Zwei Tage


Während andere wieder die südlichen Sonneninseln aufsuchen, entdecke ich erneut die stillen Schätze der Heimatscholle. Am Donnerstag noch die perfekte Idylle unter der Burg, eine Schafherde auf der Zimmerner Halde, die Bäume und Büsche in den prächtigsten Herbstfarben, eine Szene wie aus einem Bilderbuch von anno dazumal. Und nun dieser frühe Schnee im späten Oktober, nur zwei Tage später.

schnee1

Das Bild entstand heute früh von meinem Balkon aus. Es zeigt den Tanz der Schneeflocken vor einem alten Holzschuppen. Und zwischen Donnerstag und heute eben diese beiden Tage im Leben eines Menschen, zu dem ich ICH sage und den ich manchmal beim Blick in den Spiegel frage: Sag mal, wer bist du eigentlich?

Vielleicht ist es ja die Orgelmusik, die ich beim Schreiben höre, die mir solch seltsame  Gedanken entlockt. Aber sind sie überhaupt abwegig, diese Gedanken und Fragen? Sind nicht Alltag, Autobahn und SWR-Hitparade viel grotesker und viel weiter vom Menschen weg  als etwa dieses?:

sind wir menschen
nicht immer beides
engel und satan
mann und weib
mensch und tier
fett am leben
und todgeweiht

oder jenes:

woher kommen sie
die zauberkräfte
welche uns tagtäglich
durch die welt führen
was lässt uns lieben
was lässt uns hassen
was weinen und lachen
fortgehen und bleiben

entstanden sie vielleicht
aus schlichten worten
die uns wiederfuhren
aus kleinen kränkungen
der frühen lebenszeit
oder tragen wir
die unerklärten zaubersamen
in der langen kette der ahnen
seit tausenden von jahren schon
durch diese welt

Diese Gedanken kamen mir heut früh, als ich vom Leben geküsst und von den Gedanken an den Schnee liebevoll eingehüllt in meinem Bett lag und zum Fenster rausschaute.

Ja, warum gibt es in unserem Alltag so viele Worte, die sich um Technisches, um Nachrichten und um Werbung drehen, und weshalb gibt es so wenige tiefe Gedanken zum Menschsein, vor allem: so wenige Fragen? Das frag ich mich seit langem und in Gesprächen mit den Menschen wundere ich mich, dass die allermeisten, wenn sie miteinander reden, nicht dorthin gelangen. Vielleicht ist der Mensch ja wirklich ein auf  Spaß und Konsum und Überleben angelegtes Alltagswesen…?

Nein, der Mensch ist mehr…viel mehr.

Ich grüße Euch auf Euren Inseln, mögen sie weit weg, oder ganz nah sein.

und:

Das Leben ist kurz und wunderschön… lasst LIEBE sein!

Paulson


This entry was posted on Samstag, Oktober 27th, 2012 at 16:01 and is filed under 2012. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.