Das Besondere


Wenngleich ich meine Nase gern in Bücher stecke, würde ich mich dennoch nicht als Vielleser bezeichnen. Regelmäßig erwische ich mich mit philosophischen Büchern, ohne dass ich behaupten würde, irgendwas von dem zu verstehen, was ich da lese. Und das ist gewiss kein fishing for compliments. Der Mensch (zumindest meiner, also ich) wächst extrem langsam Richtung Erkenntnis. Und spätestens seit Kant wissen wir, dass alles Verstehen ohnehin durch den limitierten Sinnen-Apparat des Menschen begrenzt ist.

So ist Lesen für mich vor allem die Freude am Entdecken des für mich Geschriebenen. Gute Literatur ist vielleicht  nichts weiter als zu Papier Gebrachtes, das ziemlich genau der Gefühlwelt des Lesers entspricht. So ist Lesen vor allem ein Finden. Und was die einen für großartig halten, und mitunter missionarisch verschenken, lässt den anderen sowas von kalt. Max Frisch mag ich, und Pascal Mercier, Paul Auster find ich gut (Das Stück Man in the room auf BLUE WINE beschreibt so eine typische Paul Auster-Figur).

Es gibt sicherlich gewaltige Qualitätsunterschiede in allen Kunstbereichen. Der eine kann eben singen oder Geige spielen, während andere mit selbigem Tun eher die Fluchtreflexe ihrer Mitmenschen mobilisieren; und so wird es wohl auch mit dem Malen, dem Schauspielern, dem Schreiben und mit allen anderen Künsten und Lebensbereichen sein. Ich denke, dass sich die allergrößten Talente fast immer durchsetzen. Die mit der besonderen Gabe. Sie sind Kraft ihres überschäumenden Talents praktisch dazu verdammt, dieses Geschenk den Menschen weiterzuschenken, und dann üben und arbeiten sie wie die Besessenen, dass dies auch so sei.

Die Talente aus der zweiten Reihe kommen oft zu Ruhm – davon bin ich überzeugt – weil sie Glück haben, und/oder ein riesiges soziales Netzwerk, und/oder Menschen, die an sie glauben, oder auch, weil sie gnadenlos von sich selbst überzeugt sind. Und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass dieser Erfolg durch ausdauerndes Marketing auch nachhaltig sein kann. Einer, den ich auch als Autor schätze, der Schweizer Markus Werner, hat einmal geschrieben. Wenn du einen Riesen siehst, so frage dich zuerst, ob es sich nicht um den Schatten eines Zwergen handelt. Ich weiß den Zusammenhang nicht mehr genau, aber der Spruch gefällt mir. Und er lässt sich wahrscheinlich für einen Großteil der Kunstschaffenden anwenden. Die Buchläden sind jedenfalls, davon bin ich überzeugt, voll von Werken, hinter denen sich ganze Zwergenstaaten verbergen(und Menschliches, Allzumenschliches sowieso, also ganz normale Menschen wie du und ich, so mit Bauchweh und Lust auf Himbeerjoghurt). Das Besondere ist jedenfalls selten. Wir müssen regelrecht suchen, um es zu entdecken. Und man wird es ohnehin kaum finden, wenn man nicht das Besondere in sich selbst entdeckt. Das, was einen berührt und umtreibt und woran wir glauben oder zweifeln in diesem Menschenleben. So gesehen ist es auch wiederum gut, dass die Auswahl so groß ist.

Das Internet ist auch eine Art Buchladen, mit einer Angebotspalette gigantischen Ausmaßes. Und es ist ein Medium, wo gerade die Maßstäbe dessen, was ein Riese und was ein Zwerg ist, fundamental verschoben werden. Jedenfalls scheint die richtige Performance dabei sehr wichtig zu sein. Aber ich weiß im Grunde zu wenig darüber. Die Vielfalt ist jedenfalls faszinierend. So wie die Vereinzelung der user in der community.  Bleibt zu hoffen, dass das Gute gut bleibt. Und dass sich die Menschen im Vielen noch darauf einigen können was das Wichtige sei. Verwirrend? Find ich auch!

Wenn Ihr auf das Album links oben klickt, findet Ihr einen kurzen Text zu BLUE WINE.

Bis bald,

Paulson




This entry was posted on Sonntag, März 11th, 2012 at 14:05 and is filed under 2012. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.