At The Factory


Heut werd ich Euch ein wenig über die Aufnahmen in der Junginger Factory berichten. Sie befindet sich im Anbau eines unscheinbaren Wohnhauses im Schatten der großen Leuchtenfabrik Ridi. Die Räume standen, als ich dort 2005 einzog, seit über 30 Jahren leer. Ich glaube, dass die fleißigen Näherinnen dort Socken hergestellt haben. Die Aufnahmen entstehen im ehemaligen Besprechungszimmer der kleinen Firma auf gerade mal sechs Quadratmetern. Klein, aber sehr kuschelig.

Angefangen habe ich wie immer mit dem Einspielen der neuen Stücke.  Zuerst die Gitarre, dann den Gesang. Immer wieder mal ein oder zwei neue Songs, eben so wie sie im Laufe der letzten beiden Jahre entstanden waren. Es ist wieder der bewährte Mix aus dunkelblauen Balladen und etwas flotteren Songs. Die Texte sind natürlich wieder allesamt aus dem tatsächlichen Leben Eures zart besaiteten Soulwriters gegriffen. Diese meine unspektakuläre Existenz produziert nämlich tatsächlich jede Menge Stoff für Ernsthaftes und weniger Schweres. Mein Grundgefühl im Leben ist ja ohne Zweifel eher dramatisch-melancholisch-romantisch, und diese meine Schlagseite muss für etwa zwei Drittel der Songs herhalten. Der Rest ist der Versuch mit der Schwere leicht und ironisch umzugehen. Ich bewundere die Briten für ihre Fähigkeit zur Selbstironie. Und sowas Ähnliches versuche ich meist in meinen flotteren Songs.

Und dann kamen in diesem Frühjahr und Sommer die Sängerinnen und Musiker dazu:

Zuerst die großartige Monja mit einigen zweiten Stimmen und mit “Never the same again“. Die junge Balingerin versteht es nicht nur, professionell einzusingen. Sie zeichnet und malt und schreibt auch ganz eindrucksvoll. Ihr werdet das zu gegebener Zeit mitbekommen. Außerdem hat mir Monja beim Entwurf des Booklets geholfen, und sie hat mich mit ihrem bestechend sicheren Instinkt für guten Geschmack immer wieder beraten. Danke!

Dann kam an Ostern Ralf Gugel mit Gitarren, Bass, Dobro und Mandoline. Nein, er kam nicht, eigentlich erschien er. Denn was Ralf an Musikalität und Gefühl intus hat, grenzt an eine Art Erscheinung. Für mich ist er der Größte, und zu meiner Musik passt er in kongenialer Weise. Auch die Spielpausen waren ein Vergnügen, Ralf hat einige witzige Stories von seinen vielen Touren auf Lager. Und bei alledem ist er ein wunderbar einfühlsamer Mensch. Danke!

Vielleicht ungewöhnlich, die Drums erst danach einzuspielen, ist aber bei uns kein Problem. Vielmehr: Für Andy Schoy ist das kein Problem. Der Mann hat irgendwo ein Metronom eingebaut. Mit ihm zu „arbeiten“ ist ebenfalls immer ein Vergnügen. Weil er auch unheimlich schnell tickt, und weil er immer gut gelaunt ist. Und eben ein verdammt guter Schlagzeuger. Für mich hat er wie immer seinen von ihm so genannten „Hasenstall“ gespielt, womit er ein etwas deutlich abgespecktes Schlagwerk plus Cajon meint. Wie immer nur mit einem Mikro aufgenommen, was man laut Tontechniker überraschenderweise gar nicht hört. Gut so. Danke, Andy!

Ich hatte mir lange überlegt, welches Soloinstrument ich außer Ralf noch verwenden sollte. Flügelhorn wäre in Frage gekommen, und Saxophon natürlich, ein Pianist, ein zweiter Gitarrist… Ich entschied mich für Posaune. Natürlich wurde mir gleich gesagt, dass diese gar nicht zu meiner Musik passe. Nach einer halben Stunde Aufnahmen wusste ich aber schon, dass sie nicht Recht behalten sollten. Denn Florian Seeger kann das. Seine gestopfte Posaune passt genau zu meiner Musik. Grandios einem solchen Profi zuzuschauen. Und auch er ein ganz lieber Mensch. Und er hat sogar noch gesungen, und er ließ sich filmen, wie alle anderen davor. Aber dazu später mehr. Thanx a lot, Mr. Seeger!

Ein herzliches „Dankeschön“ geht auch an meine wunderbare Tochter Mia, an meinen lieben Freund Artur Stopper; und an Michaela und Jörg Sommer, mit denen ich an einem sonnigen Sonntagnachmittag viel Spaß hatte bei Gesangs- und Filmaufnahmen. Ich denke diese Stimmenvielfalt wird dem neuen Album guttun.

Meine wundervolle Tochter Hannah hat die Musikusse gefilmt, und sie wird das Material nun bald in Angriff nehmen und was schönes daraus machen, das es dann auf meiner Homepage und auf YouTube zu sehen gibt.

Dass ich es nur mit lieben Menschen zu tun habe habt Ihr ja nun schon bemerkt. Und dieser Umstand gilt auch besonders für den Fotografen Peter Schilling, der den nicht eben einfachen Auftrag für das neue Album umgesetzt hat. Den Titel verrat ich Euch vielleicht beim nächsten Update. Jedenfalls musste Peter in seinem neuen Studio ganz schön tüfteln. Aber er hat es bravorös gemacht. Auf dieses Booklet freu ich mich ganz besonders. Und er hat es geschafft, mich nach einer Nacht ohne Schlaf so zu fotografieren, dass Euch nicht Angst vor mir zu werden braucht. Wie alle anderen, so hat auch er mit seinem Idealismus und seiner freundlichen Art zum neuen Album beigetragen. Ich kann Euch versprechen, dass man diesen positiven und menschlichen Grundton auch hören wird.

Mein vorerst letzter Dank gilt nun Gerd Waiblinger vom Neckarsound Studio in Tübingen. Er hat nicht nur wieder mal amtlich gemischt und gemastert; diesmal kam er auch meiner Bitte nach, doch einmal die Gitarre in die Hand zu nehmen. Er tat das dann beim letzten Stück des Albums, und seine Fender Strat, die er keinem geringeren als Mick Taylor von den Rolling Stones abgekauft hat, ist das letzte, das man auf dem neuen Album hören wird…mit einer kleinen Ausnahme, die aber hier auch nicht verraten wird.

Der letzte Akt wird nun die Gestaltung des Booklets sein, und auch die liegt bei Harry Bechtle in bewährten Händen.

Demnächst mehr, aber hört und seht Euch bitte unbedingt noch diesen schönen Musikfilm an:

http://www.youtube.com/watch?v=037uSAIahho&NR=1

Paulson


This entry was posted on Dienstag, Juli 5th, 2011 at 17:46 and is filed under 2011. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.