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die pulsierende seele

in der anstalt verwaltet
von der technik verschaltet
vom kommerz vernebelt
bei der arbeit geknebelt

wenn sie uns da mal nicht
im eigenen blute gerinnt

                ∗∗∗

ganz so schlimm wird’s schon nicht sein
kommt alle gut ins neue rein

      

 

music for the factory scene

 

 

 

 

stimmungen

wie ein musikinstrument
ist der mensch
mehr oder weniger
gut gestimmt

 

 

 

 

 

 

 

 

mit kinderaugen

ein ausweg hätte sein können
die welt mit kinderaugen zu betrachten

mit der poesie des poeten

das sinnlose verklären
zu einem sinnhaften

die suchende seele
findet futter im schönen
und lässt so das verzweifeln sein

 

 

bilder und worte: © paulson
clips und musik: youtube

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das strampeln


der mensch schafft schönes

mit ruhe und ein bisschen zeit
doch meist strampelt er im großen weltenrad
verpasst so die gelegenheit
 

 

 

 

 

 

das staunen


wer alles versteht

verliert das staunen

 

 

 

 

 

 

glückssucher


die menschen sagten

so bin ich
so ist es
so ist die welt

und machten sich doch nur 
vorstellungen von allem 

im grunde blieben sie glückssucher 

ein wenig mehr demut
hätte ihnen gut zu gesicht gestanden

aber es war die zeit des rausches
des alles-immer-überall
und eine attraktion jagte die nächste

fürs innehalten blieb keine zeit

 

 

 

 

 

weil immer neue kommen

du fragst
warum es keinen frieden gibt auf erden

weil immer neue kommen
rätselhaft dem nichts entrissen
die sich beweisen müssen
die dann erstarken und sich fragen
was wohl ein gutes leben sei
und die um liebe sich bemühn
und sich dabei verkämpfen

 

bilder und worte: © paulson
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märchenhaftes


bei so manch verschlossenem

stehn seelenscheunentore offen
man muss sich trauen durchzugehn
dann kann man märchenhaftes sehn

 

 

 

 

 

wenn er schläft


der mensch er dürstet

nach leben nach sterben
und immerzu gilt es
die sehnsucht zu stillen
mit suchender fordernder
betender hand

nur wenn er schläft
hält er inne
dann ruht sein großer wille
dann schwebt er glückselig
dann lebet er ewig
dann träumet er lächelnd
im engelsgewand

 

 

 

sommerabschiedsweinen


der herbst schleicht sich ganz heimlich

schon in die letzten warmen tage
und bald wird ihre seele
keine frage
ein blaues sommerabschiedsweinen sein

 

 

 

 

shape of my heart


die schweigenden

bergen ein geheimnis
das sie vermutlich
selbst nicht verstehn

 

bilder und worte: © paulson
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auf dem weg nach utopia


er hätte gerne in einer welt gelebt

wo geist etwas anderes ist als zeitgeist
bildung mehr als ein werkzeug des massenkonsums
politik die kunst des besonnenen diskurses
und würde etwas anderes als menschenwürde
und ein konjunktiv

aber es konnte ja noch werden
schließlich waren sie erst
in einer art durchgangsstadium

 

 

 

 

 

nicht die zeit

 

die zeit war nicht das problem
die uhr war das problem
weil sie den menschen den frieden nahm

 

 

 

 

 

 

inselgesichter


als er die gesichter der rückreisenden

mit denen der hinreisenden verglich
kam ihm eine frage in den sinn

konnte es möglich sein
dass allein die aussicht auf schönes
kostbarer war als das schöne selbst

 

 

 

 

das weinen der feinen


wie sie die mäuler aufrissen

die herren der hässlichen worte
man schämte sich fast
ein sapiens zu sein

gegen das drohen der rohen
half ihnen das weinen der feinen
schokolade küsse und wein

 

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nur was in ihm war

 

nur was in ihm war
konnte auch im außen sein

wenn er etwas sah hörte oder berührte
so sah hörte oder berührte er
im grunde sich selbst

dann war er
dies gesehene dies gehörte dies berührte

nichts und niemand sonst

 

 

 

 

nicht zu hause

 

die menschen
können nicht zu hause bleiben

immer haben sie das gefühl
etwas zu versäumen

die neueste nachricht
den besten deal
die große liebe

dabei wartet das glück
im menschen selbst

dies zu entdecken
braucht es ruhe und zeit

und beides haben sie nicht

 

 

 

 

menschlich


auch die besten herzen

bringen es fertig
uns
zu verletzen

nobody’s perfect

nicht einmal
die schwerstgeliebten

 

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rätsel

 

egal wohin das auge schaut
es unterscheidet immer
zwischen hässlich und schön
ob wir wollen oder nicht
wir können gar nicht anders

unser auge priviligiert
und es diskriminiert
in sekundenschnelle

ein gedanke ein klang
ein bild ein gesicht
augenblicklich wissen wir
ob uns etwas gefällt oder nicht

das warum bleibt wie so oft ein rätsel
in den tiefen unseres gehirns
doch der unermüdliche mensch
ist längst dabei es zu entschlüsseln

genießen wir die zeit bis dahin

 

 

 

 

 

schmetterlinge

 

schmetterlinge
waren seine freunde

so wunderschön
so virtuos
so still

zauberflügelwunderwesen

und wenn sie ihn besuchen kamen
dann wurde ihm ganz warm im bauch

 

 

 

 

 

cappuccino


die italiener

machen einfach den besten cappuccino
auch wenn er aus derselben maschine kommt
wie bei allen anderen

es muss wohl die seele
der zubereitenden hände sein

 

 

 

sommer

 

plötzlich war stille

die autos hielten an
die fahrer stiegen aus
sie schoben ihre rädermaschinen
aus dem weg und verschwanden
es roch nach blüten
und man hörte die vögel singen
jemand lachte so schön
wie sie es noch nie gehört hatte
die ampeln wechselten
bedeutungslos die farben
menschen auf zwei rädern
rollten lautlos über den asphalt
kinder kamen aus den häusern
und bemalten die gehwege

eine schöne frau überquerte die straße

sie schloß die augen
wartete eine weile
und öffnete sie wieder

es war alles noch da

sie lächelte
der kaffee schmeckte nach urlaub

es war sommer

 

 

früher

 

es kam unter den menschen
andauernd zu missverständnissen
weil sie ein und dieselbe sache
vollkommen unterschiedlich betrachteten

so lebten sie alle in einer ständigen überforderung

sie durchschauten weder die sache
noch die anderen
noch sich selbst
taten aber stets so
als verstünden sie alles

 

 

bilder und worte: © paulson
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im fluss

 

von nun an
wollten sie das leben
als einen fluss begreifen

sie würden sich drauflegen
und mitnehmen lassen
den himmel bestaunen
und unentwegt lächeln

 

 

 

 

 

das wundern

 

die entzauberung der welt
ist ein allmählicher vorgang
der sich mit den jahren vollzieht

nur die liebe allein
hält das wundern am leben

 

 

 

 

erst in den träumen

 

jeden abend floss die finsternis
wie ein schwarzes meer übers land

weil es aber ein gewohntes war
fürchteten sich die menschen nicht

sie richteten sich darauf ein
zündeten lichter an
lasen bücher und tranken wein

erst später in den träumen
waren sie wieder ganz wehrlos
und mussten erdulden
was immer da über sie kam

 

bilder und worte: © paulson
clips und musik: youtube

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kampf


unsere sehnsucht

nach sinn und wahrheit
steht im ständigen kampf
mit unserer suche
nach liebe und anerkennung

unsere bedürftigkeit
behindert so unser streben
nach wahrhaftigkeit

 

 

 

 

bilder


wenn die bilder
die wir mit den augen sehn
durch unsre seelen gehn
wird diese welt
erst richtig schön

 

 

 

 

walls


die schlimmsten mauern

sind die in den köpfen

nicht nur
weil man sie nicht sieht
vor allem

weil sie alle anderen bauen

 

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ein uraltes wissen



in den frühen tagen

hat uns das meer getragen

dann sind wir an land gegangen

und haben damit angefangen
uns zu schinden und zu plagen

so leben wir
so leiden wir

doch ein uraltes wissen
führt uns an die ufer zurück

wo wir stehen
wo wir staunen
wo wir schweigen

weil wir wieder sind

 

 

von genau derselben art



manche bewegen sich durchs leben

wie geisterschiffe unter schwarzen himmeln
andre strahlen wie sonnen
an blütenweißen zauberstränden

und doch sind beide
leidende wie leuchtende
von genau derselben art

 

 

 

 

 

 

in gar nicht allzu langer zeit


als er so saß und schaute

beim frühstückskaffee
am sonntagvormittag
da fuhr durchs zentrum von bonn
ein auto mit auge auf dem dach
um alles genau zu vermessen
damit in gar nicht allzu langer zeit
auch noch die dackel autonom laufen
und auf touchdruck bellen konnten

die autos fuhren bereits fahrerlos
und eine als amsel verkleidete kamera
sang vom hausgiebel gegenüber eine mozart-arie
während an den fenstern der alten häuser
selige hände nach päckchen griffen
die sprechenden flugapparate sich bedankten
und über den dächern surrend wieder verschwanden

selbst wenn er kein technikfreund gewesen wäre
hätte er von all dem beglückt sein müssen

ein mensch ging sehr nah an ihm vorbei
er war sich aber nicht ganz sicher

er bezahlte mit einem gedanken
es war zeit zurückzukehren
seine batterie ging langsam zu ende

 

bilder und gedichte: © paulson

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hier am schönen

 
hier am schönen
liegt seele am ufer
hier erzählen mir
die steine ihre geschichte

ich lausche andächtig
und verstehe
allmählich

meine

 

 

die zugleich engel sind



es mag vielleicht

sehr kindisch klingen
aber es gibt sie wirklich
die menschen
die zugleich engel sind

sie duften nach erdbeeren
und ihre küsse
schmecken wie marzipan
mit einem hauch
von kaffeebohne

 

 
I hear the drizzle of the rain
Like a memory it falls
Soft and warm continuing
Tapping on my roof and walls
 
And from the shelter of my mind
Through the window of my eyes
I gaze beyond the rain-drenched streets
To England, where my heart lies
 
My mind’s distracted and diffused
My thoughts are many miles away
They lie with you when you’re asleep
And kiss you when you start your day
 
And a song I was writing is left undone
I don’t know why I spend my time
Writing songs I can’t believe
With words that tear and strain to rhyme
 
And so you see, I have come to doubt
All that I once held as true
I stand alone without beliefs
The only truth I know is you
 
And as I watch the drops of rain
Weave their weary paths and die
I know that I am like the rain
There but for the grace of you go I
 
© Simon & Garfunkel

das chaos


das chaos begann an jenem tag

als der apfel in die schlange biss
und eva den lieben gott
aus dem paradies vertrieb
damit sie endlich einmal in ruhe
mit adam rumblödeln konnte

vielleicht war es aber auch
genau anders herum

 

bilder und gedichte: © paulson

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unendlich tief


unendlich tief

sind mythen und träume
ängste und glauben
im kollektiven gedächtnis
der menschheit verankert

wir hängen an ihnen
wie gefangene an ketten

und das bisschen verstand
ist noch nicht einmal
ein rütteln an ihnen

man schaue sich nur
einmal den menschen an

was er so alles treibt
in seiner unendlichen not

aber es steckt auch
viel gutes in ihm

das ist ganz gewiss
nicht die frage

 

 

 

pure comedy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sonderlinge


jene
die die dinge anders sehen

als die meisten anderen
sind oftmals insulaner

abseits des mainstream-getöses
schauen sie befremdet auf die welt

sie gelten als sonderlinge
wenn sie überhaupt gesehen werden

im grunde sind sie störenfriede

verstanden werden sie selten

eigentlich nur
wenn sie musiker sind

oder komiker
oder gleich beides

dann aber
werden sie geliebt

 

Comedy, now that’s what I call pure comedy
Just waiting until the part where they start to believe
They’re at the centre of everything
and some all-powerful being endowed this horror show with meaning

 

draußen am meer

 

draußen am meer
verwandelt sich die seele
in ein musikinstrument

wellen wind und weite
sind die spieler
die alles verzaubern

hier wird mensch wieder klar
alles ist eins
nein zwei
atemberaubend
und vergänglich

 

am boden


so mancher
hebt jeden tag die flügel
und bleibt doch
ein leben lang
am boden


bilder und gedichte: © paulson

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manche stücke in der zusammenstellung finde ich wunderschön. störend natürlich die werbeunterbrechungen, wenn man sie auf youtube anhört. aber das ist dann wohl der preis dafür, dass die tonschöpfer der dingezeit keine sonstige bezahlung für ihre werke mehr erfahren. wenn man so will, ist das dann eben der deal: kaufanreize gegen kostenlose kunst. hoffen wir, dass die tollen musiker überhaupt ein wenig kleingeld abbekommen.

das bild auf der compilation ist wunderschön: sieht gerade so aus, als würde da einer nach traumlandien aufbrechen… bin gespannt was er berichten wird, wenn er von dort zurückkehrt.

viel spaß mit den songs.

paulson

wie die wolken

 

wie die wolken am himmel
kommen und wieder zerfließen
kommen und gehen
die gefühle der menschen

niemals sind sie gleich

mal fliegen sie himmelhoch
sind luftig und federleicht

mal nebeln sie uns ein
mal machen sie uns angst

und manchmal weint es aus ihnen

 

 

 

dies leuchten


und als wir so fuhren
in der ruhe des abends
war auf einmal dies leuchten
und die welt war ein feuer

wir standen und staunten
sehr still und verloren
wir brannten wie flammen
am rande des seins

 

bilder und gedichte: © paulson

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die schönste musik


die schönste musik

ist die stille

 

gleich hinterm haus gab es da plötzlich berge. die schwäbischen himmel sind immer für eine überraschung gut.

alexi murdoch war auch auf einmal da. beim reisen durch das weltweite wunderwerk ist er einer der zufallstreffer in den postfaktischen zeiten. ich nehme aber an, dass es ihn wirklich gibt.

zuerst wollte ich euch eine stunde stille schicken, aber dieser songpoet ist auch nicht gerade ein lärmender punk. sollte also passen…

bis demnächst,

paulson

 

erst wenn sie engel werden

 

die menschen
sterben an ihrer sehnsucht

erst wenn sie engel werden
fliegen sie zum ersten mal

bilder und gedichte: © paulson

 

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überall auf erden


ganz tief aus seinen trieben
sucht mensch etwas zum lieben
und überall auf erden
ersehnt er sich
geliebt zu werden

 

 

zauberwald


der alte zauber

es gibt ihn noch
den wald

in dem das märchen wohnt
wo zwischen bäumen
stimmen flüstern

jedoch

der alte zauber ist verflogen
weil über allem
ein neuer himmel thront

 

auf der brücke

auf der brücke

ich steh und schau hinunter
auf die gerade spur von gleisen
wo die menschen rauf und runter
und manchmal in die ferne reisen

bei dieser wie bei jeder andern fahrt
geht’s immerzu hinein in neue gegenwart
dahinter liegt sofort vergangenheit
wir fallen immer aus der zeit

im langen auf-der-erde-sein
bewegen wir uns auf die gleiche weise
wir fahren hin und her tagaus tagein
das ganze leben ist ja eine reise

wir drehen alle eine große runde
ein wenig ist es wie in einem spiel
wir kennen nicht die ankunftsstunde
und ebenso verborgen bleibt das ziel

 

ich dachte, dass in den neuen zeiten der starken alten männer ein gedichtelein nicht schaden kann.

es lebe die demokratie! und in ihr lebe hoch die poesie!

und dann hab ich noch ne interessante musik entdeckt. max richter, ein in berlin lebender britischer komponist. vielleicht gefallen euch in dieser trumpy world ja die eher leisen töne.

ich grüße euch

paulson