Unterwegs…


…war ich heute. Mit dem Radel im Flow, sozusagen, ein Seitental der Alb, ein kleiner See, blauer Himmel. Außer mir waren natürlich auch die anderen 79 999 999 Deutschen unterwegs. Dort an dem Seele, das wäre das Paradies auf Erden, wenn sie nicht dies graue Band mitten durch das Tal und den Berg hinauf gebaut hätten. Ausgerechnet an der einzigen Stelle mit einem See! Natürlich wusste man beim Bau noch nicht, dass es einmal eine Freizeitgesellschaft geben würde. Habe den Krach dann mit schöner Musik übertönt, weiter auf dies traumhafte Ambiente geschaut und gespürt, wie es hätte sein können…

Nun, wer heute den permanenten Akustikmüll nicht ausblenden kann, der wird natürlich verrückt. Die meisten von uns können gut mit den Lauscherbeleidigungen umgehen. Man will ja schließlich selbst auch mobil sein, und da wäre es ja unlogisch, wenn man… 😉

Der heutige Sonntag begann um Viertel vor acht mit einem Motorsegler, ich denke die Dinger heißen so. Fliegende Kettensäge wäre auch passend. Da sitzt ein einzelner tollkühner Abenteurer auf so einem Gestell mit Tragfläche und höllisch lautem, extrem hoch drehendem Motor. Und die Dinger sind langsam wie Schnecken. Und so versüßte dieser eine Mensch den Hechingern und Wessingern und Zimmernern und all den andern auf seinem Weg den Sonntagmorgen durch seinen luftigen Egotrip. Einer für alle, gewissermaßen. Manchmal ist es gut, dass ich kein Gewehr habe…

Kaum beginnt die Biomasse zu explodieren (man nennt es auch Frühlingseinzug), da dröhnen schon wieder von überall her die Motoren. Quasi ein Einmarsch der Maschinenist das. Grüner Krieg. Einer meiner Nachbarn sägt seit Jahren mit Kettensäge, so in zehn schönen Häppchen verteilt über den ganzen Tag. Immer mal ein paar Minuten. Muss eine Art Hobby sein. Da lob ich mir den von der anderen Seite, denn der hat sich neulich eine Bandsäge gekauft – ich schätze mal aufgrund der neuesten OBI-Werbung, wo der Mann noch ein richtiger Mann ist – und sägt wenigstens immer gleich zwei Stunden am Stück. Da kann ich mich dann wenigstens drauf einstellen. Es geht eben nichts über verlässliche Partner. Zu den Rasenmähern schreib ich jetzt nur soviel: sie machen mich schon lange nicht mehr rasend. Sie sind fast harmlos im Vergleich, friedlich wie Igelein gleiten sie, wenn auch lärmend, übers Gras. Manche mähen allerdings bereits wenn noch gar kein Gras vorhanden ist. Muss eine Art Trieb sein. Bin ja im Grunde meines Herzens auch ein Gärtner. Ist einer meiner sieben Berufe. Allerdings ruht er gerade. Fast. Mein Balkonien ist bereits gut auf den Sommer vorbereitet. Blumen, Tomaten, Gewürze. Werde diesmal auch Zucchini probieren. Vielleicht sollte ich mal die neue fast lautlose Bewässerungshydraulik von Lidl ausprobieren. Die gab´s neulich im Angebot. Vor einem Jahr hab ich dort auch meine Urinsteinfräse gekauft. Funktioniert einwandfrei das Ding, nur höllisch laut halt. Viermal so laut wie ein Laubbläser. Aber von Nichts kommt Nichts…

Jaja, dies Krachmacherland ist schon manchmal schwer zu ertragen. Und die meisten Menschen sind zu systemblind um zu bemerken, dass sich ihre Lebensqualität jährlich verschlechtert. Aber für viele ist eben Lebensqualität wenn sie endlich den 200-PS-Jeep unterm Hintern haben. Oder einen sauberen Garten unter Aufbietung aller nur erdenklichen maschinellen Hilfen. Wissen die eigentlich noch wie schön es ist wie ein Kind die Erde mit den Händen zu beackern? Waren die nie Kinder? Oder werden sie nie erwachsen? 😕

Noch ein paar Sätze zum Flugverbot: War das nicht großartig? Ein wundervolles und unerwartetes Geschenk. Endlich mal wieder Frieden für die schwäbischen und alle anderen Himmel über Europa. Noch nie war mir Island so nah. Schon unfassbar wie selbstverständlich sich die Menschen  auf  Stratosphärenhöhe katapultieren lassen, wo ganz sicher kein Mensch hingehört, eigentlich. Und schon unglaublich, wie in unserem sozialen Spaß- und Raubtier-Kapitalismus fast alles durcheinander kommt ohne Mobilität. Alles hoch getaktet und Millionen Rädchen, die da ineinander greifen. Man stelle sich mal vor es fielen gleichzeitig EDV und Treibstoffversorgung aus! Nun, das wäre eher ziemlich unschön. Da es uns inzwischen fast sieben Milliarden Mal gibt, wäre das wohl der Beginn eines katastrophalen Verteilungsgemetzels. Aber auch so bezahlen wir für unseren Lebensstandard einen hohen Preis.

Jedenfalls sollten wir öfter mal den Himmel den Engeln und der Fantasie überlassen. Auch weil es inzwischen fast unzählige Engel gibt. Und wo sollen die denn auch rumfliegen, wenn nicht am Firmament?!

Die Auftritte in Backnang und Pforzheim waren toll. Wenn Ihr uns auch mal wieder live sehen und hören möchtet, wir spielen am Donnerstag, den 6.5. im Werkforum in Dotternhausen, in einem richtig schönen Ambiente. Wenn Ihr die beiden Begriffe Werkforum und Dotternhausen eingebt erfahrt Ihr mehr darüber. Der Eintritt ist frei, es wird aber für einen guten Zweck gesammelt. Besetzung: Andreas Reif, Andy Schoy, Artur Stopper, Simone Conzelmann.

Und noch ein YouTube-tipp:

www.youtube.com/watch?v=9198_8094uY

So, jetzt ist Sonntagabend. Die Welt hat ein wenig Ruh. Und draußen singen die Vögelein. Wo und wer immer Ihr seid: Genießt den lauen Lenz!

Euer Paulson


This entry was posted on Sonntag, April 25th, 2010 at 23:46 and is filed under 2010. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.