spielball

 

manchmal
wenn er mal wieder unter menschen war
sah er es so

im zeitalter des anthropozän
war der sapiens endgültig
zu einem wesen geworden

das als arbeiter und konsument
ununterbrochen zur verfügung stand

er verbrachte sein leben
als spielball fremder gewalten
und verpasste so sein eigentliches sein

er handelte nicht aus seinen tiefsten wünschen
wurde vielmehr gehandelt und misshandelt

weil er dies intuitiv verstand
war er immer auf der flucht
in seinen vorstellungen
in seinem wünschen und sehnen
mit flugzeugen und anderem maschinenzeugs
verschwand er in allen
möglichen fantastischen glücksparadiesen

alles war ihm im grunde näher als dies aufgezwungene sein

wieder zurück auf seiner insel
spürte er dass es so nicht war

zweifellos lebten sie in der besten aller welten
sie wurden älter als jemals zuvor
und genossen ungeheure freiheiten
mit denen sie souverän umzugehen wussten

sein bild vom menschen
musste also mit ihm selbst zu tun haben

irgend etwas bei ihm konnte nicht stimmen

er schaute sich im spiegel tief in die augen
dann nahm er zwei hände voll wasser
und kühlte sein gesicht

ein mensch im maschinenglück
beschleunigte seinen fetisch
röhrend zum dorf hinaus
unwillkürlich musste er
an das brüllen eines löwen denken
er konnte ihn noch hören
als der andere bereits das nächste dorf erreichte

er schaute zum fenster hinaus
ein mann mähte einen frisch gemähten rasen
die rote katze von nebenan gähnte in der mittagshitze

noch einmal betrachtete er den sapiens im spiegel

womöglich war er selbst spielball
seiner gedanken und erwartungen

ja
das würde er fortan glauben
so konnte er viel besser mit allem leben

 

 

 

 

 

 

This entry was posted on Samstag, Juni 30th, 2018 at 09:26 and is filed under 2018. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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