Klein Venedig, Pinselstrich und Kräuterkasten


Vor einigen Wochen verstarb in Jungingen Josef Zanger 91-jährig. Der gutmütige und sehr humorvolle Mann, in dessen Haus ich mit meinem kleinen Studio zu Gast sein durfte, hatte ein erfülltest Leben und verstarb friedlich. Mein Studio befand sich im kleinen Besprechungszimmer der ehemaligen Textilfirma, im Büro wohnte ich einige Monate, und die Proben mit der Band stiegen im Loft-ähnlichen Saal, wo früher genäht wurde. Alles war seit den 80ern leer gestanden, entsprechend war auch die Atmosphäre in diesen Gemäuern eine sehr spezielle. Nun wird das Haus abgerissen und ich bin momentan dabei dort auszuziehen.

Und nun zur BLUE WINE Tour:

Endlich geht es los! Nachdem mein siebtes Album schon eine ganze  Zeitlang durch die Lande geistert, gibt es nun tatsächlich auch wieder Konzerte im Zollernalbkreis. Und zwar gleich drei in drei Wochen. Wir beginnen am Samstag, den 22.9. im Kleinvenedig in Balingen. Dann folgen Bistro Pinselstrich/Lautlingen und Kräuterkasten/Ebingen – Näheres unter Concerts. Wir werden alle drei Gigs in voller Besetzung spielen, also mit:

Andreas Reif – Kontrabass, Tasten
Andy Schoy – Schlagwerk
Monja – Gesang
Artur Stopper – Gesang
Paulson – Gitarre, Gesang, Songwriting

In Lautlingen wird Michaela Sommer für Monja dabei sein, weil diese sich erfreulicherweise bei einer Preisverleihung für einen ihrer Videoclips in Wolfsburg aufhält.

Der Grund für die zeitliche Diskrepanz zwischen dem Erscheinen des Albums und den Konzerten ist übrigens recht simpel: Im letzten Oktober wurde ich am Knie operiert. Man hat mir völlig absichtlich den Schienbeinkopf gebrochen – die Methoden in den Krankenhäusern werden immer rabiater, das kann ich Euch sagen! – ein relativ gravierender Eingriff also. Der Heilungsprozess verlief nicht ganz optimal, so dass ich bis April an Stöcken durch mein kleines Universum humpelte. Heute geht es mir wieder ganz passabel. Mein linkes Bein ist nun 1,24 Zentimeter länger als mein rechtes, was sich doch ein wenig schräg anfühlt.

Ich freu mich nun sehr auf die anstehenden Konzerte. Wär´ klasse, wenn es Euch auch so erginge!

So, das war das. Und nun das andere.

Manche liebe Menschen bitten mich, doch wieder mehr zu schreiben. Sie sagen, dass sie meine Texte interessant finden. Danke für die Blumen – ich mag Blumen! Ich will auf jeden Fall versuchen dem nachzukommen. Bin ja immer noch frei von allen sozialen Netzwerken.  Man kann mich aber per Mail (Contact) jederzeit erreichen und bekommt auf alle Fälle eine Antwort (es sei denn Ihr schreibt mir, dass meine Musik schlechter ist als die von Hansi Hinterseher, ich glaube so heißt dieser singende Slalomfahrer)

Und noch eine technische Bitte:

Stellt bitte sicher, dass die Adressen, von denen Ihr schreibt, auch Antworten empfangen können. Das ist nicht immer der Fall. Jeder, der mir schreibt, bekommt auch eine Antwort. Ich kann Euch sonst nämlich weder zurückschreiben noch Rundmails schicken. Neulich bekam ich einen ganz lieben Brief als Reaktion auf Blue Wine vom linken Rheinufer nahe der holländischen Grenze. Leider bekam ich meine Antwort zurück. Also, bitte überprüfen!

Gut, dann also noch ein wenig Text.

Es kommt nicht mehr sehr häufig vor, dass mich Musik wirklich berührt. Keine Ahnung woran das liegt, ob man da mit dem Alter langsam abstumpft? Vielleicht auch, weil man ja schon alles gehört hat, es sich nur wiederholt. Wahrscheinlich braucht es aber auch den Zusammenhang mit gewissen Lebenssituationen, damit eine Musik die Seele entzündet. Jedenfalls hat mir ein ganz lieber Mensch vor einiger Zeit eine sehr schöne CD einer gewissen Catriona Mac Donald geschenkt und auf diesem Album gibt es ein Stück, instrumental, Violine und Klavier, das mich vollkommen fertig macht. Ich kann es hundert Mal am Stück hören und es ist eigentlich dann noch immer nicht genug. Diese Folge von Tönen öffnet mich, ich find´s zum Weinen schön. Ich bin dankbar, dass es solches gibt. Der liebe Mensch meinte dann auch noch, dass es ihr genauso erginge auf diesem Album, aber bei einem ganz anderen Stück, welches ich auch schön finde, das mich aber nicht so tief berührt. Jeder habe eben seine eigene innere Melodie. Wahrscheinlich tritt da etwas Äußeres mit einem Geheimnis tief in uns in Resonanz. Ich will es gar nicht verstehen, eigentlich. Es ist einfach schön, dass es so etwas gibt. Und eigentlich ist es ja nicht nur bei der Musik so, das geschieht wohl in allen Lebensbereichen mit uns. Eines weiß ich aber: Es hat ganz viel mit Liebe zu tun, mit Liebe, die wir sind und geben und empfangen.

Ich komme eben von einer längeren Reise mit dem Rad zurück und bin im Begriff wieder in die Anforderungen des Alltags einzutauchen, so wie die meisten von Euch das nach dem Sommer nun auch wieder tun. Ja, wir sind tatsächlich schon wieder am Ende des Sommers angekommen. Aber dieser schenkt uns momentan solch geniale Tage.

Vor einigen Monaten sprach ich mit einem interessanten Menschen über Ehrfurcht und Demut, zwei Begriffe, die gelegentlich nicht ganz leicht zu fassen seien. Mit Ehrfurcht könne er etwas anfangen, den Begriff Demut verwende er aber nicht, er habe für ihn eine religiöse Bedeutung, und er sei nicht sehr religiös. Wir haben uns leider wieder verloren, werden dieses Gespräch nicht mehr weiterführen. Auch ich bin nicht religiös im herkömmlichen Sinn. Aber ich habe Ehrfurcht vor der Natur und Demut vor dem Leben. Ja, ich glaube so würde ich es sagen wollen. Dem Wunder und dem Rätsel des Lebens ergeben, in die Existenz geworfen, von welcher Hand auch immer, mit ein paar Fragen im Gepäck, die mich faszinieren und die nicht zu beantworten sind. Welch ein Geschenk, dies Leben! Und wie leichtfertig wir oft damit umgehen, mit dem Wunder der Natur, aber auch mit uns selbst.

War in den beiden größten deutschen Städten unterwegs und auf drei der schönsten deutschen Inseln. Ich reise nun schon das siebte Jahr mit dem Rad durch die deutschen Lande – nach allerlei Reisen in andere Gegenden der Welt in meinen früheren Jahren. Und wenn ich so durch unser Deutschland fahre, im achtsamen Fahrradtempo, so sehe ich ein Land zwischen Natur und Kultur, zwischen Technik, Fortschritt und schlichtem Menschsein, zwischen Produzieren und Konsumieren, und ich habe den Eindruck, als sei die halbe Republik die ganze Zeit unterwegs. Und was mir auch sehr auffällt, die letzten Jahre, neben dem zunehmenden Lärm und Verkehr, ist, dass die Menschen immer mehr kommunizieren während sie anderes tun, die Anzahl von radfahrenden Telefonierern in Berlin war erstaunlich. Dass die alle noch am Leben sind! Wobei… man wüsste es ja nicht. Insgesamt scheint das olympische Motto höher schneller weiter noch immer an Beliebtheit zu gewinnen, ein Wahnsinn, mit welchem Tempo die meisten Menschen unterwegs sind. Kein Wunder haben Wellness-Hotels und Entschleunigungs-Seminare solchen Zulauf. Diejenigen aber, die vom Leistungs-Diktat am meisten betroffen sind, hätten niemals das Geld für solchen Luxus, die schaffen es ja noch nicht einmal, ein paar Euros für ihre private Rentenversicherung beiseite zu legen. Gerecht ist dieses Land nicht, aber sehr reich, an ganz vielem. Ich glaube es ist eines der besseren, insgesamt betrachtet. Sehr beeindruckend waren auch die Containerschiffe im Hamburger Hafen. Jetzt weiß ich endlich genauer, wie meine Bananen und meine Steaks aus Argentinien hierher kommen. Die Schiffe sind teilweise drei Fußball-Felder lang und befördern bis zu 8 000 Container, verderbliches Gut natürlich in Kühl-Containern. In Hamburg kommen jährlich 10 Millionen Container an, das sind dann also 10 Millionen LKWs . Damit die Regale jederzeit mit allem voll sind. Auf einem solchen Mega-Schiff sind gerade mal 20 Menschen aus Billiglohnländern beschäftigt. Und wie unser Sprecher an Bord mitteilte, fahren die großen Transportschiffe alle mit Rohöl, einem Abfallprodukt aus der Benzinherstellung, weil sich die Redereien Diesel oder gesündere Kraftstoffe nicht leisten können (die Konsumenten nicht leisten wollen sag ich jetzt mal, obwohl wir es schon könnten, nicht wahr? Dann wären die Bananen halt vier Cent teurer pro Stück).

So geht also dieser Sommer im Jahr des Hugo langsam zu Ende. Ich habe ihn mir beschreiben lassen, den Hugo, aber nicht servieren. Ich halt mich lieber an mein Weizenbier, meinen Rotwein. Muss wohl eine Art inneres Reinheitsgebot sein bei mir.

Gestern früh am Morgen ging ich so durch den Wald, und dann spannte sich da so ein Spinnfaden von einem Baum zu einem anderen und glänzte zart in der frühen Sonne. Dazwischen waren ein Weg und sicherlich sieben Meter. Hab mich dann gefragt, wie die Spinne das macht?  Eigentlich ist das doch völlig unmöglich! Sollte es jemand da draußen wissen, bitte schreiben!

So, und nun muss ich mich um meine kaputte Waschmaschine kümmern. Don´t it always seem to go that you don´t know what you´ve got ´til it´s gone

😉

Paulson

This entry was posted on Sonntag, September 9th, 2012 at 20:58 and is filed under 2012. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.