Endlich wieder ein wenig kühler.

Zeit für ein paar coole Gedanken. Wollte Euch ja noch erklären, weshalb ich diese Pause einlege, sie einlegen muss, leider.

Da ist einmal der berufliche Aspekt. Seit Jahren werden an den Schulen die Stellschrauben angezogen. Mehr Schüler, mehr Unterrichtsstunden, mehr Aufgaben. Ich empfinde es jedes Jahr als noch anstrengender, meinen vielen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Die Unterrichtsqualität hat sich dadurch definitiv verschlechtert. Aber solange die Eltern nicht auf die Barrikaden gehen, ist das den Schulplanern egal. Der einzige Plan, den die haben, heißt  „Sparplan“. Diese Verantwortlichen sind wohl überwiegend Betriebswirtschaftler im Pädagogen- und Schulentwicklungsschafpelz. Habe in allen drei Fächern Abitur, nächstes Jahr kommt die neue Präsentationsprüfung im fünften Prüfungsfach auf uns zu. Habe außerdem auch eine weitere Schulart zu unterrichten (ich arbeite an einem großen beruflichen Schulzentrum), und die allein kostet mich manchmal die letzten Nerven, weil die Klassen zu groß und jeder zweite Schüler dort verhaltensauffällig ist. Und wir erhalten so gut wie keine professionelle Hilfe von außen. Der Lehrerjob hat ein miserables Image, aber wir sollen alles können, und keiner möchte mit uns tauschen. Allerdings habe ich auch viele tolle Schüler! Aber es ist einfach eine Kraftfrage.

Meine Trennung kostet mich ebenfalls viel seelische und körperliche Energie, und so langsam wird die Sache auch zur unendlichen Geschichte. Wir versuchen es ohne Anwälte, aber da ist dann vieles nicht so eindeutig und zieht sich schmerzhaft hin.

Mein Gesundheitszustand ist einfach nicht so, dass ich die ganze Woche, und oft genug auch an den Wochenenden und in den Ferien, für die Schule powern, und mich dann noch entspannt auf die Bühne stellen kann. Die Menschen sehen das, wenn du die Kraft und die Lockerheit nicht mehr hast.

Und dann gibt es da auch noch die wirtschaftliche Seite von so einem Projektle: Die meisten Leute denken offensichtlich, dass ich damit  Geld verdiene. Das ist natürlich nicht der Fall. Zum einen spielen wir ja meist du fünft, zum anderen ist eine CD-Produktion unterm Strich nicht gerade billig. Und bei etwa zehn Konzerten im Jahr  könnt ihr euch ausrechnen, dass ich meine Unkosten damit nicht decken kann, zumal ich immer wieder auch lediglich gegen Eintritt spiele und die Besucherzahlen leider nicht so toll waren in letzter Zeit. Dass die Songs toll sind, und die Musiker, das hab ich so oft gehört, von lieben Menschen und von Veranstaltern. Das ist natürlich schön, und neben der Songschreiberdisposition, die ich nun mal besitze, auch der Hauptantrieb für meine bescheidene Kunst. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie zäh es ist, Veranstalter davon zu überzeugen, einen zu engagieren. In meinem Job muss ich ja ziemlich viel korrigieren. Und ich mach das extrem ungern. Aber das eine kann ich euch sagen: Gegen diese Telefon- und Versendeprostitution (entschuldigt  bitte den Ausdruck, aber er passt haargenau) ist Korrigieren ein immlisches Vergnügen. Die Hälfte der potenziellen Veranstalter weiß gar nicht mal, dass ich die CD verschickt habe – ich lege auch zu jeder CD einen handschriftlichen Brief. Die andere Hälfte der Veranstalter schwankt zwischen interessiert und begeistert. Aber was im Endeffekt an Auftritten dabei heraus kommt ist mehr als bescheiden. So muss ich eben einsehen, dass dies Projekt wirtschaftlich nicht funktioniert. Es gibt für meine Musik keinen Markt. Vielleicht bin ich ja zu alt, oder zu deutsch, oder zu sehr Mann. Bin auch kein guter Verkäufer, und zudem ein schlechter Netzwerkbauer. Bräuchte jemanden, der mir das abnimmt mit den Auftritten. Sollte jemand Lust haben, bitte meldet euch. Selbstverständlich gibt es dafür eine prozentuale Beteiligung an der Gage.Unterm Strich hab ich in den letzten Jahren so viele Songs geschrieben, sechs CDs heraus gebracht, tolle Menschen und Musiker kennen gelernt. Es gibt keinen Grund zu klagen. Jetzt kommt eben eine Pause, und danach kommt neue Musik. Die Songs für den nächsten Silberling hab ich bereits geschrieben. Auch in den Läden, wo meine CDs ausliegen, entdecken manche Leute die Qualität der Sachen, erzählen es hoffentlich weiter.

Ja, überhaupt: Erzählt es einfach weiter, wenn euch meine Songs gefallen. Und bitte: bleibt auch dieser Seite treu, ich werde sie etwa einmal im Monat mit meinen Gedanken beschreiben. Und nicht vergessen: Solltet ihr ein nettes kleines Geschenk brauchen, für liebe Menschen: Einfach auf dieser Seite eine Mail an mich!

Unser vorerst letzter Auftritt findet am 12.7. in Ettenheim bei Freiburg statt.

Seid umarmt!

Euer Paulson

(5/07/08)

This entry was posted on Samstag, Juli 5th, 2008 at 17:39 and is filed under 2008. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.