Urlaub fürs Gehör

Paulson stellt seine neue CD ‚come to the island’ vor

Von Anne Retter

Auf dem Booklet spült ein graues Meer ein lächelndes Frauengesicht an einen schmalen Streifen grauen Strands. Im Innern der Hülle verrät ein kleiner Schriftzug: ‚Dedicated to the Flower of Love’ (Der Blume der Liebe gewidmet). Und siehe da, auf der Rückseite blüht eine orangefarbene Gerbera aus dem grauen Meer empor. „Die Gerbera habe ich ausgesucht, weil ich sie einfach schön finde. Dass sie allerdings an dieser unmöglichen Stelle erblüht, ist für mich ein Symbol des mystischen Grundcharakters der Liebe.“ erklärt Paulson. Die Inspiration für die vierzehn Songs waren die eigenen Erfahrungen von Trennung und Neuanfang – und neuer Liebe.

Paulson, das ist Ernst Buntz, der Mann mit der Gitarre, der Sänger, der Komponist, der Songwriter. Für die CD ‚come to the island’ hat er sich Freunde ins Boot geholt: Den Percussionisten Andy Schoy, der derzeit für die Blue Man Group tätig ist, Flötist Axel Köberlein von ‚Grachmusikoff’ und außerdem geradezu verschwenderisch viele Stimmen: Es singen Jasmin und Ilona Roth, der Gitarrist und Bassist Gerhard ‚Beefy’ Wurst, Artur Stopper, Mia Buntz und Posaunist Martin Mangler. Ralf Gugel trägt Bass und Gitarre bei. „Paulson and Friends ist ein bewegliches Gebilde,“ erklärt Paulson, „Meine Tochter Mia beispielsweise ist zwar auf der CD zu hören, hat aber ihre eigene Band. Und auch Beefy wird bei den Konzerten nicht dabei sein; Gitarre und Saxophon spielt Matti Münch.“
Der fünfte Paulson-Silberling nimmt den Hörer für 66 Minuten und 50 Sekunden mit auf eine Reise, die sich wie ein Sonntagmorgen im Sommer anfühlt. Der erste der vierzehn Songs – ‚come to my island’ – lädt zu musikalischen Ferien auf Paulsons Insel „way out in the ocean“ (weit draußen im Ozean) ein. Hier begegnet man Engeln und Frauen, aber auch sich selbst. „Find yourself“ fordert den Hörer auf, nicht länger auf Wunder zu warten, nicht anderen die Schuld zuzuschieben, dafür aber an sich selbst zu glauben und nicht aufzugeben: „So go and find the secrets of your soul“. Auf der Suche nach den Geheimnissen der eigenen Seele stellt sich Paulson als Reiseführer zur Verfügung. „Time to fly“ erinnert uns an die potentiellen Möglichkeiten, die wir im Leben haben, und „I´ll be there“ an die Menschen, die an unserer Seite sind. Melancholisches mischt sich mit Motivierendem, und beides dümpelt ausgeglichen wie verschiedenfarbige Bojen rund um die Paulsoninsel: Es gibt keinen tiefen Weltschmerz, aber auch keine Jubelchöre. Im lauwarmen Inselklima erfährt jedes Gefühl eine Relativierung, die es ermöglicht, einfach mitzufühlen. Der Sound wird bestimmt durch akustische Gitarren und Stimmen. Eingängig strukturierte Melodien und ebensolche Texte dürften das Publikum bei den anstehenden Konzerten schnell zum Mitsingen befähigen.
Mit dem flotteren „Out on the beach“ wird der Hörer schließlich wieder in den Alltag entlassen; nicht ohne die Erinnerung, dass die Wellen mal hochschlagen, sich aber auch wieder beruhigen. Meeresrauschen und die Schreie der Möwen schaukeln am leisen Bonustrack „Prince of the Island“ vorbei, und spülen uns sanft in den hoffentlich warmen Ozean, weg von Paulsons musikalischer Insel.
Natürlich bedient Ernst Buntz alias Paulson etablierte Bilder – die lange Straße, den Regen, die Insel, et cetera. Er tut dies aber charmant: Nie wird das Klischee aufdringlich, nie die ausgetretenen Pfade öde. Und letztlich ist die Liebe ja auch so: Eine uralte Geschichte, die, neu erzählt, frei nach Polgar zu einem privaten Weltereignis wird.

Schwarzwälderbote Ebingen,  März 2008

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