Es war zwar das Debüt-Konzert …

… mit eigenen Songs – aber Jasmin schien schon eine große Zahl von Fans zu haben. Die vielen Menschen im Gasthaus Fecker erlebten an diesem Abend wie ein neuer Stern am Singer-Songwriter-Himmel aufging. Ich glaube, dass es ein ziemlich heller Stern sein könnte. Denn die junge Dame hat vor allem eines: Ausstrahlung. Jasmins Darbietung fesselte die Anwesenden. Mit großer Sicherheit sang sie ihre wunderschönen eigenen Lieder in ein ziemlich berührtes Publikum. Schlicht und schön das Gitarrenspiel, treffsicher die Gesangslinien – und diese außergewöhnliche Stimme scheint direkt mit sehr tiefen Regionen des Menschseins in Verbindung zu stehen. Ihre Musik hat auch mein Innerstes berührt. Gleich beim allerersten Mal, als ich das große Glück hatte, sie exklusiv vorgespielt zu bekommen. Das Nachwuchstalent holte sich sozusagen den Rat des erfahrenen Soulwriters. So stimmig, so authentisch kamen die Songs rüber, dass ich nur noch sagen konnte: „Ja, natürlich kannst du das vortragen. Du musst! Du hast Songwriter-Gene!“ Eigentlich war ich einfach ziemlich sprachlos damals.

Der Benefiz-Songwriter-Abend im Fecker war eine runde Sache und die Leute haben ordentlich gespendet. Im Grunde war es ja eher ein Nachwuchsfestival mit dem alten Paulson und seinen jungen Freunden. Matti Münch hatte das alles wieder super organisiert.

Ich selbst musste einige Tage nach dem Konzert eine recht bittere und für mich eigentlich neue Erfahrung machen. Ein von mir sehr geschätzter Wohlfühl-Mensch fand meine Fecker-Darbietung nicht gut – und behielt das leider nicht bei sich. Nun, ich hatte es wohl mehr oder weniger auch wissen wollen. Jedenfalls war diese sehr liebenswerte Person alles andere als begeistert. Natürlich weiß ich, dass nicht jeder Konzertbesucher vor lauter Ekstase gleich rücklings vom Stuhl kippt, wenn meine Songs erklingen. Meist sehe ich es den Gesichtern ja auch an – wenn ich sie denn sehe,  im manchmal sehr grellen Scheinwerferlicht:  Die einen ziehe ich vom ersten Moment an in meinen Bann, und die anderen hatten doch was ganz anderes erwartet. Und wieder andere scheinen sich irgendwo mit dem Gebotenen anfreunden zu können. So unterschiedlich die Gesichter, so unterschiedlich die Menschen dahinter, mit ihren Erfahrungen, Erwartungen, Einschätzungen. So ist das eben: Manche kriegen bei Jazz Gänsehaut – was mir noch nie passiert ist – manche krautrocken sich ein Leben lang durch die Gegend. Manche mögen lieber ´Yellow Submarine ´ als ´Yesterday´, lieber ´Honky Tonk Woman´ als ´Angie´, lieber ´Englishman in New York´ als ´Fields of Gold´. Der so hoch gelobte Adam Green fällt mir ein, und will mir einfach nicht gefallen. Nicht einen Song lang, nicht einmal einen Takt lang geht er mir unter die Haut.
So nett und amtlich das auch alles gemacht sein und klingen mag.

Was natürlich nicht heißen muss, dass es jemandem einfach nicht gefällt, was ich mache. Aber wie
so ein Urteil zustande kommt ist eben, wie das Menschsein überhaupt,  ein sehr komplexer Vorgang,
und das Resultat von zahllosen Prozessen. Und am Ende steht ein Urteil, das man nicht unbedingt persönlich nehmen muss. Aber wer hat schon diese Distanz? Wollen wir nicht alle gelobt und geliebt werden? (Ja, das wollen wir, unbedingt!)

Als Soulwriter stellst du dich mit allem was du hast und bist auf die Bühne, es ist ja kein Theaterstück oder Traumgebilde, das du da präsentierst, wie das bei vielen Bands der Fall ist. Nein, du stehst als ehrliche Haut dort oben, zeigst dich möglichst authentisch, willst dabei in den Ansagen ernsthaft und zugleich intelligent witzig sein – unterm Strich ist es doch ein rechter Seelen-Striptease. So ist das bei allen, die was vergleichbares machen. Und wenn du dann Ablehnung erfährst, noch dazu von jemandem, den du wirklich magst, dann betrifft das mehr als deine bescheidene Kunst – und das tut ganz schön weh!

Ich mag meine Sachen – und glücklicherweise gibt es sie ja, die Fans. Ich kenne natürlich meine Schwächen und Stärken – eine gute Selbstbeobachtung ist nicht nur Voraussetzung für Empathie
für andere, sie ist elementar, um die Subjektivität der Welt und die Palette der möglichen Reaktionen überhaupt zu verstehen.

Es gibt sie auch bei Paulson, die leichteren, die ironischen Stücke – aber es waren nie meine Lieblingslieder. Paulson-Songs, das sind laut Selbstbeschreibung „Songs mit Gänsehaut-Potenzial“.
Und wer keine bekommt – well: „do konnst nix mocha“, wie meine bayerische Mutter Gretl Hirtreiter
zu sagen pflegte. War übrigens eine unverbesserliche Frohnatur, meine Erzeugerin (Lebensmotto,
u.a.: „Alles geht, nur der Frosch hüpft!“) Das Melancholische in mir, das stammt eher von der
väterlichen Seite – und die monatelangen Winternebel im Donauried mögen hier maßgeblich wesensbildend gewesen sein. ´True Color Blue´ eben…

Matti, Alex/Andy und die Girls sollten aber doch ausreichend Leichtigkeit in die Combo bringen. Well, Schwamm drüber, es wird eine Wunde bleiben, deep inside. Wie war das mit den bizarren Seelen-landschaften? ´Deep Inside´ hieß übrigens ein Titel meines guten alten Wanner, aber das ist sehr lange her. Jedenfalls hatte der diese Seelenader definitiv auch.

Noch einige Konzerte wird es geben in diesem frühen Sommer. Schaut bitte unter „concerts“ nach.  Im späten Sommer werde ich dann einige neue Songs aufnehmen, und es ist gut möglich, dass dann eine längere ´Babypause´ folgt, bevor mein sechstes „Soulbaby“ irgendwann in grauer Nachzeit erscheinen wird.

Die Webmaster-Dienste wird nach dem tragischen Tod von Michael Schulz  wieder  der Kreator dieser Seiten, Sven Brandelik, übernehmen. Vielen Dank dafür!

Es grüßt Euch, wer immer Ihr seid,

Euer Paulson  (15/05/08)

This entry was posted on Donnerstag, Mai 15th, 2008 at 17:45 and is filed under 2008. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.