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bauchtierchen

nur die wenigsten
lassen sich von kopfgeburten beeindrucken

fast alle sind wir bauchtierchen

was uns dort unten
nicht irgendwie berührt

hat im grunde keine bedeutung

 

bilder und worte: © paulson
clips und musik: youtube

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eins

wenn es ihnen gelänge
den denkenden willen
einfach auszublenden
dann könnten sie wohl
die sachen selbst sehen

nicht die ihnen eingeprägten
begriffe,
bilder und entwürfe

dann wären sie mit der welt
den menschen und sich selbst

eins

 

 

 

 

 

 

 

stell dir vor

das wachende träumen

kopfkino bei freiem eintritt
weltenreise ohne treibhausgase

ein stilles
tiefes
beisichsein

 

 

 

 

 

 

 

geländelimousinen

neben all dem deprimierenden
sendet der homo sapiens sapiens
jede menge hoffnungsvolle zeichen

aber dass frauen nun auch
fette schwarze panzer-suvs
fahren müssen für ihr ego
gehört nicht unbedingt dazu

 

 

 

 

 

tiefste geheimnisse

nein
es ist nicht wahr
dass es für alles worte gibt

für manches gibt es nicht einmal gefühle

man fragt sich sowieso
wo das alles immer herkommt
und wofür wir uns da andauernd verkämpfen

 

 

bilder und worte: © paulson
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katastrophe

es war der reine wahnsinn

noch nie hatte sie so gebrannt

noch nie war sie
so sprachlos
so verloren
so im taumel
so verzweifelt
so glückselig
so bei sich
so nah am tod

gleich heute würde sie ihn wieder verlassen

 

 

 

 

 

blindlings

so wie der öffentliche diskurs
kapituliert auch die philosophie
vor dem atemberaubenden tempo
in wissenschaft und technik

ganz und gar unmöglich
all das neu entstehende
zu reflektieren
zu diskutieren

sinnvoll zu gestalten
oder auch nur zu überblicken

gut möglich
dass die so getriebene
und im konsumtaumel
sich vollends verlierende menschheit
bestgelaunt und blindlings dabei ist

in den abgrund zu rasen

 

 

 

 

 

 

 

spielball

 

manchmal
wenn er mal wieder unter menschen war
sah er es so

im zeitalter des anthropozän
war der sapiens endgültig
zu einem wesen geworden

das als arbeiter und konsument
ununterbrochen zur verfügung stand

er verbrachte sein leben
als spielball fremder gewalten
und verpasste so sein eigentliches sein

er handelte nicht aus seinen tiefsten wünschen
wurde vielmehr gehandelt und misshandelt

weil er dies intuitiv verstand
war er immer auf der flucht
in seinen vorstellungen
in seinem wünschen und sehnen
mit flugzeugen und anderem maschinenzeugs
verschwand er in allen
möglichen fantastischen glücksparadiesen

alles war ihm im grunde näher als dies aufgezwungene sein

wieder zurück auf seiner insel
spürte er dass es so nicht war

zweifellos lebten sie in der besten aller welten
sie wurden älter als jemals zuvor
und genossen ungeheure freiheiten
mit denen sie souverän umzugehen wussten

sein bild vom menschen
musste also mit ihm selbst zu tun haben

irgend etwas bei ihm konnte nicht stimmen

er schaute sich im spiegel tief in die augen
dann nahm er zwei hände voll wasser
und kühlte sein gesicht

ein mensch im maschinenglück
beschleunigte seinen fetisch
röhrend zum dorf hinaus
unwillkürlich musste er
an das brüllen eines löwen denken
er konnte ihn noch hören
als der andere bereits das nächste dorf erreichte

er schaute zum fenster hinaus
ein mann mähte einen frisch gemähten rasen
die rote katze von nebenan gähnte in der mittagshitze

noch einmal betrachtete er den sapiens im spiegel

womöglich war er selbst spielball
seiner gedanken und erwartungen

ja
das würde er fortan glauben
so konnte er viel besser mit allem leben

 

 

 

 

 

 

erscheinung

wäre es denkbar
dass jene dinge
die menschen so tun
die vollkommen sinnlos
lästig oder kindisch
erscheinen
gar keine dinge sind
sondern abwehrmaßnahmen
sterbensernst
und absolut überlebensnotwendig

 

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die einbildung

die einbildung

treibende kraft im menschen

vorstellungen und erwartungen
meinungen und urteile
erfindungskraft und fantasie
erschaffen welt und realität
ideen und dinge
liebe und hass
glück und leid

und ein jeder schwebt im eigenen universum

es lässt durchaus platz für hoffnung
dass sich der selbsternannte sapiens
angesichts dieser vorgaben

nicht schon längst selbst beseitigt hat

 

 

 

 

zu sich selbst



auf dem jahrmarkt der eitelkeiten

ist nicht gut sein

erst in der ruhe des rückzugs
wird der mensch zu dem finden
was er im grunde ist

die tatsache des sicheren todes
ist dabei die kränkung schlechthin

doch statt zu verzweifeln
gilt es das leben zu ergreifen
als großes glück zu begreifen
und derart beschenkt
liebend
zu den menschen
zurückzukehren

 

sinnlos schönes sein

der grundlos und nichtig
in die welt gesetzte
schafft sich sinn
indem er schafft und erschafft
im grunde aber sucht
mit glühendem eifer
auf teufel komm raus

unheilbar getrieben
von einem kolossalen willen

den man nur als tierisch
begreifen kann

manche nennen ihn
den verzweifelten
andere die Krone der schöpfung

so verschieden sehen sie ein und denselben

erst wenn der wille
ihn wieder verlässt
kapituliert der sapiens
beschließt müde und unvollendet
sein sinnlos schönes sein

so mancher lächelt dabei

 

 

 

 

das staunen

wäre es denkbar
dass wir das staunen
verlernt haben
im allesimmerüberall
der schönenneuenwelt

und das geduldig-
das genügsam-

das demütigsein

 

 

 

toll

wenn wir
nur halb so toll sind

wie wir uns vorkommen
dann mache ich mir
um die zukunft der welt
überhaupt keine sorgen

 

die erfindung

der mensch
ist die mit abstand

unglaublichste erfindung gottes

gleich nach dem schmetterling

 

die sprache

wer die sprache
als ein instrument der verrohung
der verblödung und der verdrehung gebraucht
muss sich nicht wundern
dass ihn die leute wiederwählen

jeder politiker bekommt das volk
das er verdient

und umgekehrt

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heidegger meinte

heidegger meinte
die moderne technik
sei die äußerste ferne zum sein
der mensch verbringe sein leben
in einer seinsvergessenheit

ich wage es
dem meister zu widersprechen

denn wenn ich mir die automatenführer
unserer tage so anschaue
dann ist das doch die perfekte synthese
von mensch und maschine

größer kann ein glück kaum sein

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die alten und die jungen

erst im alter
erlangen die menschen
ihr reichstes wissen

aber die jungen
haben keine zeit
ihnen zuzuhören

weil sie ihr ding
machen müssen

so war es immer
und es wird immer so sein

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als ein lächeln

wie nebel am morgen
verziehen sich langsam
die bilder der nacht

nur eines will
ein wenig länger
bei mir bleiben

so lass ich’s
als ein lächeln
bis zum abend
in mir weilen
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monsteregos

sie haben gewalt
und wollen geliebt sein

ist das nicht vermessen
vom dunklen besessen
ist das nicht absolut krank

ein nein ist ihnen ein ja
ein halt ist ihnen ein weiter
sie sind regelverkehrer
selbstgesetzgeber
sie reisen immer mit vollem tank

und machen die anderen krank

sie sind getriebene
für immer kind gebliebene
autoritäre defizitäre
parasitäre solitäre

sie sind falsch wie schlangen
in allen belangen
sie gehn über leichen
in allen bereichen

wo sie auch mäandern
sie quälen die andern
im großen im kleinen
mit sich nie im reinen

sind souverän erscheinende
lächelnde weinende
triebhaft verborgene
seelisch verdorbene

wenn sie dich anvisieren
inszenieren dominieren
attackieren annektieren
im anschluss alles dementieren

sie würden niemals weichen
verstehen keine zeichen
liegen immer auf der lauer
hinter ihrer angriffsmauer

egos so mächtig wie berge
im grunde verzweifelte zwerge
die allerärmsten schweine
geben erst ruh als gebeine

sie haben macht
wollen geliebt sein

ein nein ist ihnen ein ja
ein halt ist ihnen ein weiter
sie sind regelverkehrer
selbstgesetzgeber
sie reisen immer mit vollem tank

und machen die anderen krank
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sie finden sich schön


die menschen
betrachten nicht
die unheimlichkeit der welt

sie schauen in den spiegel
und finden sich schön

das ist ihre größte stärke

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clown

jene
die in postfaktischen zeiten
wahrhaftigkeit leben
stehen da wie clowns

na und

was soll das auch sein
wahrhaftigkeit

ist das nicht
ein viel zu großes wort

für menschenkinder
in einer welt wie dieser

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sehnsucht


sehnsucht
ist keine krankheit

sie gehört zum menschsein
wie all das andere
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atmendes geheimnis

schreiben
eine auf papier gezauberte fantasie

musizieren
ein in den wind geschriebenes gedicht

schweigen
ein atmendes geheimnis

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menschenengel


einmal

an einem kalten tag im februar
lehnte er mit dem rücken am heizkörper
und blickte hinaus auf die verschneite landschaft
eine mutter ging mit ihrem kind den weg entlang
und über ihnen zog eine krähenschar
burgwärts

er hatte sich mit dem werk
des schweizer seelenforschers befasst
glaubte etwas verstanden zu haben
von den menschen und ihrem werk

alles erschien ihm auf einmal ganz klar

er schloss die augen
und sprach die stimme seines sapiensexperten
langsam und leise in den handapparat


immerzu erzeugten sie wirklichkeit

aus ihren wahrnehmungen und betrachtungen
ihren wünschen und vorstellungen
erwuchsen wundersame fantasien

an deren vollendung sie unermüdlich schafften
angetrieben von einem uralten willen
von neugierden und sehnsüchten
im wachen und im träumen

die seele war die große schöpferische kraft

fast unbemerkt schenkte sie ihnen das menschsein
und erzeugte jenes bedeutsame gebilde
das sie selbstbewusst persönlichkeit nannten

ihr denken lieferte ihnen pausenlos weltverstehen
brachte aber nur das im innen schon vorhandene ins offene
und gab ihnen die illusion freie selbstgestalter zu sein

das war ihnen wesentlich für ein gelungenes leben

alles offensichtliche und von ihnen verstandene
letztlich auch der sinn den sie andauernd allem gaben
gründete auf ihrem gut verborgenen eigentlichen wesen
und zeigte sich in selbstgewissen gesten
und wohlgewählten worten

sie bemerkten gar nicht
wie sehr sie dabei menschelten

weil sie sich sicher fühlen und zurechtfinden mussten
orientierten sie sich an überschaubaren vorstellungen
an überlieferten bildern und klaren strukturen
die sie in der kindheit übernommen hatten
und dann ein leben lang verteidigten
auch weil sie bereits seit urzeiten in ihnen waren

so wurden sie im besten falle
tiefengesteuerte menschenengel

die lächelnd den traum ihrer existenz gestalteten

 

als der experte fertig war
stoppte er die aufnahme
er überhörte die rufe des kantianers
und stand noch eine weile

die wärme durchströmte ihn angenehm

seine seele ersehnte mildere tage

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Heiner

 

traumartig schön vergehen die tage in der zeit

jeden morgen werden wir
beim öffnen der augen neu geboren

und sterben wieder jede neue nacht

traumartig verweht die zeit
bis wir am ende unserer tage
für immer verreisen

wohin verraten wir nicht

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das leben

manchmal
wenn er die menschen so betrachtete
sah er sie als geister von morgen
er stellte sich vor
dass in nur wenigen jahren
eine gänzlich neue population
die erde bevölkern würde

jedes einzelne dieser beseelten geschöpfe
würde schon bald zu sternenstaub zerfallen sein

der gedanke amüsierte und faszinierte ihn gleichermaßen

er schmunzelte und wurde sofort wieder ernst

zeit war ein verrücktes phänomen
eine erfindung des modernen sapiens
im grunde gar
nicht vorhanden
und doch ein gewaltiger allesbeseitiger

träume waren auch so etwas immaterielles

er stellte sich vor wie sie in diesem augenblick
alle waagerecht
in ihren betten lagen und träumten
wie sie sich beim ersten licht rühren
wieder erwachen und erheben würden

hinein in den schönsten aller träume

das leben

 

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das wesentliche


am frühen morgen stand er am fenster
und schaute hinaus auf die straße

die menschen fuhren in ihren rädermachinen vorbei
mit den händen am lenkrad und mit müden gesichtern

bald würden die autos ganz von alleine fahren
dann würde man sein baby zur großmutter bringen lassen
oder die großmutter zum baby
ganz ohne begleitung
oder die katze zum tierarzt
den einkaufskorb zum supermarkt
und so weiter

es war ihm eine bizarre vorstellung
aber es fehlte nicht mehr viel
nur noch die vermessung des planeten
bis in die allerletzte hofeinfahrt

und so war es mit allem
alles wurde nun überall miteinander verbunden
die spezialisten schufen eine schöne neue welt
und alle fanden das wunderbar
weil es so nicht mehr weiterging
und weil es sowieso kommen würde
wie sie einem alle sagten
sogar die kanzlerin

und deshalb war auch er zufrieden

ernst stand er am fenster
als er schaute und sich darauf freute

ja es waren großartige aussichten

wenn mensch nichts mehr selber musste
nicht mehr fahren
nicht mehr arbeiten
nichts mehr wissen
d
ann konnte er sich endlich
auf das wesentliche konzentrieren

konsumieren

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in memoriam chris jones

ist es nicht tröstlich
dass auch nach uns
die natur in voller blüte
stehen wird im mai
dass paare sich paaren
kraniche gen süden ziehn
und meere anlanden werden

nur eben ohne uns

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dies eigentliche

zweifellos lebte er in der besten aller welten

aber zuweilen sah er das ganz anders

das rechnende denken
erzwang es nicht die vermessung
die vermassung und die vermarktung des menschen

durch seine verzauberung im zeitalter der dinge

war der von sich entfremdete und denaturierte
nicht drauf und dran und im grunde bereits dabei
endgültig in der durchtechnisierten welt
vollkommen verloren zu gehen

versuchte der durchorganisierte nicht intuitiv
der uneigentlichkeit mit hilfe der fantasie zu entkommen
so er das geheimnis seines wesens wiederfinde
in einer welt der märchen und mythen

ja – diese beschreibung entsprach ganz seinen vorstellungen

allerdings stellte sich ihm noch eine nicht unwesentliche frage

was eigentlich war überhaupt

dies eigentliche

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siebenundsiebzig komma fünf

japanische wissenschaftler haben herausgefunden
dass die seele des sapiens
im durchschnitt

das siebenundsiebzig komma fünf-fache
seines körpers wiegt

gearbeitet wurde dabei nicht
mit einer herkömmlichen waage

vielmehr kamen gesichtszüge
und sehnsüchte in den augen
von alten menschen zur vermessung

auch körperhaltung und stimme
wurden miteinbezogen

das ergebnis multiplizierte man dann
mit dem rätselfaktor eins komma sieben zwei neun

die menschliche seele
ist somit um ein vielfaches schwerer
als bisher angenommen

dass sie der gewichtigste teil des menschen ist
war jedoch schon lange vermutet worden

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ganz bei sich

wenn augen sehnsüchteln
und gesichtszüge heimwehn

dann ist mensch 
ganz bei sich

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traumreisen

schlafende menschen
auf traumreise
mit einem engelslächeln

oder mit schiefem mund
im kampf gegen dämonen

der tag holt sie alle zurück

bis zum abend

wenn die neue reise beginnt

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dieser kafka

wohl selten
ist einer so erfolgreich gescheitert
wie dieser kafka

sein schreiben unvollendet
sein leben misslungen
sein lieben eine katastrophe

und dennoch
sei er einer der größten

vielleicht gehört das scheitern
maßgeblich zum gelingen

und diese erfolgsbiografien
sind allesamt trumps

also fakes

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sturmverzuckert

von leben und lieben
völlig durchdrungen
am machen am suchen
die alten die jungen

und in jedem moment
dem tode geweiht

das ist der mensch

er trägts mit heiterkeit

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das leben ist ein stern

das leben ist ein stern
der golden hell
am himmel strahlt
wenn er erscheint

der blasser wird
dann mit der zeit
bis ganz am ende
er erlischt

und jemand
weil er nicht mehr ist
ganz schrecklich weint

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nebelgestalten


seltsam eigentlich

wie klar unsere vorstellungen
und überzeugungen daherkommen
wo wir doch genau wissen
wie komplex und unerforscht fein
unser bewusstsein arbeitet

im grunde sind wir nebelgestalten
die alles nur schemenhaft wahrnehmen
und daraus wahrheiten formen

die folgen sind oft schlimm

aber vollkommen menschlich

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quatschvorstellung

natürlich ist die seele kein organ

was für eine quatschvorstellung

die seele ist der ganze
lebende liebende leidende endliche

ohne sie ist er gar kein

mensch

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