September


Hallo! Bin zurück von meiner Inselreise und noch voller Eindrücke und Wärme und Ruhe. Hatte viele schöne Begegnungen und Zeit zum Lesen, Schreiben, Runterfahren.

Es gibt tatsächlich noch einige wenige Orte, wo die Geräusche der Natur überwiegen. Wo du bei Nacht einen Sternenhimmel siehst, der dich in Ehrfurcht nach oben blicken lässt. Überhaupt weißt du mal wieder, was du eigentlich bist, wenn du da so verlorengeborgen im Wind stehst draußen am weiten Strand zwischen Himmel und Meer.

Wenn du dein Land mit dem Rad durchquerst siehst du allerdings erst mal so richtig den Verschandlungsgrad der Landschaft. Alles zum Wohle unseres Lebensstandards und der zum System gehörenden Mobilität. Natürlich wären meine Unternehmungen kaum möglich ohne diesen Standard. Aber die Hässlichkeiten überwiegen die Schönheiten bei weitem. Kein Wunder, dass die meisten Menschen dorthin abhauen, wo die Welt vermeintlich noch heiler ist. Nun…ich will nicht schon wieder anfangen mit meinem Kulturpessimismus.

Und jetzt geht es in den Alltag. Hatte drei Wochen so gut wie keinen Kontakt zur normalen Welt. Und nun kehre ich heim, erfahre von einigen tragischen Todesfällen, der Sarrazin-Debatte, den Protesten gegen Stuttgart 21. So ist mein September in jedem Jahr: Inselglück, Abschied von der Insel, Abschied vom Sommer, Wiedereintritt in die Realität meines Lebens.

Ich für meinen Teil habe in den letzten Jahren erheblich entschleunigt – das frühere Tempo hätte mich ganz sicher umgebracht – aber dafür finden die anderen immer noch ein Schräubchen, das sie anziehen können, immer noch ein Reförmchen, das sie umsetzen, ein Päckchen, das sie zusätzlich aufladen können. In der schönen neuen Welt des Arbeitslebens wird einem das heute praktisch ankündigungslos und beteiligungslos zugemutet. Nicht dass hier noch die Langeweile und die Nachhaltigkeit ausbricht! Wie sollte man ein Innehalten verantworten vor jenen, die es noch viel schwerer haben!?

Das Leisten, das Produzieren, das Verkaufen und Kaufen, das sind unsere Religionen. Darin sind wir noch viel fanatischer als die religiösen Fundamentalisten. Und wir merken das nicht einmal in unserer Systemblindheit. Wir machen immer nur weiter. Höher, schneller, weiter. Ich glaube aber, dass nur wenige tausend Alphatiere in der Wirtschaft vorgeben, wie alle anderen zu leben haben. Nicht der bedächtige, nicht der sorgfältige, nicht der empathische Mensch gibt den Ton an, sondern die Macher, die Materialisten und Geldmenschen. Die allermeisten von ihnen hinterfragen nie ihr Tun. Und sie denken sogar, sie würden verantwortlich handeln, dabei richten sie oft den Planeten und die Menschen zugrunde.

O.k., ich hör ja schon auf. War jetzt vielleicht auch ein wenig zu düster. Lese gerade einen biografischen Roman über Robert Bosch. Dieser schrullig-geniale und soziale Unternehmer stammt zufällig aus derselben Gemeinde wie ich. Ein wirklich faszinierendes Leben eines sozialistischen Kapitalisten. Sowas gibt es tatsächlich. Es gibt fast nichts was es nicht gibt. Und dies gilt sicherlich auch für Meinungen… 😉

Zur Musik:

Hatte drei Wochen keine Gitarre in der Hand, und nun macht es wieder richtig Spaß, das Ding zu spielen. Nur die Hornhäute der linken Hand sind etwas dünn geworden.

Es stehen im Herbst noch vier Konzerte an (in Lautlingen, Burladingen, Bisingen und Meidelstetten)

Der nächste Gig ist in Albstadt-Lautlingen, im Bistro Pinselstrich. Das alte Lautlinger Schulhaus in der Von Stauffenbergstraße 14 ist in den letzten Jahren vom holländischen Künstler Harry van Essen renoviert und neu gestaltet worden. Ein warmer und sehr interessanter Ort. Das Konzert ist kostenlos und der Termin ist Sa. 25.9., 20:30 Uhr.

Hier der Link: www.atelier-lotus.de

Es werden die letzten Konzerte für lange Zeit sein. In 2011 wird es frühestens im Oktober wieder Konzerte geben. Das hat zum einen mit der immer heftigeren Belastung in der Lernfabrik zu tun. Außerdem verstehe ich mich zu allererst als Songschreiber und erst in zweiter als Performer.  Und womöglich gibt es im nächsten Jahr wieder ein neues Album, je nachdem, wie ich im Studio vorankomme. Dass ich ein Jahr lang keine Konzerte geben werde hat aber auch damit zu tun, dass ich keine Lust habe, mich andauernd verkaufen zu müssen. Aber das ist eine komplizierte und eine andere Geschichte, die ich Euch ein anderes Mal erzähle.

So, und nun noch der musikalische Tipp: Ihr wisst ja, dass ich auf Schnulzen stehe? Wenn ihr das auch tut, dann hört Euch doch mal das hier an. Aber bitte nur dann!

http://www.youtube.com/watch?v=cFyJPKEAv8g

http://www.youtube.com/watch?v=uLQ_1YgCe4E&NR=1


Ich grüße Euch mit einem ganz herzlichen „slow down“. 😉


Paulson

This entry was posted on Sonntag, September 12th, 2010 at 13:45 and is filed under 2010. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.