgrippe, und morgen wird etwas anderes auf die schiefe bahn geraten. donald trump und die republikaner haben das längst begriffen. gleichwohl reagieren die gleichen menschen, die ihre ängste für realität halten, weil es ihre ängste sind, argwöhnisch auf jede berichterstattung, die ihnen nicht gefällt. so hätscheln rechte ihre rechten verschwörungstheorien und linke ihre linken.
doch während unsere gesellschaft auf diese weise panfiktionalisiert [überall in fiktion verwandelt] ist, grenzt sie sich gleichzeitig hart und unerbittlich von einer sphäre ab, von der sie größtmögliche sachlichkeit erwartet: die tagtägliche politik und ökonomie. hier duldet man nicht die geringste fantasie, sondern verschreibt sich einem götzen der sachlichkeit namens effizienz.
diese trennung von privaten fiktionswelten und ernüchterter lebenswirklichkeit dürfte der wichtigste grund sein, warum politik langweilig wird, nicht nur im hinblick auf europa.[…]

keine entwicklung, nur trailer, gedreht von einer völlig überreizten medialen erregungsindustrie. wir leiden heute an einer digitalen gedankenverengung wie das mittelalter an einer religiösen. unsere denkschemata kennen nur like und dislike, lieben und hassen. die mehr als fünfzig schattierungen von grau verschwinden aus unserer sprache und aus unserem denken.[…]

soweit richard david precht.


jetzt aber endlich der song von silbermond.

tschüss,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=T-y_0Hmgdec



millionenfach…

wegwarte 7-2016

….stehen sie derzeit wieder am wegrand, die filigranen wunderwerke der gemeinen wegwarte. märchenhafte farben und formen sind das.

wenn ich’s recht weiß klappt die pflanze des nächtens die blütenblätter hoch, um ihre schätze vor räubern zu schützen… da bin ich mir aber nicht mehr so ganz sicher.

und hier noch zwei songs für die ferien. amos lee ist einer meiner liebsten, er hat einige wundervolle alben aufgenommen.

https://www.youtube.com/watch?v=FSnVxzAEWEQ

https://www.youtube.com/watch?v=qPN2QDoP5ac

enjoy,

paulson

schön ist es…

kleiner heuberg - alb -1.7.2016

…im heimatland. jenseits des hässlichen lässt sich vieles entdecken… vor allem per pedes… per pedales…. immer wieder, zwischen den grauen asphalt-bändern und beton-landschaften.

schönes entdecken lässt sich auch auf youtube. kennt ihr kelly joe phelps? habe ihn neulich mal durch zufall gefunden, als ich eine nummer von steve earle aus dem bluebird cafe anhören wollte. und da war dann dieser mir noch unbekannte fantastische musiker mit von der partie. auch eric taylor performt in derselben show. wunderbar.

https://www.youtube.com/watch?v=OPwrIiySsTM

https://www.youtube.com/watch?v=NMriOc9VXgo&list=RDOPwrIiySsTM&index=2

so long.

paulson

jeden neuen tag…

ready to go 12.6.2016

… frage ich mich, weshalb wir das schöne zerstören und das hässliche erschaffen. vielleicht ist eine antwort ja: wir sehen das schöne gar nicht… gerade jenes, das ganz nah bei uns als wunder geschieht, jeden neuen tag.

https://www.youtube.com/watch?v=FCVFMUAdGI0&list=RDVLAei3b3sXc&index=2

paulson


geisterburg…

geisterburg 04 06 2016

… im wonnemonat mai.

hoppla, ist ja bereits juni… und der regengott meint es ziemlich gut mit uns in diesem jahr. aber wir wollen uns nicht beklagen. es existiert kein menschenrecht auf schönes wetter. ohnehin würde es jeder anders wollen.

ja, es gibt da einige kleinefeine dinge, die noch nicht in menschenhand sind.

gott sei dank.

let the sun shine… with a smile.

https://www.youtube.com/watch?v=d97uQCDV29I

paulson

Im Garten

after the rain 2

Der Frühling ist zurück und mit ihm die Motoren. Gärten sind heute keine Orte der Ruhe und der Erholung mehr, sie sind Orte der Maschinenarbeit.

Ich weiß, das hatte ich schon einmal. Aber der Wandel ist tatsächlich beeindruckend.

Jedes Jahr stehe ich von neuem fassungslos angesichts des Wunders, das sich draußen vollzieht und der Tatsache, was die Menschen daraus machen. Lesen oder einfach mal dasitzen und den Frühling bestaunen, ist nahezu unmöglich geworden.
Da ist so ein Regentag wie gestern die reine Erholung für einen stillen Bewohner von Lärmanien.

In so einem Land der Lauten, da musst du gelassen bleiben, obwohl es dich verrückt macht, damit du nicht verrückt wirst. Klingt paradox? Ist es!

Gelassenheit ist ja bekanntlich Gleichgültigkeit gegenüber dem, was man nicht ändern kann. Und sei es noch so bescheuert. Jedenfalls ist an schönen Tagen im Frühling das Sitzen auf dem Balkon nur noch unter dicken Kopfhörern möglich. Dann ersetze ich den hässlichen durch etwas schöneren Lärm. Zum Beispiel durch die Musik von Mogwai. Und Rasenmäher und Laubbläser passen dann durchaus zwischen rein.

Da fällt mir Epikurs Athener Garten ein, in welchem er und seine Anhänger die Selbstgenügsamkeit lebten, sich bei guten Gesprächen mit dem Wenigen begnügten. Die Gewöhnung an eine einfache Lebensweise verleihe dem Menschen die Verfassung sein Leben zu meistern. Brot und Wasser erzeugten den Epikureern die höchste Lust. Eine hohe Lebensqualität war für den Griechen nicht die Anhäufung von materiellen Gütern, sondern die Gelassenheit, der Verzicht, die Selbstgenügsamkeit, die Schicksalsergebenheit, eine Art Herzens- und Seelenruhe, die er wohl Ataraxia nannte. Die sei vergleichbar mit der Ruhe des Meeres wenn kein Wind weht.

Wir lassen uns heute ohne Not von Konsum, Lärm und Gestank tyrannisieren und täglich treiben wir uns noch weiter in den kollektiven Wahnsinn. Und dem entfliehen wir dann in die letzten Paradiese, indem wir einen enormen Reiseaufwand betreiben, dessen Kosten später die Allgemeinheit zu tragen hat.

In der neuen ZEIT bezieht die brilliant schreibende Iris Radisch das Reiseverhalten der reichen Bewohner des Westens auf die Flüchtlingsthematik. Zuvor erläutert sie eine der wesentlichen Fluchtursachen: Die Menschen der Entwicklungsländer würden in nur wenigen Tagen aus dem Mittelalter in die Moderne fliehen, welche ihnen auch in den entlegendsten Winkeln via Smartphone permanent vor Augen geführt werde. Nichts könne diese Menschen aufhalten.

Dann schreibt sie:

In der kommenden Sommersaison wird es also jede Menge Zeitreisen geben: Während reiche Europäer auf der Suche nach der authentischen Welt von gestern teure Fernreisen buchen und sich unter der Führung gutgelaunter Reiseleiter an der Besichtigung hierzulande überwundener Lebensweisen erfreuen werden, bezahlen die in der Welt von gestern Lebenden überaus teure und übel gelaunte Reiseführer, die sie in die Gegenwart der traditionslosen Turbo-Moderne verschleppen. Es bedarf keiner allzu großen Hellsicht, um die Enttäuschung beider Reisegruppen zu prognostizieren. Der Ferntourist findet die Besonderheiten einer lokalen Armutskultur nur noch in folkloristischer Schrumpfform. Und tröstet sich an der öden Hotelbar. Der Flüchtling kommt statt in der Turbo-Moderne vorerst in der Turnhalle in Clausnitz unter. Und verzweifelt an der Ereignislosigkeit seiner Tage und den peinlichen Hassgrölern vor der Tür.

In dieser so genannten modernen Zeit scheint mir das gelassene Glück tatsächlich nur noch im Rückzug von einer wild gewordenen Gesellschaft möglich, denn diese steht unter dem Diktat von totaler Technisierung und Digitalisierung, totalem Konsum, totaler Naturzerstörung.

Schwer zu sagen wer dafür verantwortlich ist. Vermutlich gar niemand. Tiefenpsychologisch aber sicherlich die Sterblichkeit des Menschen und sein Wissen darum, sein Überlebenswille, seine Selbstliebe und die enorme Dynamik die sich aus allen dreien ergibt.

Von Milliarden von anderen Tieren einmal abgesehen sind wir aktuell 7 336 000 000 glückshungrige Menschenseelen auf dem Heimatplaneten. Das entspricht 7336 mal der Einwohnerschaft von Köln. (Wer das nachvollziehen möchte, der mache einmal auf einem Ball zwei Stunden und zwei Minuten lang jede Sekunde einen Punkt. Jeder dieser Punkte entspricht einer Million Menschen.) Und jeder einzelne Mensch versucht in erster Linie sein eigenes Lebensglück zu verwirklichen. Sei er Millionär, Flüchtling, Kindersoldat oder Penionär. Es ist kein Wunder, dass es nicht so gut steht um den Zustand des Planeten.

Wem das zu düster ist, der mag wohl weiterverdrängen. Das tu allerdings auch ich. Jeder tut es. Sonst bist du früher oder später in der Klapse. Es ist schon in Ordnung, wenn wir uns weiterhin das carpe diem verordnen. Vor allem, wenn einer wie Epikur Pate steht.

Auch das Lärmen in deutschen Gärten ist letztlich nur ein Teil des großen Seelentheaters. Nahezu alle unsere Handlungen sind unbewusst motiviert. Auch wenn wir in der Illusion leben, alles im Griff zu haben. Warum wir tun, was wir tun – wir wissen es letztlich nicht.

Ich glaube die Musik der schottischen Band Mogwai passt ganz gut zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=NFoNuIK9644

https://www.youtube.com/watch?v=6DF-BkuWGBo

https://www.youtube.com/watch?v=eVbpP5tY1vY

Cheerio

Paulson


Rezension

 PAULSON: Between Worlds
PAULSON
Between Worlds
(Eigenverlag)
11 Tracks, 58:45, mit Texten

Paulsons Presseinfo erschöpft sich in einem „Ich bin eher ein stiller Songwriter, und das ist mein achtes Album“. Bei solcher Bescheidenheit ist es gut, dass es den Folker gibt. Denn für Scheiben wie Between Worlds wird die Zeitschrift gemacht, um großartige Musik aus dem Weltmusik- und Liedsektor jenseits von Hitformat-marketing ein Forum zu geben. Und großartig ist durchaus eine angemessene Beschreibung für die Songs von Paulson. Mit einer Stimme, die an John Watts in seinen ruhigeren Tagen erinnert, haut der Künstler eine Songperle nach der anderen auf das Album. Bereits der Opener „Dreamwalking“ berührt den Hörer, man möchte den Text verstehen, oder besser gleich mitsingen und nachspielen. „Heart Of Stone“ hat das Zeug zum Klassiker und würde auch Christy Moore gut zu Gesicht stehen, und beim Abschluss „Yeah, Yeah“ ist sogar Lou Reed durchzuhören. Das Gitarrenspiel ist filigran, die Produktion sauber, der englische Gesang für einen deutschen Musiker überragend. Das große Geheimnis von Paulson liegt aber im gelungenen Spannungs-aufbau der Kompositionen. Das lang vermisste Ziehen im Magen, das sich nur langsam auflösen möchte, wenn die Harmonien perfekt aufeinandertreffen.
Paulson. Kaufen.

Christian Elstrodt

Titel 2 / 16http://www.folker.de/

the little things

01-03-2016

vom so genannten modernen menschen chronisch unterschätzt sind die kleinen dinge… ich meine jene, die gar keine dinge sind.

dieses leben ist eine unfassbare sensation. ich kann es nicht kleiner sagen.

joni Mitchell schrieb den folgenden song 1970. für mich einer der schönsten, gespielt und gesungen von der wunderbaren diana krall.

https://www.youtube.com/watch?v=aieYAlKWnoM

paulson

castle moon

castle moon

in letzter zeit gibt es sooo viele schöne monde über der burg. ein wahrlich erhebendes gefühl, bei vollmond unter dem zollerberg über die wiesen zu wandeln… ein wenig wie im traum ist das. wenn zwei romantische bilder zusammenkommen und noch der wind durch den wald pfeift, dann fangen die bäume wirklich an zu flüstern.

vorhin in den nachrichten gesehen, dass sie wieder mal eine noch bessere 3-d-brille auf den markt bringen, das neue samsung 7 hat dann die entsprechende software und der herr zuckerberg stand bei der präsentation gleich mit auf der bühne, weil natürlich alle facebook-freunde auch mitmachen sollen. damit’s ein voller erfolg wird.

das ist, ehrlich gesagt, nicht mehr meine welt. da bin ich ein auslaufmodell. ich finde, dass die menschen inzwischen zu sehr in virtuellen realitäten und in künstlichen communities stecken und frage mich, wie sie überhaupt noch zeit für mondspaziergänge haben, oder was das echte leben sonst noch alles an sensationen hergibt. zum beispiel eine echte begegnung zwischen menschen. aber wahrscheinlich haben die user heute durch die sozialen netzwerke alle eine so ungeheure sozialkompetenz, dass sie das dann im realen leben einbringen und dieses dadurch noch viel bewusster erleben können.

aber weil ich davon nicht allzu viel ahnung habe, will ich hier mit meiner kritik enden. sie werden schon wissen was sie tun. und die user auch. und das hier ist ja immerhin auch internet. und meine songs kommen schließlich auch aus der traumfabrik meiner seele.

jedenfalls ist es schön, euch hier schreiben zu können.

möchte heute einen song von einer mainstream country-lady vorstellen, der mich neulich berührt hat. keine ahnung warum, aber es war sofort so. irgendwie passt er gut zum mondbild.

und by the way: cowgirls und cowboys singen mit sooo viel gefühl…

bis demnächst,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=RV-Z1YwaOiw

https://www.youtube.com/watch?v=bMtuygBrDWA


sky on fire

morning sky 22-12-15---1

an einem der letzten tage des alten jahres vollzog sich am schwäbischen morgenhimmel ein feuriges schauspiel. sky on fire – und mittendrin, zwischen den sehnsuchtsstreifen, ein geflügelter inselomnibus, kurz vor dem eintauchen in einen rätselhaften schatten.

ob man sie nun mag oder nicht, die vom homo sapiens geschaffene technik entfaltet eine ganz eigene ästhetik. aber sie verändert auch nachhaltig individuum und gesellschaft. was kein problem wäre, wenn die erfindungen vorwiegend zum wohle aller eingesetzt würden, und ich meine damit nicht nur die eigene art. was menschenhirn und menschenhand innerhalb weniger jahre so alles hervorgebracht haben, lässt einen erahnen, was noch alles auf uns und die nachfolgenden zukommen wird.

wenn es um neue maschinen und produkte geht, entwickelt der homo faber eine geradezu unheimliche kraft. wenn neues erscheint, wird aber selten innegehalten und abgewartet. es werden einfach tatsachen geschaffen und kaum sind die einen realität, kommen bereits wieder neue. eine diskussion darüber, ob das machbare auch gewünscht ist, findet nicht statt. die gesellschaft hat schließlich wichtigeres zu tun als die zukunft der welt zu planen. und das machen ist ja auch viel einfacher als das seinlassen. nein, letzteres ist kein thema im gesellschaftlichen diskurs. andere dinge sind dagegen viel wichtiger: auf den heute üblichen hochauflösenden tv-großbildschirmen – binnen kurzem wird schon wieder die nächste generation auf den markt kommen – gibt es stundenlange karnevalssitzungen, tagelange sportberichterstattungen, dauerwerbesendungen, die üblichen gewaltexzesse und vieles schönes mehr. im dschungel des internet stehen unzählige längst nicht mehr überschaubare inhalte für jede geisteshaltung und seelenlage zur verfügung. es ist zu befürchten, dass die große freiheit dort längst zu einem gravierenden problem und einem von menschen geschaffenen rätsel geworden ist, das keiner mehr überschaut.

neben den ganzen unterhaltungsinhalten gibt es dieser tage natürlich auch jede menge sendungen zur flüchtlingsthematik. dort werden die gerade herrschenden einschätzungen mit jedem neuen vorkommnis wieder auf den kopf gestellt. die flucht von millionen von menschen vor krieg, fanatismus, korruption und armut (kurz: vor dem wahnsinn) gab es zwar schon immer, wird aber in unserem reichen teil der welt nur wahrgenommen, wenn sie uns direkt betrifft. sonst waren sie uns egal, die elenden massen. wobei es in der ganzen diskussion vor allem um unsere eigenen ängste geht. darüber wird sich aber kaum einmal vernünftig ausgetauscht; wie überhaupt in diesem absurden theater zwischen hass, hysterie und verharmlosung selten ein tiefgründiger gedanke zur geltung kommt. nur einige wenige fernsehsendungen, printmedien und radiosender bieten noch wirklich gute und differenzierte, sprich kritische journalistische qualität, was aber im ganzen gefühls- und unterhaltungsbrei quasi untergeht. natürlich ist die situation ein massives problem. man könnte sagen: endlich wird auch uns bewusst, wie brutal es zugeht auf der welt. aber wer setzt sich schon gerne mit der realen situation auseinander, wenn man bisher im schönen weilen und das hässliche so gut verdrängen konnte? natürlich will keiner sein haus und seinen reichtum teilen. aber teilen, das werden wir in zukunft wohl müssen. die steuererhöhung wäre dabei noch das angenehmste instrument. die bewohner der insel der glückseligen sind ganz schön erschrocken und tun nun vieles, die situation wieder unter kontrolle zu bekommen. dass sie sich auch einmal ausführlich über sich selbst austauschen sollten, wird ihnen auch dieses mal entgehen. wir werden uns auch weiter ängstigen, stigmatisieren und streiten, statt die lage rational und menschlich zu betrachten und uns dabei selbst anzuschaun.

sarkastisch verkürzt könnte man das derzeitige spektakel so zusammenfassen: solange es noch 8 tage türkische riviera all inclusive für ein paar euros gibt, ist alles in bester ordnung. und während wir dort in der sonne liegen und uns vom hamsterrad erholen, schaffen wir es sogar auszublenden  dass ganz in der nähe ständig verzweifelte menschen im meer ertrinken. der homo ignorans ist schon ein erstaunliches wesen.

was unser glück und die ungleichheit betrifft: dass die ärmere hälfte der weltbevölkerung, also 3 200 millionen menschen, bekanntlich genauso viel wie die reichsten 62 (nicht millionen, sondern einzelpersonen) besitzt, war vor zwei wochen immerhin mal einen tag lang eine mitteilung wert. die nachrichtensprecher hatten sogar einen moment lang so etwas wie einen abschätzigen zug um den mund, was sie ja nicht sollten. aber so eine krasse nachricht kann man wohl nicht ganz ohne entsetzen vorlesen. weiter thematisiert wurde der skandal aber nicht. wir haben uns wohl zu sehr daran gewöhnt. und es gibt, wie weiter oben beschrieben, wichtigeres zu tun.

aber ich will nicht zu pessimistisch daherkommen. das mögen die leute heutzutage nicht. man wird sofort abgewählt oder weggeklickt. positives denken ist schon lang und sehr nachhaltig angesagt. man lebt damit einfach besser. das verstehe ich. aber womöglich sind die wahren pessimisten ja jene, die in solchen donnerkolossen in die letzten paradiese jetten, und schon wissen, dass es eh ungerecht zugeht und überhaupt schon fast alles zu spät ist… aber das hilft jetzt auch nicht wirklich weiter.

letztlich: ob die feuervögel nun endzeitbotschafter sind, oder doch eine großartige zukunft einläuten, ist mitnichten klar. vielleicht wird uns irgendwann nur noch die technik erretten können. so wie sie uns in der reichen hälfte der welt schon heute millionenfach mit behandlungen und medikamenten das leben verlängert. etwas kostbareres als das eigene leben gibt es nicht. das wissen auch die flüchtlinge. vor allem sie. es geht mir gewiss nicht darum, die technik zu verteufeln, oder den konsum. beides brauchen wir. das wie ist die frage.


die allermeisten denken vielleicht nicht so viel über diese dinge nach. sie leben einfach… in der hoffnung, dass alles immer gut gehe und dass diejenigen, die manche so gern beschimpfen, schon alles richtig machen werden. und schließlich ist ja schon so lang alles gut gegangen. angesichts der flüchtlingskrise erscheinen uns andere themen eher unwichtig: flugzeugabgase, die permanent vom himmel rieseln, die zunehmende lärmbelästigung, die uns ebenso krank macht, der klimawandel, der alle und alles gefährdet. wer auf die politik schimpft, sollte sich mal fragen, welche rolle er selbst in dem drama spielt und ob er würde tauschen wollen. ich muss und will jene immer noch bewundern, die sich diesem volk und der ganzen überforderung überhaupt noch stellen. wer ohne fehler und eitelkeiten ist, der werfe den ersten stein. was die destruktiven manchmal vergessen: wir können vieles schaffen und sogar die welt retten. aber dafür müssten wir tatsächlich positiver denken und unser eigenes verhalten zu allererst verändern, verantwortung übernehmen und bescheidener leben… das vor allem anderen.

übrigens: natürlich sind die geschichten über angebliche chemtrails (die angeblich von der politik veranlasste systematische vergiftung der bevölkerung durch flugzeugabgase zum zwecke der bevölkerungsreduzierung) ein verschwörungs-theoretischer und damit großer unfug. chemtrails sind hier ganz gewiss nicht das thema gewesen; sie sind vielmehr ein grund dafür, dass ich angesichts der um sich greifenden geistesverwirrung des homo interneticus ludens ganz gewiss kein politker sein wollte.


als ich neulich allein auf einem großen freien feld skilanglaufen war, hat mich eine drohne erwischt, verfolgt, ausgiebig gefilmt. es gab kein entrinnen. minutenlang war ich gestört, fremdbestimmt, und es ist damit zu rechnen, dass das material ohne meine einwilligung verwendet wird. anderswo bringen die dinger keine ruhestörung, sondern tödliche geschosse und bei uns demnächst wohl auch das glück in form von amazon-päckchen. da kann man nur gratulieren. willkommen in der schönen neuen welt.


so long,

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=M_o6axAseak



manchmal…

manchmal

… werden wünsche wirklich wahr. so viel weiß, so viel kalt, so viel welt in frieden eingehüllt. 

dem himmel sei dank!

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=Qe2G6Vs1V_Q




ein wenig winter…

wessingen-bisingen 1.1.2016

…würden wir schon aushalten, nicht wahr? ein wenig weiß, ein wenig kalt, ein wenig welt in frieden eingehüllt.

aber wir werden es natürlich nehmen wie es kommen mag.

gesundheit und freude am leben wünsch ich euch auf all euren wegen, in diesem neuen jahr.

lasst uns dankbar sein.

paulson

https://www.youtube.com/watch?v=cWKTFuAFcOY
passenger – scare away the dark


news

  • die erfindung 23. Mai 2018


    der mensch
    ist die mit abstand

    unglaublichste erfindung gottes


    gleich nach dem schmetterling

     

     

     

     

     

     

     

  • die sprache 20. Mai 2018

    wer die sprache
    als ein instrument der verrohung
    der verblödung und der verdrehung gebraucht
    muss sich nicht wundern
    dass ihn die leute wiederwählen

    jeder politiker bekommt das volk
    das er verdient

    und umgekehrt

     

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  • heidegger meinte 18. Mai 2018

    heidegger meinte
    die moderne technik
    sei die äußerste ferne zum sein
    der mensch verbringe sein leben
    in einer seinsvergessenheit

    ich wage es
    dem meister zu widersprechen

    denn wenn ich mir die automatenführer
    unserer tage so anschaue
    dann ist das doch die perfekte synthese
    von mensch und maschine

    größer kann ein glück kaum sein

     

     

     

     

     

     

     

  • die alten und die jungen 15. Mai 2018

    erst im alter
    erlangen die menschen
    ihr reichstes wissen

    aber die jungen
    haben keine zeit
    ihnen zuzuhören

    weil sie ihr ding
    machen müssen

    so war es immer
    und es wird immer so sein

     

     

     

     

     

     

     

  • als ein lächeln 26. April 2018

    wie nebel am morgen
    verziehen sich langsam
    die bilder der nacht

    nur eines will
    ein wenig länger
    bei mir bleiben

    so lass ich’s
    als ein lächeln
    bis zum abend
    in mir weilen

     

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  • monsteregos 23. April 2018

    sie haben gewalt
    und wollen geliebt sein

    ist das nicht vermessen
    vom dunklen besessen
    ist das nicht absolut krank

    ein nein ist ihnen ein ja
    ein halt ist ihnen ein weiter
    sie sind regelverkehrer
    selbstgesetzgeber
    sie reisen immer mit vollem tank

    und machen die anderen krank

    sie sind getriebene
    für immer kind gebliebene
    autoritäre defizitäre
    parasitäre solitäre

    sie sind falsch wie schlangen
    in allen belangen
    sie gehn über leichen
    in allen bereichen

    wo sie auch mäandern
    sie quälen die andern
    im großen im kleinen
    mit sich nie im reinen

    sind souverän erscheinende
    lächelnde weinende
    triebhaft verborgene
    seelisch verdorbene

    wenn sie dich anvisieren
    inszenieren dominieren
    attackieren annektieren
    im anschluss alles dementieren

    sie würden niemals weichen
    verstehen keine zeichen
    liegen immer auf der lauer
    hinter ihrer angriffsmauer

    egos so mächtig wie berge
    im grunde verzweifelte zwerge
    die allerärmsten schweine
    geben erst ruh als gebeine

    sie haben macht
    wollen geliebt sein

    ein nein ist ihnen ein ja
    ein halt ist ihnen ein weiter
    sie sind regelverkehrer
    selbstgesetzgeber
    sie reisen immer mit vollem tank

    und machen die anderen krank

     

     

     

     

     

     

     

     

  • sie finden sich schön 19. April 2018


    die menschen
    betrachten nicht
    die unheimlichkeit der welt

    sie schauen in den spiegel
    und finden sich schön

    das ist ihre größte stärke

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • clown 9. April 2018

    jene
    die in postfaktischen zeiten
    wahrhaftigkeit leben
    stehen da wie clowns

    na und

    was soll das auch sein
    wahrhaftigkeit

    ist das nicht
    ein viel zu großes wort

    für menschenkinder
    in einer welt wie dieser

     

     

     

     

     

     

     

  • sehnsucht 2. April 2018


    sehnsucht
    ist keine krankheit

    sie gehört zum menschsein
    wie all das andere

     

     

     

     

     

     

     

  • atmendes geheimnis 31. März 2018


    schreiben
    eine auf papier gezauberte fantasie

    musizieren
    ein in den wind geschriebenes gedicht

    schweigen
    ein atmendes geheimnis

     

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  • menschenengel 28. März 2018


    einmal

    an einem kalten tag im februar
    lehnte er mit dem rücken am heizkörper
    und blickte hinaus auf die verschneite landschaft
    eine mutter ging mit ihrem kind den weg entlang
    und über ihnen zog eine krähenschar
    burgwärts

    er hatte sich mit dem werk
    des schweizer seelenforschers befasst
    glaubte etwas verstanden zu haben
    von den menschen und ihrem werk

    alles erschien ihm auf einmal ganz klar

    er schloss die augen
    und sprach die stimme seines sapiensexperten
    langsam und leise in den handapparat


    immerzu erzeugten sie wirklichkeit

    aus ihren wahrnehmungen und betrachtungen
    ihren wünschen und vorstellungen
    erwuchsen wundersame fantasien

    an deren vollendung sie unermüdlich schafften
    angetrieben von einem uralten willen
    von neugierden und sehnsüchten
    im wachen und im träumen

    die seele war die große schöpferische kraft

    fast unbemerkt schenkte sie ihnen das menschsein
    und erzeugte jenes bedeutsame gebilde
    das sie selbstbewusst persönlichkeit nannten

    ihr denken lieferte ihnen pausenlos weltverstehen
    brachte aber nur das im innen schon vorhandene ins offene
    und gab ihnen die illusion freie selbstgestalter zu sein

    das war ihnen wesentlich für ein gelungenes leben

    alles offensichtliche und von ihnen verstandene
    letztlich auch der sinn den sie andauernd allem gaben
    gründete auf ihrem gut verborgenen eigentlichen wesen
    und zeigte sich in selbstgewissen gesten
    und wohlgewählten worten

    sie bemerkten gar nicht
    wie sehr sie dabei menschelten

    weil sie sich sicher fühlen und zurechtfinden mussten
    orientierten sie sich an überschaubaren vorstellungen
    an überlieferten bildern und klaren strukturen
    die sie in der kindheit übernommen hatten
    und dann ein leben lang verteidigten
    auch weil sie bereits seit urzeiten in ihnen waren

    so wurden sie im besten falle
    tiefengesteuerte menschenengel

    die lächelnd den traum ihrer existenz gestalteten

     

    als der experte fertig war
    stoppte er die aufnahme
    er überhörte die rufe des kantianers
    und stand noch eine weile

    die wärme durchströmte ihn angenehm

    seine seele ersehnte mildere tage

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Heiner 25. März 2018

     

    traumartig schön vergehen die tage in der zeit

    jeden morgen werden wir
    beim öffnen der augen neu geboren

    und sterben wieder jede neue nacht

    traumartig verweht die zeit
    bis wir am ende unserer tage
    für immer verreisen

    wohin verraten wir nicht

     

     

    2017 verstarb Heiner Dreizehnter, Gitarrenbauer und Musiker aus dem Allgäu.
    Bei der Blue Stone Recording Session spielt er eines seiner Instrumente. 
    Meine Dreizehnter, die mich seit vielen Jahren begleitet,wird mich
    an diesen lieben Menschen erinnern.

     

     

     

     

     

  • das leben 22. März 2018

     

    manchmal
    wenn er die menschen so betrachtete
    sah er sie als geister von morgen
    er stellte sich vor
    dass in nur wenigen jahren
    eine gänzlich neue population
    die erde bevölkern würde

    jedes einzelne dieser beseelten geschöpfe
    würde schon bald zu sternenstaub zerfallen sein

    der gedanke amüsierte und faszinierte ihn gleichermaßen

    er schmunzelte und wurde sofort wieder ernst

    zeit war ein verrücktes phänomen
    eine erfindung des modernen sapiens
    im grunde gar
    nicht vorhanden
    und doch ein gewaltiger allesbeseitiger

    träume waren auch so etwas immaterielles

    er stellte sich vor wie sie in diesem augenblick
    alle waagerecht
    in ihren betten lagen und träumten
    wie sie sich beim ersten licht rühren
    wieder erwachen und erheben würden

    hinein in den schönsten aller träume

    das leben

     

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  • das wesentliche 15. März 2018


    am frühen morgen stand er am fenster
    und schaute hinaus auf die straße

    die menschen fuhren in ihren rädermachinen vorbei
    mit den händen am lenkrad und mit müden gesichtern

    bald würden die autos ganz von alleine fahren
    dann würde man sein baby zur großmutter bringen lassen
    oder die großmutter zum baby
    ganz ohne begleitung
    oder die katze zum tierarzt
    den einkaufskorb zum supermarkt
    und so weiter

    es war ihm eine bizarre vorstellung
    aber es fehlte nicht mehr viel
    nur noch die vermessung des planeten
    bis in die allerletzte hofeinfahrt

    und so war es mit allem
    alles wurde nun überall miteinander verbunden
    die spezialisten schufen eine schöne neue welt
    und alle fanden das wunderbar
    weil es so nicht mehr weiterging
    und weil es sowieso kommen würde
    wie sie einem alle sagten
    sogar die kanzlerin

    und deshalb war auch er zufrieden

    ernst stand er am fenster
    als er schaute und sich darauf freute

    ja es waren großartige aussichten

    wenn mensch nichts mehr selber musste
    nicht mehr fahren
    nicht mehr arbeiten
    nichts mehr wissen
    d
    ann konnte er sich endlich
    auf das wesentliche konzentrieren

    konsumieren

     

     

     

     

     

     

     

  • in memoriam chris jones 6. März 2018

    ist es nicht tröstlich
    dass auch nach uns
    die natur in voller blüte
    stehen wird im mai
    dass paare sich paaren
    kraniche gen süden ziehn
    und meere anlanden werden

    nur eben ohne uns

     

     

     

     

     

     

     

  • dies eigentliche 24. Februar 2018

    zweifellos lebte er in der besten aller welten

    aber zuweilen sah er das ganz anders

    das rechnende denken
    erzwang es nicht die vermessung
    die vermassung und die vermarktung des menschen

    durch seine verzauberung im zeitalter der dinge

    war der von sich entfremdete und denaturierte
    nicht drauf und dran und im grunde bereits dabei
    endgültig in der durchtechnisierten welt
    vollkommen verloren zu gehen

    versuchte der durchorganisierte nicht intuitiv
    der uneigentlichkeit mit hilfe der fantasie zu entkommen
    so er das geheimnis seines wesens wiederfinde
    in einer welt der märchen und mythen

    ja – diese beschreibung entsprach ganz seinen vorstellungen

    allerdings stellte sich ihm noch eine nicht unwesentliche frage

    was eigentlich war überhaupt

    dies eigentliche

     

     

     

     

     

     

     

  • siebenundsiebzig komma fünf 17. Februar 2018

     

    japanische wissenschaftler haben herausgefunden
    dass die seele des sapiens
    im durchschnitt

    das siebenundsiebzig komma fünf-fache
    seines körpers wiegt

    gearbeitet wurde dabei nicht
    mit einer herkömmlichen waage

    vielmehr kamen gesichtszüge
    und sehnsüchte in den augen
    von alten menschen zur vermessung

    auch körperhaltung und stimme
    wurden miteinbezogen

    das ergebnis multiplizierte man dann
    mit dem rätselfaktor eins komma sieben zwei neun

    die menschliche seele
    ist somit um ein vielfaches schwerer
    als bisher angenommen

    dass sie der gewichtigste teil des menschen ist
    war jedoch schon lange vermutet worden

     

     

     

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  • ganz bei sich 12. Februar 2018

    wenn augen sehnsüchteln
    und gesichtszüge heimwehn

    dann ist mensch 
    ganz bei sich

     

     

     

     

     

     

     

  • traumreisen 9. Februar 2018

    schlafende menschen
    auf traumreise
    mit einem engelslächeln

    oder mit schiefem mund
    im kampf gegen dämonen

    der tag holt sie alle zurück

    bis zum abend

    wenn die neue reise beginnt

     

     

     

     

     

     

     

  • dieser kafka 23. Januar 2018


    wohl selten
    ist einer so erfolgreich gescheitert
    wie dieser kafka

    sein schreiben unvollendet
    sein leben misslungen
    sein lieben eine katastrophe

    und dennoch
    sei er einer der größten

    vielleicht gehört das scheitern
    maßgeblich zum gelingen

    und diese erfolgsbiografien
    sind allesamt trumps

    also fakes

     

     

     

     

     

     

     

  • sturmverzuckert 19. Januar 2018

     

    von leben und lieben
    völlig durchdrungen
    am machen am suchen
    die alten die jungen

    und in jedem moment
    dem tode geweiht

    das ist der mensch

    er trägts mit heiterkeit

     

     

     

     

     

     

     

  • das leben ist ein stern 13. Januar 2018


    das leben ist ein stern

    der golden hell
    am himmel strahlt
    wenn er erscheint

    der blasser wird
    dann mit der zeit
    bis ganz am ende
    er erlischt

    und jemand
    weil er nicht mehr ist
    ganz schrecklich weint

     

     

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  • nebelgestalten 11. Januar 2018

     

    seltsam eigentlich

    wie klar unsere vorstellungen
    und überzeugungen daherkommen
    wo wir doch genau wissen
    wie komplex und unerforscht fein
    unser bewusstsein arbeitet

    im grunde sind wir nebelgestalten
    die alles nur schemenhaft wahrnehmen
    und daraus wahrheiten formen

    die folgen sind oft schlimm

    aber vollkommen menschlich

     

     

     

     

     

     

  • quatschvorstellung 5. Januar 2018


    natürlich ist die seele kein organ

    was für eine quatschvorstellung

    die seele ist der ganze
    lebende liebende leidende endliche

    ohne sie ist er gar kein

    mensch

     

     

     

     

     

     

  • die pulsierende seele 31. Dezember 2017


    in der anstalt verwaltet
    von der technik verschaltet
    vom kommerz vernebelt
    bei der arbeit geknebelt

    wenn sie uns da mal nicht
    im eigenen blute gerinnt

                    ∗∗∗

    ganz so schlimm wird’s schon nicht sein
    kommt alle gut ins neue rein

          

     

    music for the factory scene

     

     

     

     

  • stimmungen 29. Dezember 2017

     

    wie ein musikinstrument
    ist der mensch
    mehr oder weniger
    gut gestimmt

     

     

     

     

     

     

     

     

2017

  • mit kinderaugen 25. Dezember 2017

     

    ein ausweg hätte sein können
    die welt mit kinderaugen zu betrachten

    mit der poesie des poeten

    das sinnlose verklären
    zu einem sinnhaften

    die suchende seele
    findet futter im schönen
    und lässt so das verzweifeln sein

     

     

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  • das strampeln 22. Dezember 2017


    der mensch schafft schönes

    mit ruhe und ein bisschen zeit
    doch meist strampelt er im großen weltenrad
    verpasst so die gelegenheit
     

     

     

     

     

     

  • das staunen 16. Dezember 2017


    wer alles versteht

    verliert das staunen

     

     

     

     

     

     

  • glückssucher 29. November 2017


    die menschen sagten

    so bin ich
    so ist es
    so ist die welt

    und machten sich doch nur 
    vorstellungen von allem 

    im grunde blieben sie glückssucher 

    ein wenig mehr demut
    hätte ihnen gut zu gesicht gestanden

    aber es war die zeit des rausches
    des alles-immer-überall
    und eine attraktion jagte die nächste

    fürs innehalten blieb keine zeit

     

     

     

     

     

  • weil immer neue kommen 18. November 2017

    du fragst
    warum es keinen frieden gibt auf erden

    weil immer neue kommen
    rätselhaft dem nichts entrissen
    die sich beweisen müssen
    die dann erstarken und sich fragen
    was wohl ein gutes leben sei
    und die um liebe sich bemühn
    und sich dabei verkämpfen

     

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  • märchenhaftes 10. November 2017


    bei so manch verschlossenem

    stehn seelenscheunentore offen
    man muss sich trauen durchzugehn
    dann kann man märchenhaftes sehn

     

     

     

     

     

  • wenn er schläft 31. Oktober 2017


    der mensch er dürstet

    nach leben nach sterben
    und immerzu gilt es
    die sehnsucht zu stillen
    mit suchender fordernder
    betender hand

    nur wenn er schläft
    hält er inne
    dann ruht sein großer wille
    dann schwebt er glückselig
    dann lebet er ewig
    dann träumet er lächelnd
    im engelsgewand

     

     

     

  • sommerabschiedsweinen 19. Oktober 2017


    der herbst schleicht sich ganz heimlich

    schon in die letzten warmen tage
    und bald wird ihre seele
    keine frage
    ein blaues sommerabschiedsweinen sein

     

     

     

     

  • shape of my heart 12. Oktober 2017


    die schweigenden

    bergen ein geheimnis
    das sie vermutlich
    selbst nicht verstehn

     

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  • auf dem weg nach utopia 9. Oktober 2017


    er hätte gerne in einer welt gelebt

    wo geist etwas anderes ist als zeitgeist
    bildung mehr als ein werkzeug des massenkonsums
    politik die kunst des besonnenen diskurses
    und würde etwas anderes als menschenwürde
    und ein konjunktiv

    aber es konnte ja noch werden
    schließlich waren sie erst
    in einer art durchgangsstadium

     

     

     

     

     

  • nicht die zeit 3. Oktober 2017

     

    die zeit war nicht das problem
    die uhr war das problem
    weil sie den menschen den frieden nahm

     

     

     

     

     

     

  • inselgesichter 30. September 2017


    als er die gesichter der rückreisenden

    mit denen der hinreisenden verglich
    kam ihm eine frage in den sinn

    konnte es möglich sein
    dass allein die aussicht auf schönes
    kostbarer war als das schöne selbst

     

     

     

     

  • das weinen der feinen 22. September 2017


    wie sie die mäuler aufrissen

    die herren der hässlichen worte
    man schämte sich fast
    ein sapiens zu sein

    gegen das drohen der rohen
    half ihnen das weinen der feinen
    schokolade küsse und wein

     

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  • nur was in ihm war 18. September 2017

     

    nur was in ihm war
    konnte auch im außen sein

    wenn er etwas sah hörte oder berührte
    so sah hörte oder berührte er
    im grunde sich selbst

    dann war er
    dies gesehene dies gehörte dies berührte

    nichts und niemand sonst

     

     

     

     

  • nicht zu hause 5. September 2017

     

    die menschen
    können nicht zu hause bleiben

    immer haben sie das gefühl
    etwas zu versäumen

    die neueste nachricht
    den besten deal
    die große liebe

    dabei wartet das glück
    im menschen selbst

    dies zu entdecken
    braucht es ruhe und zeit

    und beides haben sie nicht

     

     

     

     

  • menschlich 25. August 2017


    auch die besten herzen

    bringen es fertig
    uns
    zu verletzen

    nobody’s perfect

    nicht einmal
    die schwerstgeliebten

     

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  • rätsel 18. August 2017

     

    egal wohin das auge schaut
    es unterscheidet immer
    zwischen hässlich und schön
    ob wir wollen oder nicht
    wir können gar nicht anders

    unser auge priviligiert
    und es diskriminiert
    in sekundenschnelle

    ein gedanke ein klang
    ein bild ein gesicht
    augenblicklich wissen wir
    ob uns etwas gefällt oder nicht

    das warum bleibt wie so oft ein rätsel
    in den tiefen unseres gehirns
    doch der unermüdliche mensch
    ist längst dabei es zu entschlüsseln

    genießen wir die zeit bis dahin

     

     

     

     

     

  • schmetterlinge 14. August 2017

     

    schmetterlinge
    waren seine freunde

    so wunderschön
    so virtuos
    so still

    zauberflügelwunderwesen

    und wenn sie ihn besuchen kamen
    dann wurde ihm ganz warm im bauch

     

     

     

     

     

  • cappuccino 4. August 2017


    die italiener

    machen einfach den besten cappuccino
    auch wenn er aus derselben maschine kommt
    wie bei allen anderen

    es muss wohl die seele
    der zubereitenden hände sein

     

     

     

  • sommer 29. Juli 2017

     

    plötzlich war stille

    die autos hielten an
    die fahrer stiegen aus
    sie schoben ihre rädermaschinen
    aus dem weg und verschwanden
    es roch nach blüten
    und man hörte die vögel singen
    jemand lachte so schön
    wie sie es noch nie gehört hatte
    die ampeln wechselten
    bedeutungslos die farben
    menschen auf zwei rädern
    rollten lautlos über den asphalt
    kinder kamen aus den häusern
    und bemalten die gehwege

    eine schöne frau überquerte die straße

    sie schloß die augen
    wartete eine weile
    und öffnete sie wieder

    es war alles noch da

    sie lächelte
    der kaffee schmeckte nach urlaub

    es war sommer

     

     

  • früher 22. Juli 2017

     

    es kam unter den menschen
    andauernd zu missverständnissen
    weil sie ein und dieselbe sache
    vollkommen unterschiedlich betrachteten

    so lebten sie alle in einer ständigen überforderung

    sie durchschauten weder die sache
    noch die anderen
    noch sich selbst
    taten aber stets so
    als verstünden sie alles

     

     

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  • im fluss 14. Juli 2017

     

    von nun an
    wollten sie das leben
    als einen fluss begreifen

    sie würden sich drauflegen
    und mitnehmen lassen
    den himmel bestaunen
    und unentwegt lächeln

     

     

     

     

     

  • das wundern 12. Juli 2017

     

    die entzauberung der welt
    ist ein allmählicher vorgang
    der sich mit den jahren vollzieht

    nur die liebe allein
    hält das wundern am leben

     

     

     

     

  • erst in den träumen 3. Juli 2017

     

    jeden abend floss die finsternis
    wie ein schwarzes meer übers land

    weil es aber ein gewohntes war
    fürchteten sich die menschen nicht

    sie richteten sich darauf ein
    zündeten lichter an
    lasen bücher und tranken wein

    erst später in den träumen
    waren sie wieder ganz wehrlos
    und mussten erdulden
    was immer da über sie kam

     

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  • kampf 26. Juni 2017


    unsere sehnsucht

    nach sinn und wahrheit
    steht im ständigen kampf
    mit unserer suche
    nach liebe und anerkennung

    unsere bedürftigkeit
    behindert so unser streben
    nach wahrhaftigkeit

     

     

     

     

  • bilder 22. Juni 2017


    wenn die bilder
    die wir mit den augen sehn
    durch unsre seelen gehn
    wird diese welt
    erst richtig schön

     

     

     

     

  • walls 16. Juni 2017


    die schlimmsten mauern

    sind die in den köpfen

    nicht nur
    weil man sie nicht sieht
    vor allem

    weil sie alle anderen bauen

     

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  • ein uraltes wissen 5. Juni 2017



    in den frühen tagen

    hat uns das meer getragen

    dann sind wir an land gegangen

    und haben damit angefangen
    uns zu schinden und zu plagen

    so leben wir
    so leiden wir

    doch ein uraltes wissen
    führt uns an die ufer zurück

    wo wir stehen
    wo wir staunen
    wo wir schweigen

    weil wir wieder sind

     

     

  • von genau derselben art 22. Mai 2017



    manche bewegen sich durchs leben

    wie geisterschiffe unter schwarzen himmeln
    andre strahlen wie sonnen
    an blütenweißen zauberstränden

    und doch sind beide
    leidende wie leuchtende
    von genau derselben art

     

     

     

     

     

     

  • in gar nicht allzu langer zeit 14. Mai 2017


    als er so saß und schaute

    beim frühstückskaffee
    am sonntagvormittag
    da fuhr durchs zentrum von bonn
    ein auto mit auge auf dem dach
    um alles genau zu vermessen
    damit in gar nicht allzu langer zeit
    auch noch die dackel autonom laufen
    und auf touchdruck bellen konnten

    die autos fuhren bereits fahrerlos
    und eine als amsel verkleidete kamera
    sang vom hausgiebel gegenüber eine mozart-arie
    während an den fenstern der alten häuser
    selige hände nach päckchen griffen
    die sprechenden flugapparate sich bedankten
    und über den dächern surrend wieder verschwanden

    selbst wenn er kein technikfreund gewesen wäre
    hätte er von all dem beglückt sein müssen

    ein mensch ging sehr nah an ihm vorbei
    er war sich aber nicht ganz sicher

    er bezahlte mit einem gedanken
    es war zeit zurückzukehren
    seine batterie ging langsam zu ende

     

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  • hier am schönen 10. Mai 2017

     
    hier am schönen
    liegt seele am ufer
    hier erzählen mir
    die steine ihre geschichte

    ich lausche andächtig
    und verstehe
    allmählich

    meine

     

     

  • die zugleich engel sind 4. Mai 2017



    es mag vielleicht

    sehr kindisch klingen
    aber es gibt sie wirklich
    die menschen
    die zugleich engel sind

    sie duften nach erdbeeren
    und ihre küsse
    schmecken wie marzipan
    mit einem hauch
    von kaffeebohne

     

     
    I hear the drizzle of the rain
    Like a memory it falls
    Soft and warm continuing
    Tapping on my roof and walls
     
    And from the shelter of my mind
    Through the window of my eyes
    I gaze beyond the rain-drenched streets
    To England, where my heart lies
     
    My mind’s distracted and diffused
    My thoughts are many miles away
    They lie with you when you’re asleep
    And kiss you when you start your day
     
    And a song I was writing is left undone
    I don’t know why I spend my time
    Writing songs I can’t believe
    With words that tear and strain to rhyme
     
    And so you see, I have come to doubt
    All that I once held as true
    I stand alone without beliefs
    The only truth I know is you
     
    And as I watch the drops of rain
    Weave their weary paths and die
    I know that I am like the rain
    There but for the grace of you go I
     
    © Simon & Garfunkel
  • das chaos 29. April 2017


    das chaos begann an jenem tag

    als der apfel in die schlange biss
    und eva den lieben gott
    aus dem paradies vertrieb
    damit sie endlich einmal in ruhe
    mit adam rumblödeln konnte

    vielleicht war es aber auch
    genau anders herum

     

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  • unendlich tief 18. April 2017


    unendlich tief

    sind mythen und träume
    ängste und glauben
    im kollektiven gedächtnis
    der menschheit verankert

    wir hängen an ihnen
    wie gefangene an ketten

    und das bisschen verstand
    ist noch nicht einmal
    ein rütteln an ihnen

    man schaue sich nur
    einmal den menschen an

    was er so alles treibt
    in seiner unendlichen not

    aber es steckt auch
    viel gutes in ihm

    das ist ganz gewiss
    nicht die frage

     

     

     

  • pure comedy 15. April 2017

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    sonderlinge


    jene
    die die dinge anders sehen

    als die meisten anderen
    sind oftmals insulaner

    abseits des mainstream-getöses
    schauen sie befremdet auf die welt

    sie gelten als sonderlinge
    wenn sie überhaupt gesehen werden

    im grunde sind sie störenfriede

    verstanden werden sie selten

    eigentlich nur
    wenn sie musiker sind

    oder komiker
    oder gleich beides

    dann aber
    werden sie geliebt

     

    Comedy, now that’s what I call pure comedy
    Just waiting until the part where they start to believe
    They’re at the centre of everything
    and some all-powerful being endowed this horror show with meaning

     

  • draußen am meer 14. April 2017

     

    draußen am meer
    verwandelt sich die seele
    in ein musikinstrument

    wellen wind und weite
    sind die spieler
    die alles verzaubern

    hier wird mensch wieder klar
    alles ist eins
    nein zwei
    atemberaubend
    und vergänglich

     

  • am boden 11. April 2017


    so mancher
    hebt jeden tag die flügel
    und bleibt doch
    ein leben lang
    am boden


    bilder und gedichte: © paulson

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    manche stücke in der zusammenstellung finde ich wunderschön. störend natürlich die werbeunterbrechungen, wenn man sie auf youtube anhört. aber das ist dann wohl der preis dafür, dass die tonschöpfer der dingezeit keine sonstige bezahlung für ihre werke mehr erfahren. wenn man so will, ist das dann eben der deal: kaufanreize gegen kostenlose kunst. hoffen wir, dass die tollen musiker überhaupt ein wenig kleingeld abbekommen.

    das bild auf der compilation ist wunderschön: sieht gerade so aus, als würde da einer nach traumlandien aufbrechen… bin gespannt was er berichten wird, wenn er von dort zurückkehrt.

    viel spaß mit den songs.

    paulson

  • wie die wolken 31. März 2017

     

    wie die wolken am himmel
    kommen und wieder zerfließen
    kommen und gehen
    die gefühle der menschen

    niemals sind sie gleich

    mal fliegen sie himmelhoch
    sind luftig und federleicht

    mal nebeln sie uns ein
    mal machen sie uns angst

    und manchmal weint es aus ihnen

     

     

     

  • dies leuchten 21. März 2017


    und als wir so fuhren
    in der ruhe des abends
    war auf einmal dies leuchten
    und die welt war ein feuer

    wir standen und staunten
    sehr still und verloren
    wir brannten wie flammen
    am rande des seins

     

    bilder und gedichte: © paulson

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  • die schönste musik 18. März 2017


    die schönste musik

    ist die stille

     

    gleich hinterm haus gab es da plötzlich berge. die schwäbischen himmel sind immer für eine überraschung gut.

    alexi murdoch war auch auf einmal da. beim reisen durch das weltweite wunderwerk ist er einer der zufallstreffer in den postfaktischen zeiten. ich nehme aber an, dass es ihn wirklich gibt.

    zuerst wollte ich euch eine stunde stille schicken, aber dieser songpoet ist auch nicht gerade ein lärmender punk. sollte also passen…

    bis demnächst,

    paulson

     

  • erst wenn sie engel werden 4. März 2017

     

    die menschen
    sterben an ihrer sehnsucht

    erst wenn sie engel werden
    fliegen sie zum ersten mal

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  • überall auf erden 1. März 2017


    ganz tief aus seinen trieben
    sucht mensch etwas zum lieben
    und überall auf erden
    ersehnt er sich
    geliebt zu werden

     

     

  • zauberwald 21. Februar 2017


    der alte zauber

    es gibt ihn noch
    den wald

    in dem das märchen wohnt
    wo zwischen bäumen
    stimmen flüstern

    jedoch

    der alte zauber ist verflogen
    weil über allem
    ein neuer himmel thront

     

  • auf der brücke 9. Februar 2017

    auf der brücke

    ich steh und schau hinunter
    auf die gerade spur von gleisen
    wo die menschen rauf und runter
    und manchmal in die ferne reisen

    bei dieser wie bei jeder andern fahrt
    geht’s immerzu hinein in neue gegenwart
    dahinter liegt sofort vergangenheit
    wir fallen immer aus der zeit

    im langen auf-der-erde-sein
    bewegen wir uns auf die gleiche weise
    wir fahren hin und her tagaus tagein
    das ganze leben ist ja eine reise

    wir drehen alle eine große runde
    ein wenig ist es wie in einem spiel
    wir kennen nicht die ankunftsstunde
    und ebenso verborgen bleibt das ziel

     

    ich dachte, dass in den neuen zeiten der starken alten männer ein gedichtelein nicht schaden kann.

    es lebe die demokratie! und in ihr lebe hoch die poesie!

    und dann hab ich noch ne interessante musik entdeckt. max richter, ein in berlin lebender britischer komponist. vielleicht gefallen euch in dieser trumpy world ja die eher leisen töne.

    ich grüße euch

    paulson