frühlingsgefühle

frühlingsgefühle


willkommen im deutschen frühling
überall platzt einem wunder gleich
das neue leben aus der erde
glücksgefühle machen sich breit

eigentlich

es hat sich aber so ergeben
und es ergibt sich immer mehr
dass in der heimischen welt
dort wo viele menschen sind
wo sie schlafen sich erholen und sogar wohnen
die technische welt die natürliche vollends überflügelt

die maschinenführenden teutonenkrieger
zermähen und zersägen zerblasen und zerhäckseln
den nachbarn die freude am draußensein
sie ertragen nicht das moos am stein
das pflänzchen in der fuge
die wiesenblume auf dem rasenteppich

man fragt sich warum sie eigentlich gärten haben
wenn sie es nicht aushalten dass darin etwas wächst

die privaten fuhr- und maschinenparks
zur beseitigung der florierenden ärgernisse
sind mittlerweile durchaus imposant
da erblasst so mancher städtische bauhöfler vor neid

in diesem land gilt das recht des lauten

und wenn der eine gerade fertig ist
zieht schon der nächste an der anreißleine
auch lärmen sie gern gemeinsam

besonders im nachwinterlichen hurra-ich-bin-wieder-da

und der krachgeplagte mitbürger
was macht eigentlich der
er ist auf der suche
und eigentlich sind es alle
nach inseln der ruhe
die er aber nur mit technischem aufwand erreicht
was wiederum zur zerstörung eben dieser inseln
und zur weiteren lärmverschmutzung der welt beiträgt

der mensch ist durchaus von sinnen
doch weil so viele von sinnen sind
fällt ihm das nicht weiter auf

wodurch nur fragt man sich
wird der lärmende mensch getrieben

weshalb nur schießt er mit seinem tun
dermaßen über das notwendige hinaus
und warum schafft er es nicht
jedenfalls sieht man ihn nicht
sich im Garten einfach einmal
auf die faule haut zu legen
sich dem nichtstun hinzugeben
den gedanken
dem zug der wolken
den billigflieger-heerscharen

vielleicht ja weil fast alles doch eher
von tief unten zu ihm kommt
und so auch das lärmensollenwollenmüssen
vielleicht ist das laute im grunde ein zärtliches

womöglich bringen ja kettensäge und co
eine sehnsucht zum ausdruck
warum sonst sollte ein mensch
so gewaltsam auf sich hinweisen
so eindeutig schreiend
so alle mitreißend
wenn nicht um seiner selbst willen

kein normaler deutscher mensch
würde doch einfach so sinnlos drauflos lärmen
ohne sich wenigstens ein klein wenig
um die opfer seines tuns zu sorgen

natürlich bleibt alles ein rätsel
zu allererst der mensch

ein stilles arbeiten ein lesen ein schreiben
ein nachdenken oder ein träumen im eigenen garten gar
sie alle sind unmöglich geworden
weil unzählige exemplare von lärmo sapiens
wohngebiete in kriegsgebiete verwandeln

das leise gehört nicht zum sauberen im heimatland

und wenn sie abends die maschinen abschalten
dann stehen sie andächtig im geputzten garten
und strahlen wie rotkehlchen
aus der familie der fliegenschnäpper

und die stillen
wo sind eigentlich die stillen

sie sitzen in ihren wohnungen und warten
bis der letzte motor erstirbt
dann öffnen sie die fenster zur nacht
atmen tief ein
und feiern das leise zischen
der mobilitäts-maschinen
zu himmel und zu erde

diese wohltat nach dem randallieren
der grünen terror-armeen vom tage


wenn man wüsste wohin
man würde glatt auswandern

aber der wahnsinn ist überall

denn überall ist der mensch

und es ist nur der anfang


stellt sich ganz am ende noch die frage


ist das alles maßlos übertrieben


ja es ist übertrieben

ja das hier ist satire


das ganze leben ist doch eine



ich schick euch ein paar minuten naturmusik mit

https://www.youtube.com/watch?v=eMeW0T8pIaE


paulson



This entry was posted on Freitag, April 24th, 2015 at 15:11 and is filed under 2015. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.