Ron Sexsmith


Hi there! Hab lange nichts von mir hören lassen. War quasi abgetaucht in den ewig rätselhaften Seelengründen. Es passiert ja so vieles, im Privaten und im Restweltlichen.

Zum Beispiel haben wir im Ländle inzwischen eine grün-rote Regierung. Aber haben wir eigentlich auch eine grün-rote Bevölkerung? Ich bezweifle es. Bin Laden ist exekutiert worden, wir freuen uns mehr oder weniger darüber, aber natürlich unternehmen wir auch weiterhin nicht wirklich etwas gegen die tieferen Ursachen des Terrorismus. Ich denke mal wir wollen sie gar nicht verstehen. Vor allem wollen wir nicht teilen, nicht unseren Reichtum, nicht unsere Dominanz. Stattdessen vergelten wir Gleiches mit Gleichem und machen damit sicherlich keine Werbung für die Stärken der Demokratie, für Rechtstaatlichkeit zum Beispiel. Nun, immerhin waren es ja die Amerikaner. Wir Deutschen sind wohl eher überwiegend hoffnungslose Polit-Romantiker und Gesinnungsethiker. Auch ich selbst wäre völlig ungeeignet für praktische Politik.

War das jetzt konfus? Meinetwegen. So ist das ganze Leben!

Was hat sich noch ereignet? Das Land trocknet langsam aus, mein großer See gibt unbekannte Ufer frei. Der Frühling hat eingesetzt, und mit ihm ein teilweise vielstimmiges Rasenmäher-Concerto-Grosso. Allerdings, ich schwör es Euch, ist heute nicht eine dieser Kisten losgegangen, ich mach mir langsam Sorgen. Nun, noch ist es nicht dunkel, sicherlich wird nebenan in irgendeinem Schuppen gerade so ein Ding betankt.

Natürlich gab es auch die Katastrophe in Japan. Deshalb haben wir ja nun die neue Landesregierung. Ich hoffe sie bekommt eine faire Chance. Wenn ich mir das Oppositionspersonal so anschaue, wird mir allerdings nicht bange. Ich freu mich vor allem auf mehr Ehrlichkeit und Beteiligung in der hiesigen Politik. Das Entscheiden ohne entsprechende Beteiligung ist ja zum Standard in Politik, Wirtschaft, Bildung und überhaupt geworden. Wenn es überhaupt schon mal besser war. Man verklärt ja gerne die alten Tage. Gehen wir also einfach mal davon aus, dass wir in der besten aller Welten leben. Den Menschen überhaupt und sich selbst in das Zentrum des Universums zu stellen, zusammen mit einem netten Die-Welt-Ist-schön-Optimismus, und schon lebt es sich wie geschmiert. Ich selbst ziehe es weiterhin vor, unser Tun etwas kritischer zu betrachten. Als Melancholiker lebe ich damit allerdings zugegebenermaßen auch ganz gut. Unsereiner braucht immer ein gewisses Quantum an Schmerz, und das gilt sowohl fürs Private als auch für´s Restweltliche.

Was recht zuverlässig Schmerzen verabreicht ist unser täglich Fernsehbrot. Ich sehe also zappe ich. Weil man es eigentlich auf kaum einem Kanal länger als fünf Minuten aushält. Überall Monstertruckrennen, catchende Ungeheuer, vollbusige Idiotenspiel-Damen, labernde Kochduellgiganten, Eishockey-WM bei 30 Grad im Schatten, Biathlon im Fußballstadion, Prinzenhochzeiten stundenlang, und viele viele schöne bunte Sachen mehr. Und überall Nachrichten, so gut wie keine Zusammenhänge, statt dessen Bilder, Fakten, Gesichter. Warum ich trotzdem schau? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Wahrscheinlich pränatale Prägung durch Berieselung. Kann aber eigentlich nicht sein, denn meine Familie wurde erst um 1965 mit der Kiste beschenkt. Manchmal hat man ja auch ein gutes Gefühl wenn man ausschaltet. Nach einem tollen Fußballspiel zum Beispiel. Oder nach einem schönen Konzertmitschnitt. Wobei da im Grunde auch immer dasselbe Material läuft. Immer dieselben Big Hundred, mit den anderen lässt sich einfach kein Geld verdienen.

Die Musikindustrie hab ich noch nie verstanden, und die neuesten Entwicklungen im Internet überschau ich sowieso nicht mehr. Ich möchte Euch jenseits der ganz großen Acts etwas Hübsches empfehlen. Ich mag eher die kleinen und intimeren Sachen. Wo noch Menschen Musik machen und nicht Show, wo noch Menschen zuhören und sich freuen, statt sich selbst in einer riesigen Party zu inszenieren. Eben ohne diese ganze Werbe-, Profit- und Starkult-Kacke. Jedenfalls hab ich da einen entdeckt, der mir gut gefällt. Er ist Kanadier, schaut immer gleich (traurig) und schreibt tolle Lieder, die sowas von lässig dahergrooven, dass ich machmal sogar die Rasenmähermonster überhöre, außer wenn die ältere Dame von nebenan mit dem helikopterartigen Teil anbietet. Dann wäre nicht einmal eine Death-Metal-Band in der Lage das zu überbieten.

Dieser Ron Sexsmith ist schon seit über 30 Jahren Singer-Songwriter, aber halt auch so ein notorisch erfolgloser. Jetzt haben sie ihn nochmal richtig rausgebracht. Ich fürchte aber, die perfekt gemachte Silberling ist einfach zu gut für den Erfolg. Hört doch mal in die Links rein. Für mich ist zwar kein Gänsehautsong dabei, aber das Album ist durchgängig klasse und berührt mich als Gesamtkunstwerk wie schon lange nichts mehr. „Long Player Late Bloomer“ heißt das schöne Werk, das ich wärmstens empfehle.

Mein eigenes Album kommt gut voran. Ich werde Euch beim nächsten Mal darüber berichten.

So long!

Paulson

http://www.youtube.com/watch?v=T8UMPMMt_Tw

http://www.youtube.com/watch?v=-frGGhsysXQ&feature=fvsr

http://www.youtube.com/watch?v=9kEggUKx56o

http://www.youtube.com/watch?v=_X2LJBEBhY&feature=list_related&playnext=1&list=AVGxdCwVVULXdmDR3WJ6z31CgDkcGAQjog



This entry was posted on Montag, Mai 16th, 2011 at 19:37 and is filed under 2011. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.